LGBTTIQ – Für mehr Akzeptanz und Toleranz von beiden Seiten

Wer kennt das nicht, man sitzt in der U-Bahn oder im Bus und wird von allen Seiten angestarrt, es wird getuschelt, immer wieder bedeutsam zu einem herüber geschaut oder die Plätze neben einem werden plötzlich frei wenn man sich hin setzt, weil die Leute wohl lieber stehen als sitzen? Jede_r von uns hat so etwas zumindest schon einmal beobachtet, selbst erleben müssen oder auch selbst für dieses Unbehagen in der Magengegend gesorgt.

Dies ist noch eine der harmlosesten aber auch am weitesten verbreiteten Formen der Intoleranz, der Vorurteile oder der fehlenden Akzeptanz in der Gesellschaft, die nichts desto Trotz sehr verletzend sein kann. Aber es geht natürlich noch weit aus schlimmer. Das andere Extrem wäre da zum Beispiel die sogenannte „Bathroom Bill“, die in North Carolina beschlossen wurde und inzwischen auch halb USA erwischt hat. Dabei geht es schlicht um die Forderung das jede_r Mensch nur auf die Toilette gehen darf, die dessen Geburtsgeschlecht entspricht.

Ein Transmann also, der seit 10 Jahren Hormone nimmt, fertig angeglichen ist und aussieht wie Hulk Hogan oder ein echter, harter, kanadischer Holzfäller, muss auf die Damentoilette gehen, weil er halt nun irgendwann einmal mit weiblichen, äußeren Gechlechtsmerkmalen zur Welt gekommen war.

Im Gegenzug dazu muss ein wunderschönes, junges Transmädchen, das vor der Pubertät mit der Hormonersatztherapie anfangen durfte, dessen männliche Pubertät also gar nicht stattgefunden hat, sondern aus dem ein wirklich schönes junges Mädchen geworden ist, auf die Herrentoilette, weil sie irgendwann einmal einen Schniedel zwischen den Beinen hatte.

Das Mädchen links ist Corey Maison, ein Transmädchen, das mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam und das große Glück hatte, vor der männlichen Pubertät Ihren Weg beginnen zu dürfen. Man(n) stelle sich vor, wie dieses Mädchen auf die Herrentoilette kommt.

So wird der sehr ritterliche Grund, wieso diese „Bathroom Bill“ eigentlich beschlossen wurde, nämlich das Schützen der Frauen oder jungen Mädchen vor männlichen Vergewaltigern, völlig ad absurdum geführt.

Aber ist das nur in den USA so? Oder gibt es etwas in der Art auch vor unserer eigenen Haustüre? Nun, wie Du richtig vermutest, gibt es so etwas einfach überall und überall müssen wir dafür sorgen, das es aufhört.

Schauen wir uns doch einfach einmal als kleines Beispiel das aktuelle Wahlprogramm der AfD an:

„Die AfD sieht den Wert des Menschen unabhängig von seinen privaten Interessen, seiner sexuellen Orientierung und seiner allgemeinen Lebensgestaltung. Deshalb stellen wir uns entschieden gegen die volkserzieherische Überhöhung von nicht heterosexuellen Menschen und gegen die Dekonstruktion der Familie. Aufgabe der Bildung muss es sein zu vermitteln, dass die Geschlechter aufeinander zugeordnet sind, einander ergänzen und es geboten ist, einander in Achtung zu begegnen.“
Was bedeutet das? Nun ganz einfach: Homoehe, oder auch Schwulen- oder Lesben-Ehe soll und darf es laut der AfD nicht geben. Kinder dürfen nur von Mutter und Vater aufgezogen werden. Eine Familie bestehend aus Transfrau und Mann, darf es laut der AfD nicht geben.
 
Leider hat die AfD auch noch viele, viele andere Passagen in ihrem Wahlprogramm, die entgegen jeder Vernunft, Toleranz oder gar der Menschenrechte sind. Diese sollen hier aber nun nicht zur Diskussion stehen, da sie mit dem eigentlichen Thema nichts oder kaum etwas zu tun haben.
 
Es wird von sogenannten Gutmenschen oder Reichsbürgern gefordet, alle Flüchtlinge pauschal abzuschieben oder einzusperren, weil sich einer einmal daneben benommen hat. Andererseits wurden im letzten Jahr über 800 Anschläge von eben jenen Gutmenschen, Reichsbürgern und anderen Rassisten auf Flüchtlingsheime ausgeführt, aus Angst vor Islamisierung, Arbeitslosigkeit oder einfacher Intoleranz gegenüber allem Andersartigem.
 
Und warum ist das so? Weil in unserer Gesellschaft nicht über den Tellerrand, die eigene Nasenspitze oder den eigenen, beschränkten Horizont hinaus gedacht wird!
 

Betrachten wir uns aber doch auch einmal die andere Seite der Medaille.

Ich bin auf Facebook Mitglied in einigen Transgender-Gruppen und stoße hier regelmäßig auf ganz genau die gleiche Intoleranz und Ausgrenzung. So wird eine Transfrau, deren Passing nun einmal aufgrund sehr männlicher Gesichtsform oder sehr starkem Bartwuchs nicht ganz so überzeugend ist, oft von Anderen Leidensgenossinnen oder Leidensgenossen runter gemacht, regelrecht gedemütigt, anstatt ihr Tipps zu geben wie sie es besser machen könnte.

Es wird auf die sogenannten Cis-Menschen, also auf die „Normalos“ deren Geschlechtsidentität mit den äußeren Geschlechtsmerkmalen übereinstimmt, geschimpft und gewettert, es wird nach mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft geschrien und alle Cis-Menschen werden von vorne rein pauschal als intolerant, engstirnig, transphob oder homophob hingestellt, ohne vorher auch nur ein Wort mit der Person gewechselt zu haben.


Warum schreibe ich dies alles?

Ich selbst habe glücklicherweise bisher keinerlei Intoleranz, keinerlei Vorurteile oder fehlende Akzeptanz am eigenen Leib erfahren müssen und bin darüber auch sehr glücklich. Selbstverständlich ging es mir am Anfang, kurz nach meinem Coming Out, als mein Passing noch nicht so gut war, auch so, das ich in der Fußgängerzone angestarrt wurde oder man kopfschüttelnd an mir vorbei gelaufen ist. Aber gut, damit muss man rechnen, wenn man sich offensichtlich als Kerl in Frauenkleider steckt, man einem also wirklich ansonsten keinerlei Weiblichkeit ansieht.

Ja, natürlich wurde auch ich in der Schule damals gemobbt und fertig gemacht, aber so sind Kinder nun mal. Von ihnen kann man kaum die entsprechende Toleranz erwarten, noch nicht.

Sehr wohl erwarten können sollte man es aber von erwachsenen, verantwortungsvollen Menschen, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen.

Liebe Menschen – und ich spreche hier ganz explizit alle Menschen der Welt an, völlig gleich welcher Nationalität sie angehören, welche Hautfarbe oder welche körperlichen oder geistigen Schwächen sie haben – seid doch bitte so gut und denkt einmal etwas weiter als nur bis zur nächsten Straßenecke!

Cis-Menschen, Trans*-Menschen, Deutsche, Chinesen, Türken, Inuit, Amerikaner, Afrikaner, Moslems, Christen,  Buddhisten oder ganz egal als was wir uns oder unsere Gruppe bezeichnen mögen, wir sind alle Menschen. Wir alle leben auf diesem zerbrechlichen Planeten, haben zerbrechliche Gefühle, jeder von uns hat seine ganz eigenen Probleme, aber trotzdem sind wir alles einfach nur Menschen.

Lasst uns einfach einmal darüber nachdenken.

Jeder, ohne jede Ausnahme, ganz egal wie er aussieht oder was für ein Geschlecht er_sie hat, einfach jeder hat Toleranz, Respekt und Akzeptanz verdient und sollte sie auch von jedem anderen bekommen! 

Denkt drüber nach.

*Kisses*
Christin

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