Bin ich Transgender? Woher weiß man, ob man transsexuell ist?

Hallo liebe*r Besucher*in,

heute möchte ich einen Artikel schreiben, der hoffentlich vielen Personen die vor dieser Entscheidung stehen oder nicht wissen, wer oder was sie sind, helfen soll. Mir ist absolut klar, das es dafür keine Grundregel oder einen funktionierenden Test gibt. So etwas kann es gar nicht geben, weil jeder Mensch verschieden ist und sich natürlich auch Transsexualität bei jedem Menschen anders äußert oder anders beginnt. Trotzdem gibt es auch einige Gemeinsamkeiten, die mir immer wieder bei sehr vielen meiner Schützlinge auffallen.

Zuerst einmal etwas Grundsätzliches zum Verständnis und vielleicht findest Du Dich da schon wieder und kannst alleine durch die Definition schon sicher von Dir sagen, das Du transident bist:

Was ist Transidentität, Transsexualität oder Transgender?

Die Transidentität bezeichnet die gefühlte Geschlechtszugehörigkeit. Das Geschlecht eines Menschen findet nicht zwischen den Beinen statt, sondern im Kopf, in den Gefühlen, Sehnsüchten, Wünschen. Der Wünsch oder das Gefühl bei der Geburt zum männlichen Geschlecht zugeordnet worden zu sein, aber als Frau leben zu wollen – nein zu müssen (oder anders herum), das ist Transidentität. Das Gefühl, dass das zugeordnete Geschlecht nicht mit dem inneren, gefühlten Geschlecht übereinstimmt, das ist Transidentität.

Die Transsexualität ist ein Oberbegriff der alles was mit Transidentität zu tun hat, umfasst. Transsexualität wird oft und fälschlicher Weise für die gleiche Bedeutung von Transidentität her genommen, dies ist aber falsch. Transsexualität umfasst alle Bereiche der inneren Geschlechtszugehörigkeit. Grundsätzlich lehnen wir Transgender diesen Begriff aber ab, da er gleichzeitig etwas Sexuelles assoziiert. Transsexualität hat aber rein gar nichts mit Sexualität oder gar sexueller Orientierung zu tun.

Transgender sind die transidenten Personen, also jene die sich ihrem, bei der Geburt zugeordneten Geschlecht nicht zugehörig fühlen.

Bitte verwechsle Transidentität oder Transsexualität nicht mit Transvestitismus. Transvestiten (oder auch „Transen“ genannt) sind mit ihrem angeborenen, äußeren Geschlechtsmerkmalen im Einklang und verkleiden sich nur aus Spaß an der Show oder aus sexueller Lust als das gegengeschlechtliche Pendant. Transgender oder transsexuelle Personen, so wie ich eine bin, können solch einen Fetisch in der Regel absolut nicht nachvollziehen und haben vor allem aufgrund ihres immensen Leidensdrucks nur eine einzige Möglichkeit: Sie versuchen alles um ihren Körper an das gefühlte, innere Geschlecht anzupassen (Mann-zu-Frau Transgender oder Frau-zu-Mann Transgender). Hierzu nehmen sie wahrhaft schmerzhafte und gefährliche Operationen in Kauf und verändern ihren Körper durch die sogenannte Hormon-Ersatz-Therapie immer mehr in die Richtung des Zielgeschlechts, bis sie mit ihrem Körper im Einklang sind. Niemand auf dieser Welt der halbwegs bei Verstand ist, würde das freiwillig und nur aus einer Lust heraus tun!

Bin ich transgender?

Nun, wie findest Du nun heraus, ob Du transident, also ein Transgender bist? Wie findest Du heraus, ob Dein gefühltes Geschlecht nicht mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht übereinstimmt? Wie findest Du heraus, ob Du wirklich diesen schweren und langen Weg gehen musst, oder ob es bei Dir vielleicht doch eher nur ein Fetisch ist, eine Lust oder Laune ist oder ob Du doch nur Travestie betreiben willst, das ganze als Kunst betrachtest und Dich nur aus Spaß an der Show, am Game, dem Anime oder der Aufmerksamkeit wegen verkleiden willst?

ich versuche das zu erst einmal aus meiner Warte zu erklären. Ich zeige Dir zu erst einmal, wie das bei mir war und ist, was ich gefühlt habe und wie ich schlussendlich darauf gekommen bin, transident, eine Transfrau zu sein.


Als Kleinkind, aber auch als Teenie war ich immer extrem introvertiert und still, verträumt. Ich hatte absolut null Selbstvertrauen, saß immer nur still in einer Ecke und habe alle anderen beobachtet, nichts gesagt. 

Es begann dann so ungefähr mit 12 oder 13 Jahren als die Pubertät so richtig anfing. Ich merkte mit der Zeit, das sich mein Körper in eine Richtung entwickelte, die ich für falsch hielt und ich schämte mich sehr dafür. Ich bekam Haare, wo ich sie nicht wollte und vermisste Wölbungen, die ich so sehr herbei sehnte. Dies war auch die Zeit, wo meine Depressionen anfingen.  In der Schule fühlte ich mich immer mehr zu den Mädchen hingezogen, freundschaftlich. Ich spielte mit ihnen Seilhüpfen oder „Himmel und Hölle“, anstatt mit den Jungs zusammen Fußball zu spielen. Die Jungs waren mir viel zu vulgär und brutal.

Mit 14 passierte mir dann etwas, was mich zunächst völlig aus der Bahn warf, dies kann gerne oben unter dem Link „Lebenslauf“ nachgelesen werden. Dieses Erlebnis sorgte bei mir wohl dafür, das ich die Jungs irgendwie mehr als Sexobjekte betrachtete. Ich wollte mit ihnen nicht befreundet sein, konnte mir aber immer besser vorstellen, mit einem Jungen Sex zu haben.  Ich war nicht auf einmal schwul geworden, so ist es nicht. Ich fand auch Mädchen äußerst anziehend und begehrenswert. Allerdings sah ich die Mädchen mehr als das, was ich selbst war, bzw. sein wollte. ich war sehr neidisch auf sie. Ich wollte auch Kleider anziehen, ließ mir die Haare lang wachsen und träumte davon, so auszusehen wie sie.

Das war auch der Zeitpunkt, wo meine Eltern begannen sich wirklich Sorgen um mich zu machen und mich zu verschiedenen Psychologen und Therapeuten schickten.

Etwas später, vielleicht mit 15 oder 16 fing ich an, mich richtig zu hassen, meinen Körper zu hassen, vor allem dieses Ding zwischen meinen Beinen zu hassen. Es gab da auch einen Abend Zuhause, wo ich auf meinem Bett saß, mit einem Teppichmesser in der Hand und ich mir das Ding abschneiden wollte. Die Depressionen waren unerträglich.

Vielleicht war dies – mit 16 oder 17 – der Wendepunkt in meinem Denken. Ich begann damit, meinen Körper als unvermeidbares Übel zu akzeptieren. Ich begann exzessiv Sport zu treiben, hatte da auch viele sportliche Erfolge, trainierte ihn hart, machte Teak Won Do und allerlei andere „Männersportarten“.

Ich begann, verzweifelt bemüht, mich als Mann zu geben und den Macho-Kerl heraus hängen zu lassen. ich haute von Zuhause ab, heiratete, lebte auf der Straße, stürzte vollkommen ab, tätowierte mich selbst mit einer selbst gebauten Maschine und Vieles mehr. Der Höhepunkt dieser „Flucht“ vor mir selbst war das Tätowieren meines Teils mit dem fetten Schriftzug „LOVE ME“ – Wohl in der Hoffnung, das dies helfen könnte ihn zu akzeptieren. Ich wusste einfach nicht, was mit mir los war, konnte dieser ganzen „Problematik“ keinen Namen geben. Ich hielt mich für einen Psychopathen.

Das war dann der Zeitraum, ich war ungefähr 23, wo ich vernünftig wurde. Ich zuckte innerlich mit den Schultern und sagte mir: „Alex, es ist so wie es ist und Du kannst es nicht ändern. Mach lieber etwas aus Deinem Leben.“ – Ich begann eine zweite Lehre, die ich dann auch abschloss, ging zum Bund, fand meine leiblichen Eltern in Berlin, besuchte diese, hatte eine tolle Zeit in Berlin – Bis 2007.

Anfang 2007 stieß ich rein zufällig auf die Begriffe „Transsexualität“, „Transfrau“, „Transgender“. Ich hatte wohl zufällig mal die richtigen Suchbegriffe verwendet. Es durchfuhr mich wie ein Blitz! Ich saugte sämtlichen Informationen zu diesem Thema in mich auf, las jeden einzelnen, auffindbaren Artikel dazu und Lebensgeschichten, unterhielt mich in Foren und Chats mit anderen Transgendern und ich fand mich in jeder Geschichte wieder.

Von da an wusste ich endlich, was mit mir los war, was mich all die Jahre gequält hatte. Endlich wusste ich, wobei mir all die Psychologen und Therapeuten nicht helfen konnten. Ich hatte endlich einen Namen dafür – und, ja, ich hatte sogar eine Lösung dafür. Doch um diese auch durch zu ziehen fehlte mir damals der Mut. Es dauerte dann noch einmal acht Jahre, bis ich endlich allen Mut zusammen hatte und meinen Weg, meine Anpassung begann.

Das Coming Out im Oktober 2015, das sich kleiden als Frau, schminken und Herrichten als Frau, das alles und was da sonst dazu gehört, hat bei mir etwas ausgelöst, was wohl wirklich als Wunder zu bezeichnen ist: Ich bin ein völlig anderer Mensch geworden, habe mich um 180° gedreht, bin extrem extrovertiert und selbstbewusst geworden. Es war wie eine riesige Erlösung und endlich, endlich fühle ich mich richtig.


Nun, liebe*r Besucher*in, findest Du Dich bereits in dieser Geschichte wieder? Hast Du Ähnliches empfunden, deinen Körper und insbesondere Dein primäres Geschlechtsmerkmal so gehasst wie ich? Hattest Du auch Depressionen wie ich? Warst Du neidisch auf das andere Geschlecht, weil Du immer so sein wolltest wie sie? All das und Vieles mehr sind relativ eindeutige Indikatoren dafür, das Du Transgender bist.

Was wenn das noch nicht eindeutig genug für Dich war? Nun, das ist tatsächlich nicht so einfach. Hierfür gibt es trans*-erfahrene Psychotherapeuten, die auch erst einmal einige Sitzungen mit Dir benötigen, um sich sicher zu sein ob Du trans* bist oder nicht, ob es sich für Dich lohnt, diesen Weg weiter zu gehen oder ob es nicht ein schrecklicher Fehler wäre.

Das wäre auch die absolut zu präferierende Vorgehensweise, anstatt den laienhaften Äußerungen einer anderen Transgender zu vertrauen. Mach einen Termin bei einer trans*-erfahrenen Psychotherapeut*in aus, gehe hin, erzähle ihr oder ihm von Deinen Sehnsüchten, Deinen Wünschen und Gefühlen, erzähle ihr oder ihm davon wie Deine Schulzeit war, Dein bisheriges Leben, erzähle davon, wie der Sex für Dich ist. Aber das Wichtigste: Sei vor allem ehrlich. Ehrlich Dir selbst gegenüber! Denn wenn Du einmal diesen Weg begonnen hast, die Hormone nimmst, dein bisheriges Sexualhormon blockierst und Du dann die Auswirkungen auf Deinen Körper und Deine Psyche bemerkst, ist ein Zurück nur noch sehr schwer möglich – nach der abschließenden Operation denkbar unmöglich.

In Deutschland brauchst Du nicht einmal eine Überweisung von Deinem Hausarzt. Suche Dir einfach eine*n Psychotherapeut*in die oder der definitiv transgender-Erfahrung haben sollte, mache einen Termin aus und gehe hin, vergiss Deine Krankenkassenkarte oder Gesundheitskarte nicht. Die Abrechnung mit der Krankenkasse und Dergleichen mehr, regelt alles die oder der Psychotherapeut*in.

Ich bin sehr gerne bereit dazu, Dir noch weitere Hilfestellung zu geben und Dir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Oben rechts findest Du den Link zum Impressum, dort findest Du alle Kontaktdaten, die Du nutzen kannst. Telefonisch bin ich am besten ab 16:30 zu erreichen. Unter der Handynummer kannst Du auch per Whatsapp mit mir in Kontakt treten.

Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute und sehr viel Glück und Erfolg auf Deinem weiteren Weg, wie auch immer dieser aussehen mag.

*Kisses*
Christin

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Christin,
    trotz Deiner, wie Du dir behauptest, laienhaften Erklärung, muß ich sagen, daß es doch sehr aufschluß- und hilfreich war. Also finde ich mich hier auch 1 :1 wieder, genau dieses Kind und auch der Jugendliche und dann der jugendliche Erwachsene waren verträumt, verspielt und Außenseiter. Zwar habe ich durchaus den Jungs zuzurechnende Hobbys gehabt, aber gleichen Rang nahmen meine Bedürfnisse weibliche Kleidung zu tragen, ein. Phasenweise wollte ich auch männlich wirken, aber das ging eher in die Hose, es wirkte irgendwie hilflos. Von gleichaltrigen Jungs wurde ich gar nicht Ernst genommen. Mein Outing als Crossdresser bei meiner Frau und Depressionen zwangen mich zum Handeln. Ich suchte mir eine Psychologin, anfangs mit dem eher vorgeschobenen Grund meiner Depressie, tatsächlich wollte ich aber über mein eigentliches Problem reden. Und nach dem ersten Jahr Therapie stellte sie eine Zwischendiagnose, sie hält mich nach allem Gehörten für transident. Leider fehlt mir der Mut, es anzugehen, aber ich sehne mich innerlich sehr, Frau zu sein. Und ich fokussiere mich nicht mehr wie früher auf weibliche Kleidung. Die ist mittlerweile vom Stil auch eher praktisch, das Verspielte brauche ich nicht mehr. Wie würde ich meinen Alltag als Frau bewerkstelligen, wie von anderen Menschen, vor allem aus dem näheren Umfeld in der neuen Rolle wahrgenommen?.Das sind Fragen, die mich umtreiben. So gesehen muß ich die eingangs gestellte Frage wahrheitsgemäß für mich akzeptieren. Diesem Muster folgend bin ich dann tatsächlich transident.
    Liebe Grüße
    Johanna

    • Liebe Johanna, Du klingst beinahe verzweifelt und das verstehe ich auch sehr gut. Einerseits das Wissen, transident zu sein und den unbändigen Wunsch zu haben, endlich das leben zu können was Du bist, andererseits die Furcht davor, wie andere reagieren könnten und deshalb nicht den Mut zu haben, den Weg anzufangen.

      Liebe Johanna, schreib mich doch mal per Whatsapp (+4917647872110) an oder per Email (christin@r3y.de)… oder auch per Facebook. Suche einfach nach mir (Christin Löhner).

      Vielleicht kann ich Dir ja ein wenig unter die Arme greifen und Dir etwas mehr Mut geben, den Schritt zu wagen?

      LG
      Christin

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