Trans* in der Schule – Wir sind noch lange nicht so weit – Wie damit umgehen?

Liebe*r Besucher*in,

heute möchte ich einmal ein Thema anschneiden, das sicher nicht einfach ist und viele Schüler*innen, sowie natürlich auch Lehrer*innen und Betreuer*innen vor Probleme stellt. 

Trans* in der Schule

So gut wie alle Transgender Personen, wie ich auch eine bin, haben das schon in ihrer Kindheit und vor allem in der Schule, lange vor der eigenen Pubertät bemerkt, auch wenn sie das Problem damals vielleicht noch nicht exakt betiteln oder benennen konnten. Und genau das ist zumeist auch eines der Hauptprobleme. Viele junge Trans*Schüler wissen nicht, wie mit sich selbst umzugehen, geschweige denn mit den Gefühlen in Bezug auf das eigene Geschlecht.

Insbesondere junge Transmänner, bzw. Transburschen haben es da besonders schwer mit sich selbst klar zu kommen und werden so oft zu gemobbten und gehassten Aussenseitern. Transmädchen scheinen es meistens etwas gelassener zu sehen, vielleicht auch deshalb, weil sie sich im Durchschnitt nicht so früh outen wie die Transjungen.

Tja, aber was ist hier eigentlich das Problem?

Junge Menschen, vor oder zu Beginn ihrer Pubertät, sind generell noch nicht geistig und seelisch gefestigt, so wie ältere Menschen mit etwas mehr Erfahrung es sind. Sie lassen sich sehr schnell und leicht beeinflussen, sei es von TV-Werbung, einem neuen Spielzeug eines Klassenkameraden oder einer Geschichte, die eine Schulkameradin erzählt.

Sie befinden sich in einem Alter, wo sie ihren eigenen Körper und auch ihre Sexualität erst kennen lernen und somit auch erst lernen müssen, damit zu leben. Gleichzeitig sind Trans*Kinder aber auch psychisch sehr labil aufgrund von Mobbing, Ausgrenzung, Hass auf den eigenen Körper und widersprüchlichen Gefühlen sich selbst und den Klassenkamerad*innen gegenüber. Sie fühlen sich wütend auf sich selbst, auf alle anderen, die sie nicht verstehen, sie fühlen sich anders, abartig, abnormal und strahlen das alles natürlich auch an ihre Umwelt aus.

Versuche Dich einmal in die Lage eines, sagen wir 12- oder 14-jährigen Transjungen, also von Mädchen-zu-Junge Transgender, hineinzuversetzen und stell Dir vor, was für ein ständiges und ununterbrochenes Gefühls-Chaos in ihm wüten muss.

Die Pubertät ist schon in vollem Gange, ihmeinem Jungen – wachsen Brüste und die Stimme wird immer weiblicher anstatt tiefer und resonanter. Eventuell hatte er vor Kurzem sogar erst seine erste Menstruation.

Gleichzeitig weiß dieser Transjunge aber auch ganz genau, das er ein Junge ist und kein Mädchen, will sich männlich kleiden und verhalten, viel lieber mit den männlichen Klassenkameraden zusammen Fußball spielen oder mit Papa zusammen am Auto herum schrauben.

Ständig muss er daran denken wie es ist im, für ihn richtigen, nämlich gefühlten Geschlecht zu leben, ständig muss er Angst haben wegen der Reaktionen der Klassenkamerad*innen. Ständig ist er sich bewusst, das er anders ist und ständig gibt es ihm gegenüber wieder eine neue Diskriminierung, ein neues Mobbing oder eine neue Hürde, die er überwinden muss. Ständig wird er mit dem falschen, weil weiblichen Namen angesprochen oder mit dem falschen Pronomen. Denk‘ doch alleine einmal an die Geschlechter-getrennte Gemeinschaftsumkleide beim Sportunterricht, oder an die Schultoiletten. Und wenn die Eltern dann auch noch zu rückständig oder intolerant sind um ihr Kind als das zu sehen und zu akzeptieren, als das es sich fühlt, dann werden diese ganzen Probleme noch einmal potenziert.

Ein „normales“ Mädchen oder auch ein „normaler“ Junge denkt nicht über das eigene Geschlecht nach und macht sich nicht ständig darüber einen Kopf. Für ein Mädchen ist ganz klar, sie ist ein Mädchen und das ist auch gut so, genau so wie es für einen Jungen ganz klar ist, das er ein Junge ist und Mädchen erst mal alle doof findet.

Ein Transjunge oder ein Transmädchen hingegen denkt ständig, ununterbrochen nur an das Eine, nämlich an das eigene Geschlecht, bzw. an das Geschlecht als das sie*er sich fühlt, an die eigene Geschlechtsidentität. Und da bleibt dann kein Platz mehr für Mathematik, Deutsch, Erdkunde oder Physik.

Gleiches gilt natürlich ganz genauso auch für ein Transmädchen. Auch sie hat genau die gleichen Probleme, die gleiche psychische Dauerbelastung und die gleichen Ausgrenzungen und Diskriminierungen zu ertragen, wie ein Transjunge.

Kannst Du Dir vorstellen, das es unter diesen Voraussetzungen ungeheuer schwierig sein muss für ein Trans*Kind in der Schule aufzupassen und einen relativ guten Notendurchschnitt zu halten? Es wird wohl kaum ein Trans*Kind geben das, sobald es ihr oder ihm bewusst wird im falschen Körper zu stecken, den Notendurchschnitt halten kann.

Aber was kann man dagegen tun, fragst Du Dich? Wie kann man diesen Kindern helfen?

Nun, das allererste, was man tun sollte wenn einem als Elternteil, Lehrer oder Betreuer irgendetwas in dieser Richtung auffällt ist – reden. Setz Dich mit Deinem Schützling, Deiner Tochter oder Deinem Sohn, Deiner Schülerin oder Schüler zusammen – unter vier Augen. Nur Du und sie, bzw. er. Rede mit ihr oder ihm, zeige Verständnis und baue ein Vertrauensverhältnis zu ihr oder ihm auf. Sage ihr oder ihm, das Dir da etwas aufgefallen ist und frage sie oder ihn, ob Du ihr oder ihm irgendwie helfen kannst.

Mit das Wichtigste für ein Trans*Kind ist das für sie oder ihn richtige Pronomen, die richtige Anrede und der richtige, selbst gewählte Vorname. Dies sind Dinge die für uns Transgender unsere Identität ausmachen, das für uns Wichtigste womit alles zusammenhängt.

Sei aufgeschlossen, aber auch ehrlich. Sei vertrauensvoll, aber auch bestimmt. Verspreche nichts, was Du nicht halten kannst aber gib ihr oder ihm ein wenig Zuversicht, das es besser werden kann.

Solltest Du ein Lehrer sein, ein Klassen- oder Vertrauenslehrer, solltest Du als verantwortlicher Lehrer Dich mit solch einem Kind zusammen setzen und mit ihm darüber reden wollen, dann setz Dich auch dafür ein, das es in Zukunft von den Mitschülern akzeptiert wird und von den anderen Lehrern und den Mitschülern richtig angesprochen wird. Es gibt kein Gesetz, das einer Schule oder einem Lehrer verbietet, ein Kind mit einem selbst gewählten Namen und Pronomen anzusprechen. Aber mit dieser, für Dich und die Schulleitung unbedeutenden Kleinigkeit, machst Du Deine Schülerin oder Deinen Schüler glücklich.

Es gibt ein sehr tolles Projekt, das Transjugendprojekt der Initiative lambda::bayern. Diese Initiative hat eine Broschüre speziell für den Umgang mit Trans*Kindern für Lehrer herausgebracht, wo sehr viele nützliche und hilfreiche Informationen drin stehen.

Du kannst Dir die Broschüre hier herunterladen:  [download id=“557″]

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Artikel ein wenig helfen und Dir die Gefühlswelt eines Trans*Kindes verständlich näher bringen. Es sollte Dir hoffentlich eine gute Stütze sein, ein Trans*Kind besser zu verstehen und ihm zu helfen.

Bei Fragen oder Problemen kannst Du Dich gerne an mich wenden.

Übrigens halte ich gerne auch an Deiner Schule einmal einen Vortrag oder einen Workshop über Transidentität. Melde Dich einfach.

*Kisses*
Christin

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