Zusammenfassung des bisherigen Weges – Endlich bin ich angekommen

Hallo liebe_r Besucher_in,

wie Du weißt habe ich momentan nicht besonders viel zu berichten, da ich mit meinem Weg, bis auf die, Ende 2017 anstehende geschlechtsangleichende Operation, soweit fertig bin.

Trotzdem möchte ich Dich natürlich nicht auf dem Trockenen sitzen lassen und Dir heute einmal eine detailliertere Zusammenfassung meines bisherigen Weges geben. Ich hoffe, dass diese Informationen anderen Trans* Personen helfen, denn ich werde hier vor allem nun auch einmal was die Anträge oder notwendigen Dokumente angeht, ins Detail gehen.

Inhalt

Wie hat alles angefangen?

Naja, eigentlich schon lange vor der Pubertät.

Ich habe den Verlust meiner leiblichen Mutter und danach die Zeit ohne Mutter im Heim, obwohl ich nicht mal zwei Jahre alt war, nie verkraftet. Ich war als Kind und Jugendliche immer sehr introvertiert, still und einzelgängerisch. Ich baute innerlich eine dicke Mauer um mich herum auf, durch die niemand hindurch kam, auch ich selbst nicht. Als Kind, Jugendliche und auch jetzt noch, konnte ich mich nie richtig artikulieren, konnte mich nicht verbal ausdrücken. Wenn man mir irgendetwas vorgeworfen hatte, so konnte ich mich nie verteidigen, sondern saß nur still da und schwieg.

Durch Mobbing in der Schule war ich nie besonders gut, hatte nie besonders gute Noten. Ich schaffte meine mittlere Reife in der 10. Klasse auf dem Gymnasium gerade so mit Ach und Krach.

Meine Adoptiveltern haben sich immer sehr um mich bemüht und stets versucht, mir eine schöne Kindheit zu bescheren. Leider konnte ich ihnen damals noch nicht sagen, was mit mir los war, wieso ich so abweisend, still und eigenbrötlerisch war, da ich es selbst nicht wusste. So wurde ich im Laufe meiner Kindheit auch an mehrere Psychologen und Psychotherapeuten übergeben, um herauszufinden, was mein Problem war. Auch diese konnten das Rätsel nicht lösen

Ich habe mit vier Jahren angefangen Violine und mit sechs Jahren angefangen Klavier zu spielen, habe das im Falle von Violine auch 16 Jahre durchgehalten und im Falle von Klavier ungefähr 12 Jahre. Habe auf vielen Konzerten die erste Geige gespielt. Zwischendurch habe ich mir selbst dann noch Keyboard, Gitarre und Schlagzeug beigebracht und habe da auch mal in ein paar Bands mit gespielt.

Ich verhielt mich zu den Jungs in meiner Klasse oder in meiner Umgebung immer deutlich ablehnender und stiller als zu den Mädchen. Wenn ich doch einmal versuchte mich mit jemandem zu unterhalten oder Freundschaft zu knüpfen, dann waren es in der Regel immer nur Mädchen oder Frauen, an die ich mich wandte. Zu den Jungs traute ich mich nicht, sie waren mir immer zu brutal, zu grob und zu vulgär. Und die Jungs waren es auch, die mich mobbten, die Mädchen waren meistens recht nett zu mir.

Irgendwann mit 13 oder 14 fing es dann an, das ich mir Gedanken darüber machte, wieso ich so anders war wie andere Jungs in meinem Alter. Ich bemerkte damals schon, das ich manche Jungs intensiver betrachtete und das ich mir vorstellte „enger“ mit ihnen befreundet zu sein. Gleiches galt übrigens auch für viele Mädchen.

Ich sehnte mich danach, so schön auszusehen wie die Mädchen in meiner Klasse, wenn sie ein schönes Sommerkleid an hatten oder sich geschminkt hatten. Ich bemerkte an mir Züge und Eigenheiten, die mich erschreckten und die dafür sorgten, das ich mich noch mehr in mich selbst zurück zog und niemanden mehr an mich heran ließ.

Ich betrachtete die Mädchen in meiner Klasse fast als Göttinnen. Ich sehnte mich danach so reine Haut zu haben wie die Mädchen oder so eine Figur zu haben. Ich ließ mir die Haare lang wachsen, um den Mädchen ähnlicher zu werden und von ihnen noch mehr akzeptiert zu werden.

Mit 14 oder 15 begann ich dann meine Laufbahn als Leichtathlet im Schulsportverein Wilhelmsdorf. Ich trainierte hart und viel und hatte auch einige große Erfolge im 4-Kampf (Hochsprung, Weitsprung, 100m Sprint, Kugelstoßen). Wir haben sogar für Olympia trainiert und in meiner Lieblingsdisziplin, dem Hochsprung, wurde ich Deutscher Junioren Vize Meister bei den Deutschen Junioren Meisterschaften in Berlin.

Das war die Zeit in der ich beinahe verzweifelt versucht habe, mich anzupassen, mich meinem Äußeren entsprechend zu verhalten und die Erwartungen an einen jungen Mann zu erfüllen. So habe ich zum Beisiel auch mehrere Jahre lang Teak Won Do trainiert.

Ich wusste jedoch die ganze Zeit über, das ich das nicht war. Ich wusste tief in mir, das ich viel, viel lieber reisen wollte, tanzen, reiten, eine Familie gründen, Kinder wollte, Kleider anziehen wollte. Ich hatte damals immer ein Bild vor meinen Augen wie ich als Mädchen, in einem schönen blauen Sommerkleid nachts im warmen Sommerregen unter einer Laterne tanzte.

Zu wissen, das ich das niemals sein konnte, niemals so aussehen würde wie die anderen Mädchen, stürzte mich immer häufiger in tiefe Depressionen. Ich begann mir selbst weh zu tun und hörte auf, auf meinen eigenen Körper zu achten, auf ihn zu hören.

Nun, wie auch immer – Ihr kennt diese Geschichte entweder von Euch selbst oder von anderen Trans* Personen, da sie eigentlich fast immer sehr ähnlich aussieht und abläuft.

Im Dezember 2007, ich war damals mal wieder für einige Zeit in Berlin, stieß ich rein zufällig auf die Begriffe Transgender, Transidentität und Transfrau. Von diesem Zeitpunkt an wusste ich endlich und unumstößlich, was mit mir los war! Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich wusste, ich BIN ein Mädchen! Ich hatte nur das riesige Pech, im falschen Körper geboren worden zu sein.

Damals outete ich mich auch gegenüber meiner leiblichen Geschwister und erzählte ihnen von meinem Problem, meinem Wunsch. Damals war mein Namenswunsch allerdings noch etwas ungewöhnlicher. Ich wollte „Aleksia“ heißen, wenn es denn dann endlich mal so weit sein sollte.

Warum ich dann nun die Namen „Christin“ und „Sophie“ gewählt habe, ist relativ einfach erklärt: Ich fand den Namen Aleksia zu nahe angelehnt an meinen Geburtsnamen Alexander. Und selbst bei der Abkürzung „Alex“ denke ich persönlich immer zuerst an jemand Männliches. Ich wollte aber unmissverständlich und ganz klar als weiblich klassifiziert werden, weshalb ich dann Namen wählte, die ganz eindeutig, zumindest von mir selbst, als weiblich identifiziert werden.

Ich begann mich über diese Themen ausgiebig und ausführlich zu informieren. Ich sog jegliche auffindbaren Informationen regelrecht in mich auf, wälzte Hunderte, vielleicht sogar Tausende von Artikeln und Forum-Diskussionen und versuchte herauszufinden, was es denn für Möglichkeiten der „Heilung“ gibt.

Ich sprach mit vielen anderen Betroffenen, sowohl Betroffene kurz nach ihrem Coming Out, wie auch mit Betroffenen die ihre geschlechtsangleichende Operationen schon hinter sich hatten und mit ihrem Weg schon „fertig“ waren. Im Laufe der folgenden Monate kristallisierte sich immer mehr heraus, dass dies der einzig richtige Weg für mich ist.

Da ich zu der Zeit arbeitslos war und intensiv auf Jobsuche, schob ich mein Coming Out jedoch nach hinten um hier auf der sicheren Seite zu sein und um nicht durch Transphobie oder schlichte Intoleranz weiterhin arbeitslos zu bleiben.

Ich ging die folgenden Monate immer weiterhin brav zum Friseur und ließ mir eine Kurzhaarfrisur machen, die dem männlichen Bild entsprach, fühlte mich jedoch niemals wohl dabei. Manchmal stürzte ich auch wieder in Phasen von schwerer Depression, in denen ich dann wieder gar nichts mehr zustande brachte und auch die Arbeitssuche stark vernachlässigte.

Das Coming Out – Ab jetzt bin ich ich!

Im September 2015 bewarb ich mich bei meiner jetzigen Arbeitsstelle. Natürlich war ich kurz vorher beim Friseur gewesen und hatte kurz neue Bewerbungsfotos machen lassen (siehe rechts).

Das Vorstellungsgespräch fand Anfang Oktober statt und ich erschien dort ebenfalls, wie rechts auf dem Bild. Scheinbar hatte ich meine potentiellen Arbeitgeber überzeugt und ich bekam den Vertrag für ab dem 15.10.2015.

An jenem Donnerstag, den 15.10.2015, also an meinem ersten Arbeitstag erschien ich ebenfalls noch als Mann, etwas legerer als auf dem Bewerbungsfoto, aber eindeutig als Mann gekleidet und hergerichtet. Alles ging ganz normal seinen Gang. Mir wurde mein Platz gezeigt, die Kaffeemaschine, die Kollegen vorgestellt, etc.

Am Freitag, den 16.10.2015, also an meinem zweiten Arbeitstag faste ich allen Mut zusammen und wagte den endgültigen, riesengroßen Schritt, den ich seit vielen Jahren schon machen wollte. Ich schminkte mich, trug Lippenstift auf, lackierte mir die Fingernägel und setzte mir eine (ganz furchtbare) Perücke auf.

Und so ging ich am zweiten Arbeitstag zur Arbeit, kam in das Büro, wurde von den bereits anwesenden Kollegen und Kolleginnen begrüßt und ging an meinen Schreibtisch. Es war als wäre alles völlig normal. Es war als wäre ich dort schon immer so aufgetaucht und niemand schaute fragend oder gar irgendwie irritiert. Es war, als wäre es das Normalste der Welt, das dort ein „als Frau verkleideter Kerl“ herein kam! (siehe auch Artikel „Die ersten Schritte nach der Entscheidung„)

Diese Toleranz, diese Akzeptanz und diese völlige Normalität mit der man mit mir umging, sorgten dafür das ich richtig mutig wurde und beinahe dachte, mir kann nichts Böses passieren. Und so geschah es, das ich mein Mailprogramm öffnete, in meinen privaten Mailaccount hinein ging und dort in den Entwurfs-Ordner. Denn dort lag eine Email die ich schon vor vielen Monaten geschrieben hatte und die ich mich aber nie getraut hatte, sie abzuschicken. (Siehe auch Artikel „Wie sag ichs meinen Eltern???!!„)

Wie es mir insgesamt und im Detail bei meinem Coming Out am 16.10.2015 ergangen ist, kann man in den beiden verlinkten Artikeln nachlesen.

Was jetzt? Was muss ich tun und wie geht es weiter?

Nun da der schwerste und auch „gefährlichste“ Schritt getan und überstanden ist, wie geht es denn jetzt weiter?

Wenn man sich dazu entschlossen hat diesen Weg zu gehen, wirklich unumstößlich und absolut zweifelsfrei dazu entschlossen hat diesen schweren und langen Weg zu gehen, dann stehen jetzt verschiedene Dinge an, die man beachten muss und die man nun zum Rollen bringen muss:

  1. Beginn des „Alltagstests“ 
  2. Beginn der 18-monatigen, psychotherapeutischen Begleittherapie
  3. Stellen des Antrags für die Vornamens- und Personenstandsänderung (VÄ/PÄ)

Zu Punkt 1.:
Der sogenannte Alltagstest ist keine gesetzliche Vorschrift, sondern nur eine Empfehlung, an die sich aber die meisten Krankenkassen halten und die die meisten Krankenkassen auch verlangen. Der Alltagstest ist nichts Anderes als das ganz normale Leben in der gewählten und gewünschten Geschlechterrolle. Ein Mann-zu-Frau-Transgender wird sich also ab jetzt nur noch als Frau kleiden und herrichten und auch so verhalten und benehmen. Und zwar sowohl privat als auch im öffentlichen Leben, im Beruf und in allen anderen Lebenslagen. Ein Frau-zu-Mann-Transgender wird dementsprechend dann ab sofort nur noch in der Männer-Rolle leben.

Dieser Alltagstest soll vor allem dazu dienen, Zweifel auszuschließen.  Man muss sich absolut sicher sein, das dieser Weg der Richtige ist und man nicht nach einem oder zwei Jahren alles abbrechen will. Denn dann ist es zu spät.

Zu Punkt 2.:
Damit sämtliche medizinische Leistungen (Mastek, Hystek, Brustaufbau-OP, geschlechtsangleichende OP, etc.) von der Krankenkasse übernommen und bezahlt werden, musst Du 18 Monate durchgängige Psychotherapeutische Begleittherapie nachweisen können.

Das bedeutet Du solltest jetzt sofort, sobald Du keine Zweifel mehr hast, eine nette Psychotherapeutin oder einen netten Psychotherapeuten suchen, die/der auf jeden Fall Trans*-erfahren sein sollte.

Mach so schnell wie möglich einen Termin aus und besprich mit ihr/ihm das weitere Vorgehen. In der Regel dauert es nicht länger als 10 bis 15 Sitzungen, bis Du die sogenannte Indikation bekommst.

Die Indikation ist nichts Anderes als ein Zettel auf dem Folgendes geschrieben steht:

Der wichtigste Satz ist der erste der hier fett dargestellt ist:

Die Diagnose Mann-zu-Frau-Transsexualismus (F64.0g) gilt als gesichert.

Nur wenn die Indikation eindeutig auf F64.0g hinweist, ist sie von Nutzen und sorgt dafür, das wir an unsere Hormon-Ersatz-Therapie kommen.

Sobald Du diese Indikation von Deiner Psychotherapeutin bekommen hast, machst Du sofort einen Termin beim Endokrinologen (Hormonarzt) aus. Auch dieser sollte sich mit der Thematik Transexualität und Hormonersatztherapie auskennen. Nach einigen Terminen die der Untersuchung der Blutwerte und der Herz- und Lungenleistung gewidmet sind, bekommst Du dann von Deinem Endokrinologen das Rezept für die Hormone. Yiiiihaaaaa!

Zu Punkt 3.:
Der gesetzliche Weg (Vornamens- und Personenstandsänderung) ist vom medizinischen Weg (Hormone, OPs, Therapie) völlig unabhängig. Das bedeutet, sobald Du Deine Begleittherapie begonnen hast, solltest Du gleichzeitig den Antrag auf die VÄ/PÄ (Vornamens- und Personenstandsänderung) bei Deinem zuständigen Amtsgericht beantragen. Wie genau das geht, solltest Du im Detail noch mal nachfragen, da dies hier den Rahmen sprengen würde. Nutze dazu am besten das Kontaktformular.

Fortschritte, Erfolge und Glücksmomente wechseln sich ab

Hast Du bis hier hin alles getan und in die Wege geleitet, dann nimmst Du inzwischen Deine Hormone und den Blocker (falls gewünscht).

Du wirst merken, wie sich Dein Körper verändert und auch Deine Psyche. Es ändern sich sexuelle Neigungen, die ganze Weltanschauung kann sich ändern.

Es werden die Termine für die Gutachter zur VÄ/PÄ kommen und ins Land ziehen, irgendwann bekommst Du die Anhörung vom Amtsgericht und damit dann auch enige Zeit später den rechtsgültigen Beschluss. Du lässt Deinen Personalausweis, Führerschein, Rentenversicherungsnummer, Geburtsurkunden und Zeugnisse ändern und Du wirst ein Erfolgserlebnis nach dem Anderen haben.

Wie genau diese Körperlichen Änderungen und Glücksmomente und die Fortschritte aussehen können, kann man in den folgenden Artikeln nachlesen:

Doch dann…. wenn Du endlich auch vor dem Gesetz männlich, bzw. weiblich bist, Deine VÄ/PÄ also rechtskräftig ist und alle Dokumente erfolgreich geändert sind… was kommt danach?

Tja, genau dort hänge ich nun. Ich habe alles durch bis auf die abschließende, geschlechtsangleichende Operation, die für Ende 2017 geplant ist. Davon kann ich also leider noch nichts berichten.

Bis dahin habe ich nun 10 Monate Stillstand, in denen ich nur noch meinen Körper und meine Psyche beobachten kann und ab und an vielleicht eine Veränderung an mir bemerken werde. Diese 10 Monate werden wohl ziemlich lang werden.

Ich melde mich bald wieder! 🙂

*Kisses*
Christin

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