Das Coming Out – Oder, wie sag ich’s meiner Mom?

Hallo liebe*r Besucher*in,

es ist wieder ein wenig Zeit ins Land gezogen und ich dachte mir, ich könnte Dich mal wieder ein wenig mit meinem Beiträgen nerven. *lacht*  Nein, ich bin ziemlich sicher, das ich Dich nicht nerve, denn sonst würdest Du das hier gar nicht erst lesen.

Heute möchte ich mal ein wenig über das Coming Out sprechen. Warum komme ich nun ausgerechnet auf das Coming Out, wo ich doch Meines schon vor einigen Jahren hatte? Nun, die Idee bekam ich, als mir der Robin von seinem Coming Out in der Schule erzählt hat, das er morgen – ja, so aktuell bin ich hier *g* – vor seiner Klasse vor hat.

Robin hat nämlich etwas ganz Tolles vor, was ich bisher so auch noch nicht erleben durfte: Er wird sein Coming Out vor seiner Klasse poetry slammen!

Freundlicher Weise hat er mir den Text seines Poetry Slams zugeschickt und ich möchte ihn Dir natürlich nicht vorenthalten. Bedenke dabei bitte immer auch die Urheberrechte und frage Robin bitte, bevor Du den Text in irgendeiner Weise ebenfalls verwenden willst:

Wer bin ich?
Ich bin gefangen
Bin festgekettet
Bin zu geschnürt
Werde zerdrückt
Zermürbt
Zerquetscht
Von stahlharten Gitterstäben eingeschlossen
Was ihr hier seht ist ein Gefängnis
Gehalten von Angst und Schmerz
Und all dem Druck der Gesellschaft

Wer bin ich?
Ich bin krank
Ich bin verrück
Bin verwirrt
Will nur dazugehören
Will nur aufmerksamkeit
Will nur beachtet werden
Es ist nur eine Phase sagen sie
Bald ist es wieder vorbei sagen sie
Teenager halt

Wer bin ich?
Vivien
was ist das?
Eine aneinander-Kettung von Buchstaben
Welche nicht mehr Bedeutung haben als mich zu unterdrücken. Zu zerquetschen. Mich in eine Rolle zu verpacken in der ich nicht sein will
Das bin ich nicht

Aber wer bin ich dann?
Ich bin keine strong independet woman. Kein Kleines. Kein Mädel. Kein Mäuschen. Kein Frauen Power. Keine Frau
Das Bin ich nicht. Das war ich nie. Und das werde ich auch nie sein.

Tut mir leid Mama, aber ich werde nie deine kleine Ballerina sein mit der du deine Schminke teilen oder gemeinsam Fingernägel lackieren kannst.

Tut mir leid Papa, das ich dir nie gezeigt hab wie sehr mich manche Dinge interessiert haben mit denen du vielleicht hättest mehr anfangen könnten. Aber du warst ja eh nie da.

Tut mir leid mein nicht existierendes Baby, das ich nicht gebären werde. Ich hätte dich geliebt. Ich hätte dich so sehr geliebt wie es eine Mutter nun mal tut. Ich hätte dich beschützt weil du ein Teil von mir wärst.

Ich schau an mir herunter und es ist alles falsch.
Ich schaue in den Spiegel und sehe jemand anderen.
In Audios spricht ein Fremder
Auf Fotos werd‘ ich weggeschnitten
In Videos spielt jemand anderes meine Rolle
Nur in meinem Kopf
Nur da oben drin
Da bin ich ich

Tut mir leid an all die Hater.
Gott wolle es nicht. Sei gegen die Natur. Gegen den Glauben. Ein sofort Ticket in die Hölle.
Was sagte Gott nochmal als er euch machte?
„Ich vertraue euch alles an, was lebt: Fische, Vögel und die übrigen Tiere, den Wald mit allen Bäumen, die Blumen und übrigen Pflanzen. geht sorgsam mit ihnen um.“
Und was ist daraus geworden?
Terraforming. Wald-Rodungen. Überfischung. Massentierhaltung.
Kleine Küken werden zerschreddert damit ihr euer Frühstücks-Ei genießen könnt während ihr Leute unterdrückt welche ja so „gegen Gottes Willen“ handeln.
Sorgsam nenn‘ ich was anderes.
Anstatt auf andere zu zeigen. Schaut euch erstmal selber an

Jeder ist für sein eigenes Glück verantwortlich.
Du kannst machen, sein und lieben was oder wen du willst.
Lass dir von niemanden einreden dass du etwas nicht kannst.
Das Leben ist wie eine Leinwand. Du kannst sie Gestalten wie du willst.
Du kannst sein wie du willst
Du kannst sein wer du willst

Also wer bin ich?
Ich bin ein Mensch.
Ich habe Träume, Ängste und Hoffnungen so wie ihr auch.
Und ich habe einen Namen:
Robin

Autor:
Robin Porsch, 19, aus Dorsten (NRW), @niemalsssss

Was sagst Du dazu? Also ich musste echt weinen, vor allem als ich zu der Stelle mit dem „Tut mir leid“ kam.

Es ist eine tolle Idee, das Coming Out so zu verpacken! Das ist sehr kreativ und vor allem glaubwürdig! Man wird Dich für diesen Slam lieben, lieber Robin, da bin ich sicher! Danke, das ich das veröffentlichen durfte!

Was gäbe es denn noch für Möglichkeiten ein Coming Out möglichst so zu gestalten, das es glaubwürdig ist und vom Gegenüber anstandslos akzeptiert wird?

Wenn Du nicht ganz so kreativ bist, wie der liebe Robin, dann kannst Du Dir auf jeden Fall zum Beispiel Hilfe holen. Ich bin sicher, der Robin hilft gerne. *grinst*

Es gibt aber auch noch viele andere Menschen, die Dir helfen können: Deine Familie, Dein bester Freund oder Freundin, oder zum Beispiel auch die Berater*innen der dgti e.v..

Selbstverständlich kannst Du Dich auch jederzeit direkt an mich wenden, wenn Du Dir unsicher bist. Ich komme auch sehr gerne an Deine Schule, wenn Du das magst und helfe dir dort mit einem Vortrag über Transphobie, Mobbing, Toleranz und Akzeptanz direkt vor Deiner Klasse. Meld‘ Dich einfach!

*Kisses*
Christin

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4 Kommentare

  1. Ich weiß schon gar nciht mehr wie mein Outing damals war, gut bei ir ist es auch nur das Outing der Pan-Sexualität und bei weitem nicht so ein unglaublich weiter weg wie der eines Trans*Menschen aber dennoch ist es auch erstmal eine überwindung. In der Schule war es irgendwann Offensichtlich als ich mit meiner damaligen Freundin knutschend auf dem Flur stand, für meine Oma war es kein Problem als ich es ihr mit 15 oder 16 sagte. Meiner Mutter habe ich es mal in einem Streit an den Kopf geschmissen als ich glaub ich 20 oder so war. Mein Vater hat es glaub ich immer irgendwie vermutet aber nie wirklich offen drüber gesprochen. für den Rest meiner Familie war es nie Thema, denen ist egal was ich treibe.
    Für mich ist es heute das normalste der Welt wenn mich jemand fragt wen ich liebe zu sagen „ich liebe Menschen“, auch wenn es oftmals den Menschen die mich fragen viel unangenehmer ist „weil es mir ja unangenehm sein könnte“ darüber zu reden. Ich erinnere mich an eine Situation auf der arbeit als eine Kollegin rumdrucksend zu mir kam und meinte „du, also ich hab da was gehört. also auf dem flur und ich weiß nciht ob ich dich das fragen darf“ als ich dann fragte was sie meinte kam „naja, du sagtest, also als die Homoehe legalisiert wurde, naja dass du da zu einer freundin meinstest dass ihr ja jetzt heiraten könntest. Also du musst da jetz nciht drauf antworten wenn du das nicht willst. Vielleicht ist das ja ein heikles Thema, aber sagmal kann es sein, dass du Frauen liebst?“ Meine antowrt das es da absolut nichts unangenehmes dran gibt zu fragen und dass ich alle Menschen unabhängig ihres geschlechts liebe egal ob cis*Mann/Frau oder Trans*Mann/Frau hat sie sichtlich noch mehr irritiert. Ich war es wohl neu dass es nicht nur mann und frau gibt. Ich unterstütze jede Form der aufklärung zum Thema Outing egal ob es um die Geschlechtsidentität geht oder die der sexualität und genau deswegen bin ich eine sehr große Unterstützerin deiner Projekte Liebe Christin als auch dem Gedanken des CSD Weltweit und der gesamten LGBTQ+ Gemeinschaft.

    (Übrigens weiß ich erst seit dir, was denn eine cis*Frau ist)

  2. Schönes Gedicht aber auch so traurig, umdreht ergeht es mir ja auch nicht anders. Ja das man sich ständig erklärt und entschuldig und sagt es tut mir leid ist traurig aber auch ich tue dies schon mein Leben lang. Doch warum muss ich das? Weil ich, ich bin?

  3. Bist wirklich ein so lieber Mensch Christin, wenn ich sehe wie vielen du selbstlos hilfst und das wo du es doch selber so schwer hattest und sicherlich auch immer noch hast, wünschte es gäbe mehr Menschen wie dich.

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