Die erste, wirklich negative Reaktion…

Nun war es so weit, ich habe die erste, wirklich negative Reaktion bekommen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich sie auch provoziert…

Ich schulde Dir noch die Antwort auf die Tür-Frage. Ich hatte mich an dem Tag und auch an den darauf folgenden Tagen natürlich für die Damentoilette entschieden und hatte wohl das Glück, das ich bis vorgestern niemandem begegnet bin.

Nunjaa, bis vorgestern eben. Als ich die Toilette gerade verlassen wollte, öffnete sich die Tür und eine Frau stand vor mir, die ich von den Raucherpausen her kannte und mit der ich bisher eigentlich recht gut ausgekommen war.

Sie schaute mich an, als wäre ich eine Ausserirdische und fuhr mich dann an, was ich mir dabei wohl gedacht hätte und ob bei mir schon alles umoperiert sei oder nicht. Als ich das verneinte, sagte sie giftig, das ich dann gefälligst die andere Tür benutzen solle. Ich war ebenfalls etwas verdattert und überrumpelt und wollte deshalb mich da jetzt nicht groß rechtfertigen, weshalb ich nur nickte und dann in mein Büro verschwand.

Am nächsten Tag, also gestern begegnete ich ihr wieder in einer Raucherpause vor der Tür und sie musste mich natürlich sofort wieder zur Rede stellen indem sie mich wieder fragte, was ich mir dabei gedacht hatte. Ich sagte nnur: „Ich bin eine Frau, ich fühle mich als Frau und ich werde eine Frau sein“.

Von ihr kam dann nur noch: „Also ich bin ja echt tolerant, aber….“

Naja, das was darauf kam habe ich nicht mehr mitbekommen, weil ich dann abgeschalten habe und einfach, mich umdrehend, gegangen bin.

„Also ich bin ja echt tolerant, aber….“ …..
„Ich bin kein Nazi, aber….“….

WAS ABER???!! Tolerant?? Tolerant ja wohl nur in der Hinscht, das man sich in den Raucherpausen mal mit mir unterhält. Weiter reicht die Toleranz dann scheinbar wohl nicht.

Und ich dachte wirklich, wir seien erwachsene Menschen. Jeder geht in sein Kabinchen, zieht die Tür zu und schaltet für 2 Minuten ab. Wo ist das Problem??? Ich raffs nicht.

Nun, jedenfalls bin ich nicht Diejenige die dann auf Konfrontationskurs geht, hast Du sicher schon gemerkt. Ich habe mich entschlossen, dann nun auf Arbeit halt doch die Männertoilette zu nutzen und zu hoffen, das ich dort niemandem begegne. Kenne ich ja schon seit 43 Jahren, das Einschränken, das Anpassen, das Ducken……….

Sehr schade, echt!  🙁

2 Kommentare

  1. Hi Christin,

    bin grad über das Linux Counter Project auf Deine Seite gestoßen. Ich möchte Dir ein paar Gedanken schreiben warum ich mir vorstellen kann, daß das mit der Toilette problematisch sein kann: leider ist es ja so, daß frau recht oft von sexuellen Übergriffen betroffen ist – und das lernt frau auch von klein auf, das ist sehr tief verankert.
    Gerade in Schulen ist das Klo sowohl oft letzter Zufluchtsort als auch gleichzeitig Ort von sexualisierter Gewalt – wenn Burschen die Mädchen bis ins Mädchenklo verfolgen und dann dort alles mögliche passiert das nicht passieren sollte und nicht einvernehmlich ist. Siehe dazu zb das Buch „Let’s kill Barbie“ das ausführlich über die Zustände an Schulen berichtet.

    Du kennst ja sicher das Konzept des „Heisen-Rapist“. Wenn nun einer Frau die ihr ganzes Leben mit der – doch immer irgendwie vorhandenen – Möglichkeit eines Übergriffs aufgewachsen ist (vllt. ja auch deswegen die Frage nach der OP?) aufm Klo – eben dem letzten Rückzugsort wo es tatsächlich mal gesellschaftlich erlaubt ist zu einem Mann „nein“ zu sagen und ihn des Platzes zu verweisen nun eine Person entgegenkommt die (wenn auch nur mit 3 mentalen Kopfständen) mit „männlich“ in Verbindung gebracht werden kann….

    Unter Kolleginnen und geoutet ist das Verhalten natürlich absurd, weil kein Mensch würde sich das Prozedere einer Transition antun um am Klo andere Frauen zu belästigen.

    Ich hab den Eindruck, daß die Angst mitschwingt, daß da nun iwie hordenweise Männer auftauchen würden die zwar stinknormale Heten sind aber sich mit „ja, ich fühle mich aber als Frau, Du darfst mich nicht rauswerfen, ätschbätsch“ Zugang zu diesem letzten „offiziell männerfreien“ Raum ergaunern um frau dann Böses zu tun.

    Ist zwar kein wirklicher Trost für Dich, aber vllt hilft es Dir sowas nicht zu persönlich zu nehmen wenn Du Dir vor Augen führst, daß das nicht alles Haß auf Dich persönlich sein muß sondern durchaus auch einfach eine unbewußte Angst sein kann.

    Ich muß zugeben, jetzt wo ich so drüber nachdenke, daß ich wahrscheinlich auch seltsam reagieren würde wenn mir eine mir unbekannte Transfrau am Damenklo entgegenkäme UND (das ist für mich das Kriterium) „männlich“ präsentiert, kA im Anzug und mit Bart aufm Damenklo, da würde ich schon nachfragen ob das Herrenklo defekt ist oder so. Ich nehme mal nicht an, daß Du das so gemacht hast, aber meine Grenzen sind ja nicht repräsentativ für alle Frauen.

    Eine unbekannte Person die „nach Mann aussieht“ auf „meinem“ Klo – ich weiß nicht ob ich mich da dem „Heisen-Rapist“-Faktor wirklich entziehen könnte. Da ist einfach dieses nagende Gefühl was denn „DER“ da (böses?) vorhat. Und wenn’s nur Gaffen wäre während ich mir im Vorraum den BH zurechtrücke oder mich im Sommer mal unter den Achseln waschen will oder wenn ich nach dem Tamponwechsel mit Blutresten an den Fingern aus der Kabine komme weil das billige Klopapier so leicht reißt dass frau damit nicht alles 100% weggewischt kriegt (Regelblut ist einfach so klebrig, da reißt dann oft das Papier und frau kriegt die Papier- und Blutreste ohne Wasser nicht mehr von der Hand ab). Oder wenn frau sich mal nachschminken muß (gerade das Auftragen von Lippenstift ist derartig sexuell konnotiert, das würde ich persönlich zb nie vor einem männlichen Kollegen machen, da könnte ich mir an 3 Fingern ausrechnen, daß der mich nachher um 10% weniger ernst nimmt). Das Klo ist ja nicht nur der Kabinenbesuch. Gerade unter Frauen ist das oft der einzige Ort an dem frau Dinge erledigen kann die in Gegenwart von Männern als peinlich gelten – über Regelschmerzen klagen, sich Tampons schnorren, usw.

    Ist natürlich für jemand wie Dich eine Scheiß-Situation, weil Du kannst ja am wenigsten dafür daß das Patriarchat Regelblut als pfuibäh und Frauenangelegenheiten als lächerlich definiert und Gaffen als cool….

    Naja, sorry für „womansplaining“ und trotzdem alles Gute für Deine weitere Reise!

    • Hey und hallo Anonyma,

      vielen, vielen Dank für Deine wirklich sehr ausführliche und tatsächlich sehr hilfreiche Meinung aus der offensichtlichen Sicht einer Frau.
      Ja, Du hast mir mit Deinem Text tatsächlich sehr geholfen und ich freue mich, endlich einmal einen wirklich subjektiven Kommentar dazu zu bekommen.

      Natürlich versetze ich mich in solchen Situationen auch in meine Gegenüber hinein und versuche sie zu verstehen. Und ja, natürlich dachte ich dabei auch, das sie wohl einfach nur Angst hatte, auch wenn ich tatsächlich doch sehr weiblich gekleidet, frisiert und geschminkt war.

      Leider ist es halt auch so, das ich ja nun mal leider Gottes 43 Jahre als Mann gelebt habe – leben musste – und mich dahingehend natürlich auch angepasst habe und die Maske… Nunja, sicher nicht perfektioniert habe aber mich doch sehr gut an mein Äusseres angepasst habe. Da ist es dann in solchen Situationen nicht ganz so einfach, das Ganze zu verstehen und man fühlt sich doch sehr vor den Kopf gestossen.

      Wenn man sich dann so in seinen Gegenüber hinein versetzen kann, ist das schon Gold wert und man kann dann auch ganz anders reagieren.

      Vielen Dank!

      Liebe Grüße
      Christin

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