Sprüche, Fragen und Sätze, die man als Trans*Person absolut nicht hören will

Es gibt unzählige Situationen, in denen man über Aussagen, Sprüche oder Fragen stolpert, die eigentlich vielleicht sogar lieb gemeint sind oder echtes Interesse bekunden sollen, die aber völlig daneben sind und uns als Trans*Menschen sehr verletzen können und sogar in tiefe Depressionen stürzen können. Dieser Beitrag soll ein wenig dazu beitragen, das Verständnis bei Cis*Personen, also bei Jenen die sich mit ihren angeborenen Geschlechtsmerkmalen wohl fühlen und sich mit ihnen identifizieren können, zu vergrößern und ein wenig aufzuklären, was man besser vermeiden sollte um eine Trans*Person nicht vor den Kopf zu stoßen oder gar sehr zu verletzen (Siehe dazu auch den Beitrag über falsche Formulierungen in der Presse und den Medien). Fragen oder Aussagen wie „Bist Du denn schon umoperiert?“, „Achso, Du bist ne Transe!“ oder auch „Was bist Du? Mann oder Frau?“ können uns richtig weh tun.

Versuche Dir einmal so richtig intensiv das Folgende vorzustellen:

Du hast ein richtig dämliches, hässliches Clowns-Kostüm an und kannst es in Deinem Leben nie wieder ausziehen. Wie würden Dir Sprüche gefallen wie „Mit kleineren Füßen würdest Du mir besser gefallen“ oder auch „Deine Nase ist so dick und hässlich, wird das irgendwann besser?“

Ein Trans*Mensch hat auch ein Kostüm an, eine Verkleidung, eine Maske. Eine Maske, die er nie ablegen können wird. Diese Maske ist sein Körper, seine Gesichtszüge, seine breiten Schultern, seine großen Füße, die Beule in der Hose. Ein Trans*Mensch wünscht sich nichts sehnlicher und intensiver, als endlich den Körper zu haben – mit dem Geschlecht als das er sich schon immer gefühlt hat.

Zeit seines Lebens, in der Regel sogar schon von klein auf, wird ihm von allen Seiten gesagt, das er, der Trans*Mensch, falsch ist, das an ihm etwas nicht stimmt. Er fühlt sich zum Beispiel als Frau, hat weibliche Gefühle, weibliches Denken, weibliche Wünsche und Sehnsüchte, muss aber sein ganzes Leben lang mit einem Körper herum laufen, der dem völlig widerspricht. Er hat breite Schultern, ein markantes männliches Gesicht, keine Brüste und eine dicke Beule in der Hose. Er schämt sich in der Schule in der Gemeinschaftsumkleide für Jungs, im Schwimmbad bei den Gemeinschaftsduschen, er möchte viel lieber mit den Mädchen zusammen spielen und wird von allen verstoßen, weil alle sagen, er gehört nicht zu ihnen. Die Mädchen wollen diesen Trans*Menschen nicht, weil er – für sie offensichtlich – ein Junge ist und die Jungs wollen ihn nicht, weil er zu schwul oder weiblich herüber kommt und als Weichei, Schwuchtel oder Turnbeutelvergesser beschimpft wird. Und so geht es einem Trans*Menschen sein ganzes Leben lang! Dies sorgt für sehr tiefe und sehr starke Depressionen und bei den meisten Trans*Menschen sogar für Suizidgedanken und Suizidversuche.

Nun stell Dir einmal vor da kommt jemand und haut den folgenden Spruch raus: „Am Gesicht erkennt man, das Du eigentlich ein Mann bist“. Das tut weh, sehr weh. So etwas ist sehr verletzend und schmerzhaft und kann sogar dafür sorgen, das die Depressionen die man eh schon hat, noch schlimmer werden.

Die folgenden Beispiele sollen erklären welche Sprüche, Fragen oder Aussagen überhaupt nicht gehen und so richtig weh tun und vor allem auch, wieso. Sie sollen helfen zu verstehen wieso man diese vermeiden sollte. Fangen wir an:

„Ah, Du bist so was wie Conchita Wurst!“

Als Trans*Mensch ist das Leben echt schon hart genug, ganz ohne Witz. Wenn man dann mit einer Kunstfigur verglichen wird, die mit dem Leben eines Trans*Menschen nicht das Geringste zu tun hat – Man hätte auch Bugs Bunny schreiben können! – dann tut das sehr weh. Ganz davon abgesehen: „so was wie“??? Hallo, geht’s noch?

„Bist Du denn schon umoperiert?“

Also mal ganz abgesehen davon, das es echt niemanden etwas angeht was ich zwischen meinen Beinen habe oder nicht habe, fragst Du die Frau, die zufällig neben Dir im Zug oder im Bus sitzt auch ganz unvermittelt mal: „Sind die Titten echt?“ oder „Haben Sie eine Vagina?“

„Sie sind hier doch falsch, oder?“

Du gehst in einem schicken Restaurant, gekleidet mit hohen Stiefeletten, Nylonstrumpfhose, schickem, knielangen Rock, einer weißen Bluse, langen roten Haaren, lackierten Fingernägeln und mit einem richtig gut aussehenden Makeup und Lippenstift auf die Damentoilette und möchtest ganz normal und in Ruhe, ohne irgend wen zu belästigen, in Deiner Kabine Dein Geschäft verrichten. Und dann kommt so ein Spruch. Merkst Du den Fehler? Das geht gar nicht. Akzeptiere einfach die Vielfältigkeit des Lebens. Es gibt auch Frauen die halt etwas markanter aussehen.

„Warst Du mal ein Mann?“

NEIN! War ich NIE! Eine Trans*Person war schon immer das, als was sie sich fühlt und nicht, was die äußeren Geschlechtsmerkmale darstellen mögen. Das Geschlecht findet nicht zwischen den Beinen statt, sondern im Kopf! Eine Trans*Person fühlt schon seit der frühesten Kindheit an, das sie falsch ist und das sie nicht das ist, was man nach außen hin sieht! Eine Transfrau war schon immer, vom Kopf her eine Frau und ein Transmann war schon immer ein Mann! Man kann sein Geschlecht nicht einfach wechseln, wie die Unterwäsche!

„Er will jetzt eine Frau sein“

Dieser Spruch ist so ziemlich das Falscheste was man sagen kann. Niemand der halbwegs bei klarem Verstand ist, macht diesen ganzen Trans*Weg durch nur aufgrund einer Laune heraus! Man kann sich nicht plötzlich dazu entscheiden, ein anderes Geschlecht sein zu wollen. Entweder man ist eine Frau oder man ist es nicht, basta!

„Also für eine Transfrau sieht Du ja ganz gut aus“

Liebe*r Besucher*in, solltest Du jemals so etwas zu mir sagen, sind wir geschiedene Leute! Mal ganz davon abgesehen, das es wirklich eine bodenlose Frechheit ist, so etwas zu einer Transfrau zu sagen – und das sollte einem auch schon der gesunde Menschenverstand sagen – aber was bitte soll das „ganz gut“??? Sagst Du zu dem Mädchen das Du gerade in der Disco kennengelernt hast und ganz hübsch findest auch sowas wie „Also für ein Mädchen siehst Du ja ganz nett aus“? Ich bin mir sicher Du würdest eine Schelle kassieren, das Du nicht mehr weißt wo der Frosch die Locken hat!

„Dein alter Vorname war viel schöner!“

Das Verfahren für die Vornamens- und Personenstandsänderung ist ein richtig aufwendiges und auch menschenunwürdiges, gerichtliches Verfahren, das ohne Prozesskostenbeihilfe gut bis an die 2000,- Euro kosten kann. Es war ein sehr langer und steiniger Weg, mit diskriminierenden, menschenunwürdigen und teilweise auch völlig Sinn befreiten Fragen und Aufgaben. Ganz davon abgesehen wollen die meisten Trans*Menschen nicht mehr an ihre alte, vorherige Identität erinnert werden.

„Also als Junge wärst Du auch ganz süß“

Tja, so ein Pech das ich halt eben doch nur eine Frau bin und kein Kerl! Oh mann, so ein Spruch geht gar nicht!

„Oh, Du wurdest als Junge geboren?“

Nur weil ein Baby direkt nach der Geburt durch einen Typen im weißen Kittel anhand eines einzigen, äußeren Geschlechtsmerkmales als Junge klassifiziert wurde, heißt das nicht, das es auch tatsächlich ein Junge ist! Ein Transmädchen war schon immer ein Mädchen, genau so wie ein Transjunge auch schon immer ein ganzer Kerl war!

„Bist Du eine Transe?“

Viele Menschen, nicht nur Trans*Menschen, empfinden das Wort „Transe“ als eine Beleidigung und möchten dieses Wort nicht hören – vor allem nicht in Bezug auf einen selbst! Ganz davon abgesehen, das es – auch wenn es landläufig eine Beleidigung ist oder sein mag – eigentlich mehr einen Transvestiten bezeichnet, als eine Transfrau oder einen Transmann.

So, ich hoffe, ich konnte Dir damit zeigen, das manche Sprüche einfach gar nicht gehen und das man sie tunlichst vermeiden sollte. Bei vielen Aussagen, Sprüchen oder Fragen kann man sich auch ganz einfach selbst vorher fragen, ob man das auch einer „normalen“ Cis*Person fragen würde und wie sie reagieren würde.

(Siehe dazu auch den Beitrag über falsche Formulierungen in der Presse und den Medien)

 

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2 Kommentare

  1. Schöne Auflistung. Aber interessant wäre auch, wie ich als Betroffene souverän kontere bzw. dem Gegenüber mit seinen von Unwissen glänzenden Aussagen den Wind aus den Segeln nehme. Wenn ich dann überhaupt noch die Möglichkeit habe vor lauter Enttäuschung oder Schreck über solche Aussagen.

  2. „Als Junge bist Du auch ganz hübsch“

    DAS hat mir meine Mutter beim Outing gesagt und später beim zweiten Gespräch erneut, ja das hat richtig wehgetan.

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