Sie oder Ich? Er oder Ich? Kann/darf ich diesen Weg gehen?

Hallo liebe*r Besucher*in,

gerade eben war ich mal wieder auf Twitter unterwegs, was ich leider Gottes eigentlich viel zu selten bin. Ich folge dort einem transsexuellen Menschen und dieser Mensch folgt mir ebenfalls. Vor kurzem hatte ich ja mal wieder ein neues Video im „Trans Menschen“ Kanal auf YouTube hochgeladen, wo es um die psychischen Veränderungen nach dem Coming Out ging. Dieser transsexuelle Mensch hat mir dazu auf Twitter ein kurzes Statement hinterlassen und so bin ich heute dazu gekommen, mir einmal die Tweets dieses Menschen genauer anzuschauen. Aus diesem Grunde bin ich dann auf dem Blog dieses Menschen gelandet und musste mit wirklich großem Erschrecken feststellen, dass es diesem Menschen ganz und gar nicht gut geht.

Aber warum? Wo liegt das Problem und wie kann man diesem Menschen helfen? Das fragst Du Dich sicher nun?

Nun, es geht darum das sie, als transsexuelle Frau, so in ihrem Körper einfach inzwischen nicht mehr weiter leben kann und ihr weibliches Ich, ihr weibliches Sein endlich heraus muss und sie diesen Weg nun endlich gehen muss, um weiter leben zu können.

Das Problem an der Sache ist, das ihre Frau damit absolut und überhaupt nicht klar kommt und daran offensichtlich komplett zerbrechen würde. Für sie würde eine Welt zusammenbrechen, ein Leben, das sie sich mit ihrem „Mann“ aufgebaut hat und sie würde es nicht verkraften, wenn das auf einmal kaputt gehen würde. Sie würde daran zerbrechen.

Ich zitiere diesen transsexuellen Menschen mal eben aus seinem Blog, um Dir deutlich und begreiflich zu machen, wie schwerwiegend und tiefgreifend das Problem hier tatsächlich ist:

„[….] Es gibt vermutlich für mich kein Happy End. All meine Hoffnungen, meine Träume mein fast greifbares Glück es wird nicht wahr werden. Damit es meiner Frau wieder besser geht, werde ich mich opfern müssen und Astrid [Anm.v.Christin: Name von mir geändert] wird ein schöner Traum bleiben. Es ist hart. Es tut weh. Es lässt mich verzweifeln. Es lässt sich nicht in Worte fassen.
All das, was ich die letzten Wochen und Monate für mich erreicht hatte löst sich auf, entgleitet ins nichts. Alles worauf ich stolz war, über Momente des Glücks als ich vor dem Spiegel stand und ich überwältigt war vom Gefühl das richtige zu tun das zerbricht nun. Ich will das nicht. Aber es gibt kein Glück mehr für mich. Diese Erkenntnis wird bleiben. Ich werde auf ewig gefangen bleiben in einem Leben das ich so nicht wollte und nicht will. Aber es geht nicht anders. [….]“

Oder diese Passage hier:

„[….] Ist das der Preis dafür? Ihr kleines Glück, eine gespielte heile Welt für meine Hoffnungslosigkeit? Kann ich das durchstehen und wenn ja wie lange? Ich bin Transident. Das bin ich mein ganzes verfluchten Leben. Das kann ich nicht abschütteln. Die Frau die ich bin will leben und das nicht als Mann. Das schlimme ist ich kann so oder so nicht leben. Höre ich auf gehe ich zu Grunde, mache ich weiter geht sie zu Grunde. Es stürzt also entweder ihre oder meine Welt ein. [….]“

Tja… dieses oder ganz ähnliche Probleme lese und erfahre ich immer und immer wieder und dieser Beitrag soll nun hier vielleicht einmal eine kleine Stütze sein und ein wenig über dieses Problem hinweg helfen.

Natürlich gibt es für solche Probleme keine einfache Standard-Lösung, ganz klar. Trotzdem gibt es dazu vor allem aber eine Sache zu sagen, die für alle diese und ähnlichen Probleme immer gleich gültig ist:

Der Partner mit dem man jahrelang zusammen gelebt hat und der nun auf einmal den Weg zu seinem eigentlich richtigen Geschlecht gehen möchte, der ändert sich ja nicht und bleibt doch erhalten! Weder verschwindet er einfach, noch verändert er sich als Mensch. Sein Charakter bleibt doch gleich und erhalten. Es bleibt derselbe Mensch!

Woran liegt es, das viele Lebens- oder Ehepartner so große Angst davor haben und daran beinahe verzweifeln? Müssten sie nicht eigentlich am meisten Verständnis von allen für die Situation ihres transsexuellen Partners haben?

Nun, theoretisch schon. Aber praktisch dominiert hier halt vor allem Unwissenheit was diese Transsexualität bedeutet und was für Konsequenzen sie hat, sowie natürlich die Angst, das sich alles verändert oder kaputt geht und nicht nur der Partner „mal eben das Geschlecht wechselt“.

Aber wie kann man denn nun helfen? Wie kann man der Partnerin oder dem Partner diese Angst nehmen? Wie kann man selbst diesen Weg tatsächlich beginnen, ohne das der oder die Partner*in daran aus lauter Verzweiflung zerbricht?

Nun, ich bin natürlich weder Psychiaterin noch in irgendeiner Weise geschult, was solche psychischen Belastungen und Probleme angehen. Und doch möchte ich meine ganz persönliche Meinung dazu zum Ausdruck bringen und vielleicht, vielleicht hilft es ja jemandem, bei solch einer Entscheidung.

In ganz erster Linie werden die meisten Probleme und Zweifel schon aus dem Weg geräumt, wenn man sich nur einmal mit dieser ganzen Thematik befasst und sich umfassend informiert, bzw. den Partner umfassend informiert. Man sollte dem Partner vor allem erklären, das man ja trotzdem weiterhin für den Partner da ist und ja trotzdem derselbe Mensch bleibt.

Unwissen fördert Intoleranz, Wissen sorgt für Akzeptanz!

Erkläre dem Partner genau und vor allem ganz im ruhigen und sachlichen, was dieser Weg, diese Veränderung bedeutet. Erkläre dem Partner wie der Weg aussieht und was Du machen musst um endlich glücklich zu werden. Erkläre dem Partner die einzelnen Schritte des Weges und erkläre ihm genau, was sich für Euch ändert, wenn Du diesen Weg bis ans Ende gehst.

Sage Deinem/Deiner Partner*in das sich kaum etwas ändern wird. Du bleibst derselbe Mensch, nur in einem anderen Geschlecht. Du wirst weiterhin für Deinen Partner*in da sein, für Eure Kinder und für Eure Familie, Freunde und Bekannte. Mache Deinem/Deiner Partner*in aber ebenso klar, das es auch negative Reaktionen von Außenstehenden geben kann und Ihr darüber stehen müsst und zusammen halten müsst.

Du als sehr aufmerksame*r Leser*in meines Blogs wirst nun natürlich sofort sagen: „Ja natürlich Christin. Du hast ja leicht reden! Du hattest nie solche Probleme zu bewältigen und wurdest sofort von allen nur akzeptiert!“

Und ja, da gebe ich Dir vollkommen recht! Ich habe solch ein Familiendrama tatsächlich zum Glück noch nicht selbst überstehen müssen und ich selbst stand nie vor solch einer Entscheidung, weil mich meine Ehefrau selbst einfach ohne Vorankündigung mit unserem kleinen Sohn verlassen hat und sich dann vier Monate nur versteckt hat und nicht einmal den winzigsten Kontakt zu meinem Sohn zugelassen hat.

Und trotzdem ist es meine feste Überzeugung, das hier Reden hilft. Informationen, Wissen und Klarheiten schaffen und dahingehend beruhigen, das man trotz allem, trotz der geschlechtlichen Veränderung und trotz das man auf einmal in Frauenklamotten herum läuft, ja trotzdem derselbe Mensch bleibt und dem Partner oder der Partnerin ja erhalten bleibt.

Tja, aber was tun wenn auch das nichts hilft????

Sollte der Fall eintreten, das selbst das viele Reden, die vielen genauen und umfangreichen Informationen und das ganze Wissen das man an den/die Partner*in weiter gibt, alles nichts hilft und der/die Partner*in beim Anblick von Dir in gegengeschlechtlichen Klamotten in tiefste Verzweiflung ausbricht und dabei sogar seelische und körperliche Schmerzen erleidet, dann muss man eine Grundsatz-Entscheidung treffen, die für niemanden angenehm, geschweige denn einfach sein wird:

Er/Sie oder ich!

Hier spielen sicher dann solche Dinge eine Rolle wie, wie lange ist man bereits zusammen, wie innig ist die Beziehung, kann man auf den/die Partner*in verzichten, hat man Kinder, etc…?

Eine bekannte Statistik besagt, das ca. 33% aller transsexuellen Menschen bereits einen ernsthaften Suicid-Versuch hinter sich haben und das ca. 50% aller transsexuellen Menschen mindestens einmal schon einmal ernsthaft über Suicid nachgedacht haben.

Was ich damit sagen will:  Der Leidensdruck, das innere und auch körperliche Leiden, die psychischen Probleme, die Depressionen, die daraus resultierenden somatischen Beschwerden, all das kann so enorm, so schwer, so brutal werden, das man sich nicht anders mehr zu helfen weiß, als sich umzubringen.

Gilt das auch für den/die Partner*in, die damit leben muss, das man diesen Weg beginnt und bis zum Ende geht?

Man muss abwägen, wie schwerwiegend die eigenen Beschwerden dabei sind, wenn man sich weiterhin versteckt und diesen Weg nicht beginnt und wie schwerwiegend im Gegensatz dazu die beziehungstechnischen Probleme werden können, wenn man diesen Weg beschreitet. Hinzu kommt natürlich die Frage, wie sehr liebt man den/die Partner*in.

In den meisten Fällen von Transsexualität würde ich persönlich sagen, wiegen die Beschwerden, Depressionen, der Leidensdruck eines Transsexuellen deutlich schwerer, als die Verzweiflung und Wut eines/einer Partner*in, der/die damit nicht zurecht kommt und wo durchaus die realistische Chance besteht, das man sich trotzdem irgendwann damit arrangiert.

All dies ist eine Für und Wider Liste, die man gegeneinander abwägen muss, um eine Entscheidung zu treffen.

*Kisses*
Deine Christin

 

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3 Kommentare

  1. Gerade bei solchen Themen finde ich, ist es wichtig seine Bedürfnisse!! über die Wünsche! anderer zu stellen.
    Danke für den Beitrag ❤

  2. Tut mir leid, aber da muss ich Dir, Christin deutlich widersprechen: Wenn ich ins andere Geschlecht überwechsle, dann ändert sich damit viel mehr als lediglch das äußere Erscheinungsbild. Die äußere Verwandlung ist für mich vor allem dafür gut, um endlich die Schleusen aufzumachen und all die weiblichen Aspekte von mir,leben zu können, die ich im Männermodus unter dem Deckel halte. Das hat unter anderem sehr weitreichende Auswirkungen auf mein soziales Interagieren und macht mich so geshen weit über das äußere Erscheinugnsbild hinaus zu einem anderen Menschen.Das eine solche Verädnerung den PartnerInnen Probleme macht und sie unter Umständen verzweifeln lässt finde ich mehr als verständlich.

    Nichts desto Trotz bleibt die Entscheidung, was für mich wichtiger ist: Das Glück oder Unglück meiner Partnerin oder mein eigenes? Wichtig bei dieser Entscheidung ist für mich, dass zu meinem Glück eben nicht nur die Befreiung gehört, die aus dem Zulassen meiner Weiblichkeit erwächst, sondern auch mein soziales Beziehungsgefüge. Meine zentrale Frge an dieser Stelle ist deshalb: Wie kann ich ein ausreichendes Maß meiner Weiblichkeit frei leben ohne dadurch die mir wichtigen Beziehungen zu gefährden? Für mich war dabei hilfreich zu lehrnen, dass bei der Frage männlich oder weiblich eben nicht (wie üblicher Weise geglaubt) das alles oder nichts Prinzip besteht.

  3. Ich habe zwar auch den Wunsch reden würde helfen und ja es ist immer noch besser als nichts.

    Ich kann von mir berichten, ich hätte Probleme wenn meine Frau ein Mann werden möchte. Ich kann nicht sagen ob es daran liegt, dass ich homophob bin oder da ich Männer ablehne weil ich in einen solchen Körper gefangen bin. Also ich habe eine Hochachtung vor meiner Frau, dsss sie mich nicht gleich rausgeschmissen hat. Sie ist sehr tolerant, und lässt mich viele Sachen machen. Aber ich bin überzeugt, GAOP VÄ/PA geht gar nicht.

    Ich kann die Gefühle deines Bekannten verstehen, da ich in einer änlichen Situation stecke. Ich liebe meine Familie und möchte sie behalten. Ich weiß beide Wege werden Leid bedeuten, die Frage isf welches Leid werde zukünftig besser verarbeiten?
    Eines meiner Paradoxen.: Wir haben zwei kleine Kinder, eine echte Mutter würde zum Wohl der Kunder ihre eigenen Belange hinter die Belange der Kinder stellen. Wie kann ich jetzt als Frau/Mutter egoistisch sein und auf meine Belange pochen? Sicherlich kann eine Antwort sein nur wenn ich authentisch bin, kann ich eine gute Bezugsperson sein. Denke es ist zu einfach.

    Jetzt gibt es ein weiteres Paradoxon:Wenn ich Östrogene nehme sinkt mein Leid im falschen Körper zu leben, soweit dass ich akzeptieren könnte in dem Körper weiter zuleben, weil dann das soziale Gefühge überwiegt. Werden die Östrogene weggelassen kippt es aber wieder. Mit den Östrogenen entsteht aber eine eigentlich erwünschte Verweiblichung, aber da die Priorität soziales Gefüge wieder steigt, passt zumindest eine Brust nicht mehr dazu.
    Woran liegt der Wechsel der Prioritäten?
    Vieleicht weil durch das Östrogen die Frau mit der familären Mutter geweckt wird und lieber sich für die Familie zurückstellt? Sinkt det Druck weil man auf dem richtigen Weg befindet? Oder wehrt sich der männliche Teil? Ist es etwas organisches?
    Gemein ist weder Endos oder Psychologen können hier eine Antwort darauf geben. Ganz im Gegenteil man wird noch alleine gelassen, zu mindestens von der medizinischen Versorgung.

    Ich glaube, genau solche Widersprüchlichkeiten, machen es uns sehr schwer. Es gibt keine binäre Transsexualität man bewegt sich dazwischen und je nach dem aus welcher Position man es betrachtet ändern sich auch das Bild. Zu dem verändern wir uns auch ständig somit verändert sich auch noch unsere Position.

    Ich bin übrigens innerlich eine Frau und will aber auch nicht trans sein.

    Liebe Grüße Nina

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