Geltungsbedürfnis? Narzissmus? Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom? Mitnichten, das ist ganz normal!

Hallo liebe*r Besucher*in,

ich bin ja nun schon seit dem 16.10.2015 ganz Frau, kleide mich nur noch als Frau, gebe mich nur noch als Frau und verhalte mich nur noch als Frau, ohne Ausnahme. Für mich gab es damals, als ich die Entscheidung getroffen hatte, nur ein Ganz oder Gar nicht, nur das volle Programm, nur 100%. Seit dem 11.11.2016 bin ich auch vor dem Gesetz ganz Frau und trage meinen neuen Namen mit sehr viel Stolz. Heute Abend landet mein Antrag auf Kostenübernahme für die geschlechtsangleichende Operation bei der Post. Mit etwas Glück, habe ich meine OP noch dieses Jahr.

Es gibt da aber etwas, was viele Leute nicht verstehen und mir deshalb auch immer mal wieder genervt den Rücken zu drehen, bzw. Freundschaften beenden.

Seit dem ich diesen Weg am 16.10.2015 begonnen habe, mache ich ohne Ausnahme jeden Tag mehrere Selfies von mir und poste sie meistens, also beinahe jeden Tag auch auf Facebook oder Instagram.

Es gibt einige Leute, die das nicht verstehen und einfach nur noch genervt sind, von meiner Selbstdarstellung. Mir wurde deshalb schon das Blockieren angedroht, (Facebook-)Freundschaften wurden beendet. Es gab auch schon einige harte und schroffe Worte diesbezüglich und jedes Mal versuche ich dem- oder derjenigen zu erklären, wieso ich das tue.

Tja, warum tue ich das? Leide ich unter massivem Geltungsbedürfnis? Bin ich eine Narzisstin? Bin ich selbstverliebt oder leide ich am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom?

Alles falsch! Wobei, Selbstverliebt? Ja, das könnte hinkommen. Jedoch sicher nicht in einem narzisstischen Maße. Also, warum tue ich das? Warum muss ich ständig so viele Bilder von mir in meine Chronik posten? Warum muss ich mich in Beauty-, Frauen- oder Transgender-Gruppen auf Facebook ständig selbst darstellen und mich mit Fotos vorstellen?

Es ist eigentlich ganz einfach und auch ganz logisch und jede*r der oder die ein wenig darüber nachdenkt und meine Situation auch nur ein winziges kleines bisschen verstehen kann, sollte sofort klar sein, wieso ich das tun muss.

Es ist das Erhaschen von Bestätigung, das Erhaschen von Komplimenten und Bewunderung, von Respekt und lieben Worten, die mir sagen, das ich alles richtig gemacht habe und mache und die mir sagen, das ich auf dem richtigen Weg bin und meine Veränderungen der absolute Oberhammer sind!

Ich habe 43 Jahre lang in diesem männlichen Gefängnis gelebt – leben müssen – habe mich verzweifelt bemüht, diesen männlichen Körper zu akzeptieren und habe mich und mein Verhalten entsprechend an das männliche Äußere angepasst, bzw. es verzweifelt versucht. Ja, ich war ein richtiges Macho-Arschloch als Kerl. Weil ich ein Bild von mir hatte, das mir nicht gefallen hat und das ich einfach niemals akzeptieren konnte. Und diese Wut, diese Verzweiflung und diese Traurigkeit habe ich natürlich auch nach Außen getragen. Ich war ein Macho und trotzdem war ich immer sehr in mich gekehrt, introvertiert, ohne jedes Selbstbewusstsein und saß immer nur in der stillen Ecke.

Am 16.10.2015 habe ich dann endlich, endlich allen Mut zusammen genommen und habe den Schritt gewagt, habe mich als Frau angezogen, geschminkt und mein männliches Verhalten das immer nur eine Fassade war, abgelegt. Es war – ohne zu übertreiben – wie eine kleine, unscheinbare, graue, langweilige Raupe, die zu einem riesen großen, wunderschönen, bunten und pink leuchtenden Schmetterling wurde! Gut, das Bild rechts war jetzt nicht meine beste Sternstunde. Aber es war ein Anfang und ich musste meinen Stil erst noch finden. 

Aber wenn man dieses Bild rechts, mit dem nun folgenden, linken Bild vergleicht das vor einem Monat aufgenommen wurde, dann versteht man vielleicht, wie ich mich jetzt fühle.

Dieses Bild ist ebenfalls ein ganz normales Selfie ohne Filter und unbearbeitet gespeichert. Zwischen diesem Bild und dem Bild rechts oben liegen anderthalb Jahre. Anderthalb Jahre der Stil- und Typenfindung, anderthalb Jahre Anpassung und Umgewöhnung, anderthalb Jahre ICH Werdens!

Und vergleicht man dieses aktuelle Bild mit dem Bild oben links, welches übrigens einen Monat bevor ich mit meinem Weg angefangen habe, ausgenommen wurde, dann… ja, dann versteht man vielleicht, wieso ich jeden Tag so viele Selfies posten muss!

Nein, es ist kein Geltungsbedürfnis! Nein, es ist kein Narzissmus und auch kein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom! Es ist einfach der Stolz, das geschafft zu haben, das Verfolgen eines Werdegangs der nicht alltäglich ist und die Suche nach Bestätigung alles richtig gemacht zu haben! Es ist das Dokumentieren meines Weges, für mich selbst aber auch für interessierte Andere. Es ist die Sucht nach Respekt und lieben Worten. Es ist einfach nur das heraus Schreien meines absoluten Glücks!

Das sind die Gründe, wieso ich mich auf Facebook und Co. so selbst darstellen MUSS. Und Jede*r der oder die das nicht nachvollziehen kann, bitte ich doch ganz einfach darüber hinweg zu scrollen, meine Fotos nicht zu beachten oder – ja, oder die Freundschaft zu mir zu beenden. Denn entweder akzeptiert man mich so wie ich bin, oder eben nicht.

In diesem Sinne…

*Kisses*
Deine Christin

 

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