Alle Transgender schwul oder im BDSM?

Hallo liebe*r Besucher*in,

heute möchte ich einmal über ein Thema sprechen, das für Viele tabu ist, für Viele wiederum aber leider Gottes auch direkt wohl mit dem Thema Transgender oder Trans* im Allgemeinen zusammen zu hängen scheint:  BDSM.

Ich weiß nicht, ob Du es schon weißt, bzw. gesehen hast. Ich trage ein Halsband mit einem Ring der „O“ (siehe rechts).

Aber was genau hat das zu bedeuten und wie hängt das mit Transgender zusammen? Oder… tut es das überhaupt???

Ich denke jede*r von uns kennt solche Schmuddelfilme, wo eine sogenannte „Shemale“ vorkommt, also ein Ladyboy mit Brüsten aber trotzdem auch Penis. Auch wenn Du solch einen Film sicher noch nie angesehen hast (*fg*), so kennst Du diese sicher trotzdem oder weißt zumindest davon.

Viele Leute verwechseln uns Trans*Personen entweder mit sogenannten Crossdressern oder Transvestiten oder – aufgrund eben solcher Schmuddelfilme – mit eben jenen Shemales. Die Anderen, die nicht so denken, sehen uns wiederum als Sexobjekte oder als Personen, die diese Veränderungen nur des Sexes wegen machen.

Aber was ist denn nun richtig? Und was haben wir mit BDSM zu tun?

Trans*Personen haben grundsätzlich zuerst einmal rein überhaupt nichts mit dem Einen noch mit dem Anderen zu tun. Noch haben wir irgendwelche sexuellen Absichten oder Gründe für unser Vorgehen.

Eine Transfrau so wie ich eine bin, oder eben ein Transmann, der den umgekehrten Weg geht, sind Personen die mit ihren äußeren Geschlechtsmerkmalen, anhand denen nach der Geburt das Geschlecht festgelegt wurde, nicht im Einklang sind und empfinden sich in der Regel als das gegenteilige Geschlecht.

Ich, als Transfrau, empfinde mich also als Frau, obwohl mir nach der Geburt das Geschlecht „männlich“ gegeben wurde.

Und da dies so ist, versuchen wir Trans*Personen alles menschenmögliche, um diesen Zustand, diesen Fehler zu korrigieren. Wir kleiden und geben uns als das Geschlecht als das wir uns identifizieren und versuchen gleichzeitig auch unseren Körper im medizinischen Sinne entsprechend anzupassen.

Die Selbstmordrate bei Trans*Personen liegt statistisch gesehen bei rund 50%. Das heißt, das sich jede zweite Trans*Person, ob Transfrau oder Transmann, das Leben nimmt, weil er oder sie so nicht weiter leben kann oder will. Diesen Weg zu gehen, diese psychischen und körperlichen Veränderungen durch zu machen und diese medizinischen Veränderungen und Operationen über uns ergehen zu lassen, ist für uns eine absolute Lebensnotwendigkeit ohne die wir nur in den seltensten Fällen weiter leben können. Diese Notwendigkeit bringt es natürlich auch mit sich, das wir uns entsprechend operieren lassen um unsere äußeren Geschlechtsmerkmale dem anzupassen als was wir uns identifizieren.

Transvestiten oder auch Crossdresser sind Personen die sich einen Spaß daraus machen, im gegenteiligen Geschlecht oder auch als sogenannter Furry oder als Anime-Figur herumzulaufen. Sie identifizieren sich mit dem Geburtsgeschlecht und haben nicht das Bedürfnis daran etwas ändern zu müssen.

So, und wieso trage ich nun dieses Halsband und was habe ich mit BDSM zu tun?

Wie oben schon gesagt, haben Trans*Personen entgegen der weitläufigen Meinung absolut rein gar nichts mit BDSM oder mit sexuellen Vorlieben oder sexuellen Orientierungen zu tun!

Transsexualität ist eben nicht, wie der Name eventuell suggerieren könnte, eine sexuelle Orientierung wie homosexuell, bisexuell oder heterosexuell. Transsexualität ist keine sexuelle Vorliebe oder der Hinweis darauf das man schwul oder lesbisch sein könnte, nein!

Transsexualität hat auch nichts damit zu tun, ob wir besonders sexuell aktiv sind, unsere Partner besonders oft wechseln, irgendwelche Schmuddelfilme drehen oder in irgendeiner anderen Art abartig, pervers oder besonders sind!

Transsexualität ist einfach nur die Bezeichnung für einen Zustand einer transgeschlechtlichen Identitätsstörung, also einer gegengeschlechtlichen Identität. Wir wurden einst als männlich (oder weiblich) eingestuft, denken und fühlen aber als weiblich (oder männlich). Nicht mehr und nicht weniger.

Stell Dir vor, du musst ein total bescheuertes Clownskostüm tragen und kannst es niemals in Deinem Leben ausziehen. So ungefähr fühlen wir uns in unseren falschen Körpern.

Nun gut und schön, wieso trage ich nun aber dieses vermaledeite Halsband mit dem Ring der „O“ – ein eindeutiger Hinweis auf BDSM und gewisse Vorlieben?

Das ist relativ einfach erklärt: Genau so wie jeder andere Mensch, genau so wie jede andere Frau oder jeder andere Mann, ganz egal ob weiß, schwarz, gelb, Muslim, Buddhist, Christ, Trans*mensch, Crossdresser, Chinese, Amerikaner, Schweizer, blond, brünett oder groß oder klein – genau so wie jeder andere auf dieser Welt, habe auch ich natürlich gewisse Sehnsüchte, Träume, sexuelle Vorlieben und Dergleichen mehr. Dies hat aber absolut rein gar nichts damit zu tun, das ich Transsexuell bin.

Ich war schon immer sehr devot, war schon immer jemand die sich anlehnen wollte, sich leiten und führen lassen wollte und die den oder die Partner*in einfach nur nach Strich und Faden, ununterbrochen und ständig verwöhnen wollte, für sie oder ihn da sein wollte und alles, völlig egal was, für die Person tun wollte. Ich war ohnehin schon immer Sklavin meiner eigenen Gefühle, hörte immer nur auf mein Herz statt auf meinen Verstand.

Durch einige sehr einschneidende Erlebnisse und Traumata in meinem Leben entwickelte ich eine Form von Borderline. Einige Psychotherapeuten und Psychologen sagten einst zu mir, ich wolle unbewusst diese Erlebnisse in einer vermeintlich sicheren Umgebung nachempfinden um sie zu verarbeiten.

Und so entwickelte sich eine Neigung, eine Lebensart in mir, die ich nun endlich auch ausleben kann, ungeachtet dessen ob ich Transgender bin oder nicht.

Dieses Halsband was ich da um meinen Hals trage, dieser Edelstahlreif mit dem Ring der „O“, bedeutet einfach nur, das ich eine Sklavin bin. Ich liebe meine Partnerin so sehr, das ich mich ihr völlig bedingungslos und ohne Wenn und Aber unterworfen habe. Ich lebe dafür, meine Partnerin, meine Gebieterin in allen Lebenslagen und bei allen Gelegenheiten zu verwöhnen und zu dienen und ihr für alle Bedürfnisse jederzeit zur Verfügung zu stehen.

Im Gegensatz zu einer sogenannten Sub lebe ich das Leben einer Sklavin ständig, dauernd und überall.

Wo genau der Unterschied ist zwischen einer Sklavin und einer Sub ist, da scheiden sich die Geister. Ich für meinen Teil sehe es so:

Eine Sub spielt das Verhalten und Benehmen einer Sklavin oder einer sehr devoten Person in sogenannten Sessions, wenn sie und ihr dominanter Part also gerade eine BDSM-Session machen.

Eine Sklavin hingegen lebt es. Sie IST eine Sklavin immer und jederzeit. Sie hat sich ihrem Herrn, ihrem dominanten Partner vollständig unterworfen und dient ihm in allen Bereich immer und überall.

Als Transgender*Person erfülle ich damit leider ein Klischee, dem ich mit diesem Artikel versuche entgegen zu wirken. Denn meine Transsexualität hat rein gar nichts damit zu tun. Und genau das gilt auch für jeden Anderen. Irgendwelche sexuellen Neigungen, sexuelle Vorlieben oder sexuelle Orientierungen haben absolut rein gar nichts mit unserem gelebten, gefühlten oder identifizierten Geschlecht zu tun.

Ich hoffe sehr, das dieser Artikel ein wenig dabei hilft, dieses krasse und leider sehr geläufige Vorurteil endlich zu beseitigen.

*Kisses*
Christin

 

5 Kommentare

  1. Liebe Christin
    Der Artikel ist sehr aufschlussreich und interessant.
    Ich selber bin auch recht devot, sehe mich aber eher als „sub“.
    Freue mich darauf mehr von dir zu lesen.

    Bussi

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