Kindheitserinnerungen

Kindheits- und Jugenderinnerungen

Ich möchte hier einige Beispiele aus meinem Leben bringen, Geschichten wie sie mir passiert sind in der Schule oder auch privat. Ich tue dies zum Einen um einem guten Freund zu helfen der ein möglichst authentisches Theaterstück über das Leben einer Transgender schreiben möchte, ich tue dies aber auch und vor allem deshalb weil ich merke, wie ich immer mehr und mehr von meiner Kindheit verdränge und die Erinnerungen langsam aber sicher ins Nirvana verschwinden.

Ich werde hier sehr, sehr offen und schonungslos Dinge und Erlebnisse offenbaren, die mich geprägt haben. So werde ich zum Beispiel sehr detailliert über mein Erlebnis in Paris erzählen oder auch von der Vergewaltigung im Bewährungsheim im Donautal, nach der ich definitiv nicht mehr weiter leben wollte. Ich werde hier erzählen, wie mein Leben als Transgender, als transsexuelles Kind oder Jugendlicher und auch als Erwachsener verlaufen ist, was ich erlebt habe, vor allem aber auch, was ich gefühlt habe.

Es sind dies alles sehr intime Geschichten, über die ich teilweise noch mit niemandem bisher reden konnte. Diese aufgeschriebenen Erinnerungen hier sollen dazu dienen, Erlebnisse vor allem auch zu verarbeiten, aber auch niemals zu vergessen.


Ein „normales“ Mädchen oder auch ein „normaler“ Junge denkt nicht über das eigene Geschlecht nach und macht sich nicht ständig darüber einen Kopf. Für ein Mädchen ist ganz klar, sie ist ein Mädchen und das ist auch gut so, genau so wie es für einen Jungen ganz klar ist, das er ein Junge ist und Mädchen erst mal alle doof findet.

Ein Transjunge oder ein Transmädchen hingegen denkt ständig, ununterbrochen nur an das Eine, nämlich an das eigene Geschlecht, bzw. an das Geschlecht als das sie oder er sich fühlt, an die eigene Geschlechtsidentität und darüber, wie sie oder er sich im anderen Geschlecht, also in dem Geschlecht als das sie oder er sich identifiziert, fühlen würde, was wäre wenn sie oder er den richtigen Körper hätte, etc. Für ein Transmädchen oder einen Transjungen gibt es (in der Regel) in der Zeit von wo sie oder er um die acht oder neun Jahre alt wird, bis weit nach der Pubertät, kein anderes Thema. Und so ist es nicht verwunderlich, das solche Kinder in der Schule keinen Anschluss finden und auch mit den Leistungen und Noten immer weiter zurück bleiben.

Aber auch schon vorher, mit fünf, sechs, sieben – wenn das gegenteilige Geschlechtswissen entsprechend stark ausgeprägt ist – kann es sein, das ein Transmädchen oder Transjunge massive Probleme hat. Zum Beispiel weil es sich selbst einfach falsch fühlt. Ständig wird ein Transmädchen auf dem Schulhof von den Mädchen weg geschickt weil es augenscheinlich kein Mädchen ist und die Jungs wollen auch nicht mit ihr spielen, weil sie zu weiblich ist, ein Weichei, ein „Schwuli“. Genau so ergeht es natürlich auch einem Transjungen im gegensätzlichen Rahmen.

Nun, lass mich einige Beispiele aus meinem Leben erzählen. Ich muss zugeben, aus meiner Kindheit und auch frühen Erwachsenenzeit habe ich das meiste verdrängt und ich kann mich nur noch bruchstückhaft erinnern. Aber es gibt tatsächlich einige wirklich für mich einschneidende Erlebnisse, an die ich mich sehr gut erinnern kann.

Das Folgende ist nun kein Erlebnis an das ich mich selbst erinnern kann, jedoch glaube ich, das es mit den späteren Ereignissen und vor allem mit meiner Entwicklung und meinem Verhalten, meiner Introvertiertheit und dem mangelnden Selbstbewusstsein direkt zu tun hatte. Ob es mit meiner Transsexualität in Zusammenhang steht, glaube ich ehrlich gesagt nicht. Denn diese entsteht schon während der Schwangerschaft im Mutterleib, wenn durch die Sexualhormone der Mutter entschieden wird, in welche Richtung sich der Körper des Fötus entwickeln soll. Durch Schwankungen in den Sexualhormonen der Mutter kann es dann passieren, das sich das Gehirn des Fötus, das sich erst deutlich später als das körperliche Geschlecht entwickelt, in das gegenteilige Geschlecht hin entwickelt.

Alexander von B.

Ich wurde geboren am 14.07.1972 gegen 13 Uhr in Berlin als Sohn einer sehr alten und bekannten, preußischen Adelsfamilie. Aufgrund meiner äußeren Geschlechtsmerkmale wurde ich damals, direkt nach der Geburt als männlich klassifiziert, so wie das leider nun mal üblich ist, ohne die Möglichkeit das selbst entscheiden zu können. Gut – mit ziemlicher Sicherheit, hätte ich die Frage nach meinem Geschlecht damals auch noch nicht verstanden, geschweige denn beantworten können.

Leider ging es meinen Eltern damals gar nicht gut. Mutter und Vater waren beide alkoholkrank, der Vater sogar stark kriminell. Und so kam es dazu, das ich mit etwa einem halben Jahr meinen Eltern vom Jugendamt weg genommen wurde und in ein Heim gesteckt wurde.

Nun weiß man, dass das Wichtigste was ein Baby braucht, die Nähe, der körperliche Kontakt und die Stimme und Zärtlichkeiten der Mutter sind. Und dass ein Baby mit einem halben Jahr das jeglichen Kontakt, jeglichen Bezug zu seiner Mutter verliert, sich nicht richtig entwickeln kann.

Ich wurde zu einem echten Schrei-Baby, so erzählte man mir sehr viel später. Ich machte es den Betreuerinnen und Betreuer in diesem Heim sehr schwer indem ich ständig unzufrieden und extrem trotzig war und den ganzen Tag nur geschrien habe. Und so wurde ich in diesem Heim natürlich auch nicht besonders gut behandelt. Man haute mich, ließ mich achtlos liegen und stundenlang ohne Beachtung schreien oder ich bekam zur Strafe kein Essen. Wie gesagt, ich war ein 6-monate altes Baby.

Als ich etwa ein Jahr alt war kam ein Paar in das Heim das ein Kind zur Adoption suchte. Sie hatten sich sofort in mich verliebt, so erzählten sie mir später, obwohl ich doch solch ein schwieriges und lautes Baby war.

Etwa ein Jahr später, ich war ungefähr anderthalb Jahre alt, nahmen sie mich mit nach Hause und meine Zeit in diesem Heim war zu Ende, obwohl meine neue Mutter mit ihrem ersten, eigenen Kind hoch schwanger war.

Meine neuen Eltern waren sehr liebevolle und fürsorgliche Eltern. Sie kümmerten sich rührend um mich und – obwohl schon wenige Wochen nachdem sie mich aus dem Heim geholt hatten, am 14.03.1974, ihr erstes, eigenes, leibliches Kind zur Welt kam, liebten sie mich genau so wie dieses neue Kind und behandelten mich sehr liebevoll und gut.

Damaris

Es war in der zweiten Klasse in der Grundschule, ich war gerade acht Jahre alt geworden. Es gab da ein Mädchen, sie hieß Damaris und ich war total verschossen in sie. Ich fand sie unglaublich süß und lieb. Vor allem wohl deshalb, weil sie so ziemlich die Einzige in der Klasse war, die sich mit mir beschäftigte und immer sehr freundlich zu mir war. Und sie war wirklich sehr schön, vermutlich war sie es, auf die ich am neidischsten war.

Ich weiß nicht mehr genau, wann im Schuljahr das war und wie es dazu gekommen war, aber eines Tages beschlossen Damaris und ich, auf dem Schulhof in der großen Pause – wohlgemerkt wir waren in der zweiten Klasse, sie war sieben und ich war acht Jahre alt – zu heiraten. In diesem Moment, war ich sehr glücklich.

Leider hielt das nicht sehr lange. Ich glaube am nächsten Tag hatte Damaris das schon wieder vergessen. Aber ich hielt daran noch lange Zeit fest und war überzeugt davon, das Damaris und ich zusammen gehörten. Meine ganze Schulzeit über, bis ich 14 oder 15 war, hielt ich an Damaris fest. Es war eine sehr einseitige „Beziehung“ und spätestens mit neun oder zehn Jahren wusste ich natürlich auch, das wir keine Beziehung hatten. Aber mit 14 oder 15 Jahren, ich weiß leider tatsächlich nicht mehr genau, wann das war und auch nicht, ob es vor oder nach Paris war, schrieb ich einen Liebesbrief an Damaris.

Ich brachte ihn damals selbst zu ihr, klingelte an der Tür und überreichte ihn ihr persönlich. Ich war total aufgeregt und nervös und machte mir sicher beinahe in die Hose, aber ich wollte das jetzt endlich wissen und ein für alle Mal klar stellen, wie ich zu ihr stand.

Nun, was soll ich sagen? Es folgte die wohl allererste Abfuhr, der allererste Korb, den ich bisher bekommen hatte und ich war für den Moment und auch noch Wochen danach am Boden zerstört. Ja, in gewisser Weise trauere ich auch heute noch Damaris hinterher. Denn sie war tatsächlich meine erste, wirkliche und wahre Liebe, auch wenn sie unbeantwortet blieb.

Schulsport, Umkleide – Was bin ich?

Ich weiß leider auch nicht mehr, wann es anfing, das ich mich tatsächlich komplett falsch fühlte. Ich weiß leider nicht mehr, wann es begann das ich wusste das ich ein Mädchen war und kein Junge. Aber es muss aller-spätestens zu Beginn der fünften Klasse angefangen haben, als ich von der Grundschule auf das Gymnasium wechselte. Ich persönlich glaube sogar, das es schon etwas früher, vielleicht mit ungefähr neun oder zehn Jahren, begonnen haben muss, aber kann es nicht mit Sicherheit sagen.

Ich fühlte etwas an mir, was ich nicht beschreiben konnte. Ich merkte, wie ich mich veränderte und ich merkte auch, wie sich meine Mitschüler mir gegenüber anders verhielten.

Ich merkte, das ich Hemmungen bekam. Hemmungen in die Gemeinschaftsumkleide der Jungs in der Turnhalle zu gehen. Ich wusste nicht, wieso. Vermutlich wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht mal, ob das normal ist oder nicht.

Ich wollte mich nicht vor den anderen ausziehen und versteckte mich immer im hintersten Eck der Umkleide, um nicht aufzufallen und meine Ruhe zu haben. Ich weiß noch genau, wie ich die anderen Jungs beobachtete und mich erst auszog, wenn niemand zu mir schaute.

Ich wusste natürlich nicht, warum oder woran es lag, aber ich schämte mich, mich vor den anderen auszuziehen. Ich schämte mich, wenn die anderen Jungs mich in Unterhose oder gar nackt sahen. Ganz besonders schlimm war es dann natürlich beim Schwimmen. Wenn ich vorher wusste, das wir an dem Tag in die Schwimmhalle gehen sollten, zog ich mir meine Badehose schon Zuhause an, so dass ich mich vor den Mitschülern nicht ausziehen musste.

Problematisch und ganz schlimm für mich wurde es dann, wenn die Schulstunde vorbei war und wir alle aus dem Wasser mussten und uns abtrocknen und wieder anziehen mussten.

Immer öfter kam es vor, das man mich nicht in der Mannschaft haben wollte, wenn wir beim Schulsport Völkerball oder Ähnliches spielen sollten.

Ich muss dazu sagen, dass Sport eines meiner Lieblingsfächer neben Mathematik war. Ich war eine absolute Sportskanone, ich war größer als die meisten anderen Jungs in der Klasse und ich war – dadurch das ich mit sieben erst in die Grundschule kam – auch älter als die meisten anderen in der Klasse.

Trotzdem kam es immer häufiger vor, das man mich nicht in die Mannschaften wählen wollte, obwohl ich echt gut werfen und fangen konnte. Ich musste irgendetwas an mir haben, was mich bei den anderen Klassenkameraden als Streber, Weichei, Turnbeutelvergesser abstempelte.

Damals wusste ich noch nicht wirklich, woran das lag und die Klassenkameraden wollten oder konnten es mir damals natürlich auch noch nicht sagen.

Heute weiß ich, das ich damals anfing, mich in meiner Art mich zu bewegen, mich zu unterhalten und zu reden und ja, sogar in der Art zu Laufen, zu verändern. Es war etwas später, ich war gerade mal 11 oder 12 Jahre alt, als einmal ein Junge hässlich kichernd zu mir sagte, ich würde beim Laufen mit dem Arsch wackeln wie ein Mädchen.

Wir wollen Dich nicht, Du gehörst nicht zu uns!

Mit diesen Hemmungen und meinen Veränderungen in meinen Bewegungen und meiner Art zu sprechen, veränderten sich auch meine Mitschüler mir gegenüber. Ich war bis dahin immer ein recht beliebter Mitschüler gewesen, habe mich immer vor die Schwächeren gestellt oder ich wurde auf dem Schulhof gefragt, ob ich mitspielen möchte.

Es kam irgendwann der Moment, auch diesen kann ich zeitlich nicht mehr wirklich einordnen aber ich muss wohl so 11 Jahre alt gewesen sein, vielleicht maximal 12, wo ich mich immer mehr zu den Mädchen hingezogen gefühlt habe. Nicht weil ich sie anziehend oder sexy fand, sondern ich wollte ihr Freund sein und mit ihnen spielen. Es kam der Moment, wo ich mich von den Jungs immer mehr abwandte, weil sie mir einfach auf den Geist gingen mit ihrem Machogehabe, ihren Autos, dem Fußball und Themen wie Roboter oder Science-Fiction.

Ich hörte immer häufiger solche Aussagen wie „Du bist ein Junge, wir wollen Dich nicht bei uns!“, wenn ich mich zu den Mädchen gesellte und mit ihnen „Himmel und Hölle“ spielen wollte oder „Du redest wie ein Mädchen, du Weichei!“, wenn ich zu den Jungs kam und mich zu ihnen setzte.

Es gab auch Situationen, gerade beim Sport, wo ich mich schon automatisch zu den Mädchen hin stellte, wenn wir eine Aufstellung nach Geschlechtern getrennt machen sollten, wenn es hieß heute spielen die Jungs gegen die Mädchen. Natürlich hieß es dann wieder: „Alex, du bist da falsch, stell Dich zu den Jungs!“, was wiederum die Jungs dann dazu veranlasste zu kichern oder auch laut zu stöhnen und mir so klar zu machen, das ich ja eigentlich unerwünscht sei.

Egal wo ich hin kam und mit wem auch immer ich spielen wollte, man wollte mich nicht, weil ich falsch war, weil ich nicht dazu gehörte, weil ich mich anders verhielt als von mir erwartet wurde. Für die Mädchen war ich ein Junge, ein Kerl, der alles andere als mit den Mädchen zusammen Seilhüpfen oder Gummitwist spielen sollte. Für die Jungs war ich viel zu weiblich, zu ruhig, zu verweichlicht, zu streberhaft und verhielt mich viel zu sehr wie ein Mädchen, so das sie mich in ihrer Runde nicht akzeptieren wollten.

Das war dann auch der Zeitpunkt, wo ich begann, mich mehr mit mir selbst zu beschäftigen. Ich war sowieso schon immer extrem introvertiert und verträumt gewesen, völlig ohne jegliches Selbstbewusstsein und diese Situationen, diese Ablehnung die ich von nun an ständig erfuhr, machten es natürlich nicht besser.

Ich saß nur noch in irgendeiner Ecke und träumte vor mich hin oder beobachtete die Anderen Schüler.

Wer bin ich? WAS bin ich???

Diese Momente, wo ich immer wieder Ablehnung erfahren musste und das Gefühl vermittelt bekam, unerwünscht zu sein, einfach falsch zu sein, veranlasste mich dazu – ich muss um die 12 Jahre alt gewesen sein – mich mit mir selbst auseinander zu setzen.

Ich wurde noch viel ruhiger als ich eh schon war und baute innerlich um mich herum eine Art Schutzmauer auf, durch die niemand zu mir hindurch dringen konnte. Das Problem dabei war vor allem, das auch ich selbst nicht mehr heraus kam.

Diese extreme Introvertiertheit, das ständig nur noch vor mich hin träumen, keinen Ton sagend – und selbst wenn mir meine Eltern irgendetwas vorzuwerfen hatten, das völlige und absolute Schweigen und mich nicht einmal mehr verteidigen können, das alles und natürlich auch besorgte Briefe und Berichte aus der Schule oder der Abfall meines Notendurchschnitts, die nachlassenden Leistungen in der Schule, veranlassten meine Eltern sich natürlich auch Sorgen um mich zu machen und mich zu verschiedenste Psychiater und Psychotherapeuten zu schicken.

Diese Therapeuten und Psychologen konnten mir nicht wirklich helfen. Keiner von ihnen fand eine Lösung oder eine Erklärung, was mit mir los war und ich selbst wusste es ja auch nicht wirklich und konnte es ihnen damals noch nicht sagen oder betiteln.

In einer Sache allerdings haben sie mir dann doch geholfen. Es gab diverse Übungen die ich machen sollte um in mich selbst hinein zu horchen, meinen Körper zu fühlen, mich selbst zu erfahren und von innen heraus kennen zu lernen. Ich lernte zu meditieren, ich lernte meinen Blick nach Innen zu richten und ich lernte, mich auch von außen mit anderen Augen, mit den Augen eines Außenstehenden zu betrachten.

Und so kam der Zeitpunkt, wo ich langsam lernte zu verstehen.

Ich merkte, das ich immer mehr wie ein Mädchen empfand und ich lernte, auch durch Aussagen anderer, das ich mich auch mehr wie ein Mädchen verhielt. Ich lernte, das dieses Hingezogen fühlen zu den anderen Mädchen, nichts mit sexueller Neigung zu tun hatte, sondern purer Neid war.

Ich lernte, das ich tatsächlich anders war als die Jungs in meiner Klasse und ich verstand nun endlich auch, warum sie mich nicht wollten – Nun, ich wollte ja auch nicht mit ihnen spielen, weil ich sie einfach als viel zu vulgär und brutal, zu machohaft empfand und mich ihre Themen einfach auch nicht interessierten.

Ich lernte aber genauso, das ich auch anders war als die Mädchen in meiner Klasse und das verwirrte mich sehr. Ich war ungefähr 12 oder 13 Jahre alt und die Pubertät setzte langsam ein. Es gab Mädchen in meiner Klasse, die bereits einen kleinen Busen ausgebildet hatten, Mädchen mit langen, blonden, wunderschönen Haaren und in hübschen Kleidern. Und ich lernte, das mein Körper nicht dem eines dieser Mädchen entsprach.

Ich lernte, das ich ein Mädchen war, ein Mädchen sein musste. Ich lernte zu wissen, das ich ein Mädchen war. Doch ich lernte ebenfalls, dass das Ding das ich da zwischen den Beinen hatte, nicht zu einem Mädchen gehörte.

Die letzten fünf oder sechs Jahre wurde mir immer und immer wieder eingetrichtert, das ich falsch war und weder die Mädchen, noch die Jungs mich wollten.

Nun lernte ich, das ich tatsächlich falsch war, in jeglicher Hinsicht.

Beginn der Pubertät

Die wohl schlimmste Zeit überhaupt, war meine eigene Pubertät. Ich weiß nicht mehr, wann genau sie einsetzte, aber ich muss um die 13 Jahre alt gewesen sein.

Auf einmal wuchsen mir Haare im Gesicht und zwischen den Beinen, unter den Armen. Das Ding dort unten begann ein unheimliches Eigenleben zu entwickeln und ich bekam Akne, wenn auch nicht besonders schlimm. Meine Stimme begann zu brechen und rutschte immer tiefer und die beiden Brüste die ich mir so sehr herbei sehnte… sie wollten und wollten nicht kommen.

Ich begann meinen Körper zu hassen, die Pubertät zu hassen, das Teil zwischen meinen Beinen zu hassen, alles und jeden zu hassen der mich zurückwies und mir das Gefühl vermittelte, falsch zu sein, ich begann mich zu hassen. Und ich gab meinen Eltern die Schuld dafür!

Ja, ich gab meinen Eltern die schuld dafür, obwohl sie sich mir gegenüber immer sehr liebevoll und fürsorglich verhalten haben. Sie hatten sich immer um mich Sorgen gemacht und alles dafür getan, um mir zu helfen. Das mir keiner helfen konnte, war sicher nicht ihre Schuld. Und doch, in meinem jugendlichen Leichtsinn und Unverständnis heraus, hasste ich meine Eltern, weil ich ihnen für alles die Schuld gab.

Die Tatsache das ich adoptiert war und da noch zwei leibliche Söhne, Ansgar und Adrian, waren die später, nach meiner Adoption geboren wurden, tat ihr übriges. Ich war überzeugt davon, das mich meine Eltern nicht liebten, nicht lieben konnten und das sie meine beiden Brüder, also ihre leiblichen Kinder, mir vorzogen.

Die Zeit meiner Pubertät zu beschreiben ist nicht einfach, da dies die Zeit ist, aus der ich sicher am aller meisten verdrängt habe. Fakt ist jedoch, das diese Zeit geprägt war von meinem Hass auf mich selbst und auf meinen Körper und das Unverständnis, wieso sich mein Körper in eine Richtung entwickelte, die ich absolut nicht wollte und für die ich mich sogar sehr schämte.

ACHTUNG: Die folgende Geschichte enthält in Worten pornographisches Material das triggern könnte (Stichwort Sex mit Minderjährigen) oder die Du einfach nicht lesen möchtest. In diesem Fall scrolle bitte direkt weiter zum nächsten Abschnitt (oder klicke hier).

Paris

Ich war gerade 14 Jahre alt und aus mir war etwas geworden, wo man wohl drei Mal hätte hin schauen müssen um mein Geschlecht zu bestimmen. Meine Haare waren Schulter lang und ich trug, wenn ich mich richtig erinnere, eine knall gelbe Daunenjacke mit Fell besetzter Kapuze, eine Haut enge Jeans und Sneaker. Auf den ersten Blick hätte man mich wohl als weiblich klassifiziert.

Auch meine Bewegungen, die Art wie ich mir durch die Haare fuhr oder auch wie ich saß, mit übergeschlagenen Beinen, waren in den letzten ein oder zwei Jahren sehr weiblich geworden.

Zuhause, vor allem in der Schule war mir von anderen Mitschülern schon oft vorgeworfen worden, das ich mich schwul verhalten würde und aussehen würde, wie eine „Tunte“. Wohl auch mit aus diesem Grund war ich seit dem ich 12 oder 13 war, wahrscheinlich das beste Ziel für Mobbing und teilweise auch tätlichen Angriffen.

Es war die Zeit, als ich durch einen Schüleraustausch für ein halbes Jahr nach Paris, bzw. dort in einen Nebenort kam. Meine Eltern dachten, das würde mir helfen, wieder mehr aus mir heraus zu kommen und da ich trotz allem relativ gut in der Schule war und recht gut Französisch sprechen konnte, hatten sie da auch keinerlei Bedenken.

Diese Zeit in Frankreich war eine sehr schöne Zeit für mich und auch wenn ich gleich zu einem Ereignis komme, das Viele sicher als nicht so schön ansehen würden, so war dieses halbe Jahr für mich trotzdem sehr gewinnbringend, was mich selbst anging. Ich lernte, wieder etwas mehr aus mir heraus zu kommen und mehr auf fremde Menschen zu zu gehen.

Natürlich verbesserte sich dadurch mein Französisch auch noch einmal und ich lernte echtes, französisches Frühstück kennen. Wenn ich damals hätte wählen können, ob ich für den Rest meines Lebens solch ein französisches Frühstück mit Butter Croissant, Erdbeermarmelade und einem selbst gemachten Kakao, also echter, geschmolzener Blockschokolade oder ein „deutschen“ Frühstück mit Rührei und Speck haben wollen würde, ich hätte definitiv das französische Frühstück gewählt.

Frankreich war wirklich ein schönes Erlebnis für mich und ich erinnere mich gerne daran zurück.

Es gab Tage, wo ich mit meiner Gastfamilie zusammen unterwegs war um Paris zu erkunden oder andere schöne Orte. Es gab aber auch viele Tage, an denen ich für mich alleine sein konnte. Und diese „nutzte“ ich, um mich in einem Park in der sehr belebten Innenstadt dieses Ortes auf eine Parkbank zu setzen, meinen Walkman an zu machen und einfach nur vor mich hin zu träumen und die Leute um mich herum zu beobachten.

Ich konnte dort wirklich stundenlang sitzen und einfach nur vor mich hin starren. Woran ich dabei dachte weiß ich heute nicht mehr, aber wenn ich mich so zurück erinnere, was für Gedanken so durch meinen Kopf schossen, wenn ich generell irgendwo in der Ecke hockte und träumte, so waren dies entweder sehr traurige, dunkle, düstere oder hasserfüllte Gedanken oder mein Kopf war einfach leer und ich dachte an gar nichts.

Eines Tages, es muss im Oktober oder November 1986 gewesen sein und es war recht kühl geworden, saß ich mal wieder auf dieser einen Parkbank auf der ich die letzten Wochen so oft schon gesessen war und starrte den Leuten hinterher.

Ich saß da bestimmt schon an die zwei Stunden als plötzlich ein Mann von hinten ankam, links um die Parkbank herum ging und sich an das andere Ende der Parkbank, links von mir setzte. Er muss um die 30 Jahre alt gewesen sein, sah sportlich aus und hatte ein nettes Gesicht.

Er saß da wohl an die 10 Minuten, als er plötzlich näher zu mir heran rutschte, bis er direkt neben mir saß. Es dauerte weitere zwei bis drei Minuten, dann legte er auf einmal seine rechte Hand auf mein linkes Knie. Ich zuckte zusammen und schaute ihn kurz an, tat aber nichts, rein gar nichts um mich dem zu entziehen.

Ich hätte einfach aufstehen können, seine Hand weg schubsen können oder ihm auf französisch sagen können, das er das lassen solle. Nein, ich tat gar nichts Dergleichen und wartete einfach auf was da folgen möge.

Seine Hand fühlte sich warm und – ja, sie fühlte sich angenehm an. Ich lehnte mich zurück und tat so, als wäre es das Normalste der Welt, das da eine völlig fremde Hand auf meinem Knie lag. Innerlich, rein innerlich war ich angespannt und fragte mich, was der Typ von mir wollte, obwohl das jetzt schon ziemlich offensichtlich war.

Ich erinnere mich auch noch, das ich mir alle möglichen Gedanken darüber machte, wie ich das was jetzt wohl folgen würde, verhindern könne. Ich dachte an alle möglichen Optionen wie aufspringen und weg rennen, seine Hand weg schubsen und ihn beschimpfen, bis hin, ihn tätlich anzugreifen um mich zu verteidigen.

Doch ich saß einfach nur da, bewegungslos wie ein Puppe und schaute auf die Personen, die durch den Park liefen, so wie ich es die letzten zwei Stunden auch schon gemacht hatte. Ich hatte auch immer noch meinen Walkman am laufen und die Kopfhörer auf den Ohren. Die Musik war relativ leise und ruhig, damals stand ich mehr auf Klassik oder Balladen als auf Hard Rock, so wie heute.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, er sagte auch etwas zu mir. Aber zum Einen hatte ich ihn aufgrund der Kopfhörer und der Musik nicht verstanden und zum Anderen hatte ich sowieso noch arge Probleme, schnell gesprochenes Französisch zu verstehen. Also reagierte ich nicht und saß weiterhin einfach nur bewegungslos da.

Seine Hand lag wohl fünf oder vielleicht auch schon zehn Minuten auf meinem Knie, als ich bemerkte, wie sie plötzlich langsam meinen Oberschenkel entlang und immer mehr Richtung meinem Schritt rutschte.

Ich hielt die Luft an und versteifte mich etwas. Und trotzdem, ich bewegte mich nicht, ich wehrte mich nicht, ich sagte nichts.

Als die Hand in meinem Schritt angekommen war – meine Beine waren noch immer übereinander geschlagen – drückte er mit dem Daumen gegen die Innenseite meines linken Oberschenkels und mit dem Rest der Finger gegen die Innenseite meines rechten Oberschenkels. Natürlich hätte er das alleine so nie geschafft, aber für mich war es ein Zeichen was er wollte – und ich tat es. Ich nahm mein linkes Bein von meinem rechten Bein herunter und stellte beide Beine und Füße parallel auf den Boden.

Mein Blick war weiterhin vor mich hin und beobachtend auf die vorbei kommenden Leute gerichtet und nach außen hin muss ich wohl sehr ruhig, gefasst und vielleicht sogar wollend gewirkt haben. Nach innen sah das jedoch anders aus. Ich hatte keine Angst, ich hatte auch keinen Ekel oder irgendetwas in der Art. Ich war innerlich gespannt wie eine Feder auf das, was da noch kommen mag und wie es wohl weiter geht, wie weit er gehen würde und wie weit ich gehen würde. Und auch wenn ich keine Angst hatte, so rasten dennoch meine Gedanken hin und her.

Ich merkte auf einmal, wie er mit seiner Hand meinen linken Oberschenkel ein wenig zu sich heran zog, so dass sich meine Beine ein wenig öffneten. Dann glitt seine Hand wieder in meinen Schritt und nun auch ungehindert auf die Beule in meiner Hose.

Ich hielt den Walkman die ganze Zeit über in der Hand. Auch vorher schon, die vergangenen zwei Stunden über lag der Walkman entweder neben mir auf der Bank oder er war in meiner Hand, weil ich ab und an vor oder zurück spulte, Pause machte oder zum nächsten Song spulte.

Als ich seine Hand auf der Hose über meiner Beule spürte, merkte ich, wie sich dort, in der Hose etwas regte und ich gefror innerlich, ich schämte mich für diese Reaktion und ich wollte nicht, das er sie bemerkte. Ich weiß nicht mehr ob es Absicht war, oder ob ich mich so sehr verkrampfte, aber plötzlich schnappte die Stop-Taste am Walkman ein und die Musik hörte auf.

Und trotz der Scham, trotz dessen das ich nicht wollte, das er bemerkte wie von innen etwas gegen seine Hand drückte, trotzdem blieb ich sitzen, bewegte mich nicht, schaute ihn nicht an und ließ es einfach geschehen.

Zwischendurch, aus irgendeinem mir unbegreiflichen Impuls heraus, musste ich auf einmal daran denken, wieso er sich überhaupt noch mit mir befasste. Ich sah – zumindest von hinten oder von weitem – aus wie ein Mädchen und trotzdem er nun diese Beule spüren musste, machte er weiter. Das war mir unbegreiflich und ich verstand das auch nicht so wirklich. Er war ein Mann und ich? Nun, ich war ein junger Heranwachsender, der sich sehr weiblich gab, aber zumindest vom Körper her auch eindeutig männlich war. Wieso machte er weiter und forderte mich, bzw. meine Reaktion heraus? Diese Frage führte mich ganz automatisch auch zu der nächsten Frage, die ich mir schon die ganze Zeit über stellte: Wieso stehst Du nicht auf? Wieso rennst Du nicht weg? Mensch Alex, steh auf! Lauf weg!

Doch nein, ich stand nicht auf, zumindest noch nicht. Ich spürte seine Hand durch die Hose auf meinem Glied, auf meiner Beule die immer fester wurde und ich genoss diese Berührung auf einmal!

Er begann mit seiner Hand die Beule zu streicheln und zu massieren, fuhr mir immer wieder zwischen die Beine und drückte sanft. Meine Beine waren nur ein kleines bisschen geöffnet, gerade so, das es nicht auffiel und er mit der Handkante hindurch fahren konnte.

So spielte er mit mir vielleicht 15, maximal 20 Minuten, bis er auf einmal seine Hand zurück zog und aufstand. Ich schaute hoch zu ihm, schaute ihm ins Gesicht und er lächelte auf mich herunter, dann hielt er mir seine Hand hin und ich griff danach.

Innerlich schimpfe ich regelrecht mit mir, was ich da für einen Scheiß machte, wieso ich nicht endlich einfach weg rannte, mein Körper schien jedoch etwas anderes zu wollen.

Ich ließ mich von ihm hoch ziehen, stand auf, packte meinen Walkman in meine Jackentasche, nahm den Kopfhörer ab und stopfte ihn in die andere Jackentasche. Dann sah ich ihn an und er nickte nur. Er drehte sich um und zog mich sanft, nicht brutal oder fordernd, mit sich mit und ich folgte ihm.

Ich war 14 Jahre alt und ich wusste sehr genau dass, wenn ich jetzt mit ihm mit ginge und wir in irgendeiner Wohnung, einem Hotel oder einer Absteige ankamen und hinein gingen, dass es dann um mich geschehen war und ich aus dieser Nummer nicht mehr heraus kam. Ich wusste ebenfalls, dass er dann alles mit mir anstellen konnte, was auch immer er wollte. Und ich wusste auch dass, wenn ich hier jetzt an den falschen Kerl geraten sein sollte, ich entweder im Krankenhaus lande oder im Sarg nach Hause gebracht werden würde.

Trotzdem ging ich mit, trotzdem hielt ich seine Hand fest und folgte ihm und trotzdem wehrte ich mich nicht oder rannte weg. Es war mir völlig egal, ob ich diese Sache überlebte oder nicht. Im Gegenteil, in diesem Moment, in meiner Situation, in meinem Hass mir selbst und meinem Körper gegenüber, war es mir sogar recht, wenn er mir die Arbeit abnehmen sollte.

Kurioser Weise dachte ich in diesem Moment sogar traurig daran, das mein erstes und letztes Mal mit einem wildfremden, französischen Kerl passieren sollte, statt mit einem hübschen Mädchen wie Damaris.

Ich folgte ihm, trabte hinter ihm her, wie ein Lamm seinem Henker zur Schlachtbank folgen würde, bis wir an einem großen Reihenhaus ankamen. Wir waren nicht lange oder weit gelaufen, vielleicht höchstens drei, maximal fünf Minuten. Wir hatten eine Straße überquert und auf der anderen Straßenseite standen verschiedenfarbige, drei-, vier und fünf-stöckige Reihenhäuser. Vor einer Tür eines dieser Häuser blieben wir stehen, er schloss die Tür auf und zog mich dann ins Haus.

In diesem Haus folgte ich ihm zwei Treppen hinauf in den ersten Stock, wo er dann eine Wohnungstür auf schloss. Er zog mich sanft in die Wohnung, gab der Wohnungstür hinter mir einen sachten Schubs, damit sie wieder ins Schloss fiel. Ich sah einen Gang vor mir mit weißen Wänden und mehreren Türen, die von diesem Flur ab gingen. Die Türen waren alle Buche-farben und sie waren alle geschlossen. Er bugsierte mich rechts in das erste Zimmer, führte mich dort ebenfalls rechts zu einem Bett und setzte mich darauf. Ich tat alles wie im Traum, wie eine Puppe ließ ich mich führen, manipulieren, hier hin ziehen und dort hin schubsen.

Als ich mich gesetzt hatte, stand er vor mir und seine Hand kam hoch zu meinem Kragen der Jacke. Er fand den Reißverschluss der Jacke und zog daran. Ich hatte nichts Besseres zu tun, als ihm zu helfen, indem meine eigenen Hände hoch gingen, den Reißverschluss nahmen, die Jacke auf machten und ich mir dann die Jacke auszog, die ich ihm dann reichte.

Daraufhin zeigte er auf die Schuhe die ich ja noch an hatte und sagte mir auf französisch, das ich sie bitte ausziehen solle, was ich natürlich dann auch tat. Als ich damit fertig war, nahm er die Schuhe und stellte sie unter den Stuhl, an dem er die Jacke bereits über die Lehne gehängt hatte.

Das Zimmer war ebenfalls weiß gestrichen und hatte nur ein Fenster rechts von mir. Zu meiner linken neben dem Bett stand ein Stuhl und gerade aus, an der Wand gegenüber, also links von der Zimmertür stand ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Rechts neben dem Tisch stand ein kleiner Kühlschrank. Mehr war nicht in diesem Zimmer. Keine Bilder, keine Blumen, nichts. Nur ein Bett, drei Stühle, ein Tisch und ein Kühlschrank.

Damals wunderte ich mich nicht über diese spartanische Einrichtung. Heute vermute ich, das der Typ öfters irgendwelche Jugendlichen oder jungen Männer mit nach Hause nahm und sich dort in diesem Zimmer dann verwöhnen ließ. So vermied er sicher irgendwelche Beweise oder Erkennungsmerkmale.

Ich saß ruhig auf dem Bett und folgte dem Mann mit meinen Augen. Er kam, nach dem er meine Jacke über einen der Stühle am Tisch gehängt hatte, sich eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank geholt hatte, mich dabei fragend angeschaut hatte und ich darauf hin den Kopf schüttelte, wieder zu mir an das Bett, stellte die Flasche neben dem Bett auf den blanken Holzstuhl und wandte sich dann mir zu.

Er stellte sich vor mich hin, bückte sich und zog mich sanft zu sich hoch. Ich stand auf und ließ es geschehen, das er mich an sich drückte und er mir einen Kuss gab. Nach diesem ersten, prüfenden Kuss, schob er seine Zunge zwischen meine Lippen, die ich daraufhin leicht öffnete.

Seine Zunge drang in meinen Mund ein und, obwohl ich noch nie einen Zungenkuss vorher gehabt hatte, merkte ich, das seine Zunge ziemlich fordernd durch meinen Mund fuhr. Sie drang tief in meinen Mund ein, fuhr mir über die Zähne und über meine eigene Zunge, die ich daraufhin ebenfalls bewegte.

Während er mich so küsste, bemerkte ich, wie sich seine Hände meiner Hose näherten. Er öffnete flink und geschickt den Knopf oben am Bund und zog dann den Reißverschluss herunter. Da ich eine Skinny Jeans an hatte, rutschte sie nicht von selbst herunter, sondern blieb an ihrem Platz, was ihn dazu veranlasste, mit beiden Händen vorsichtig am Bund nach unten zu ziehen, wodurch sie dann auch ein Stück nach unten rutschte.

Er zog sie mir noch nicht ganz aus, sondern ließ dann von der Hose ab. Doch ich bemerkte, während er mich immer noch küsste und seine Zunge wild durch meinen Mund fuhr, wie sich eine Hand auf die Beule auf meiner Unterhose legte.

Ich zuckte ganz leicht zurück, doch die andere Hand lag in meinem Rücken und mit dieser drückte er mich wieder zu sich heran, während die erste Hand begann, die Beule zu streicheln. Und wieder passierte das, wofür ich mich zuvor im Park schon geschämt hatte, mein Glied reagierte auf die Berührung, schwoll an, drückte gegen die Unterhose und damit auch gegen seine Hand.

Der Mann ließ endlich von mir ab, seine Zunge zog sich aus meinem Mund zurück und auch seine Hand verschwand. Ich machte die Augen wieder auf, doch da merkte ich schon, wie er mich wieder auf das Bett drückte. Ich setzte mich gehorsam hin und sah ihn an.

Er bückte sich zu mir herunter und zog mir die Hose, am oberen Bund nach unten schiebend und dann am Hosenbein ziehend, aus. Die Hose legte er über den gleichen Stuhl, an dem die Jacke bereits hing und dann kam er wieder zu mir und zog mir meinen Pulli von unten über den Kopf. Auch diesen legte er dann auf den Stuhl über die Hose.

Da saß ich nun, nur noch im T-Shirt, Unterhose und Socken, mit einer Beule in der Hose und sah zu ihm hoch.

Er bückte sich abermals und zog mir das T-Shirt über den Kopf, dann zeigte er auf meinen Schoß und auf meine Füße und sah mich lächelnd an. Darauf hin zog ich mir selbst die Socken aus.

Nur noch in der Unterhose auf dem Bett sitzend, schaute ich dem Mann hinterher, wie er auch meine Socken säuberlich auf den Stuhl legte und wieder zurück kam. Er zeigte nochmal auf meinen Schoß und lächelte mich an, es war ein freundliches, sanftes Lächeln, das mir gefiel.

Ich begann, mir langsam die Unterhose auszuziehen, wobei ich darauf achtete, das mein Glied zwischen meinen Beinen eingeklemmt war. Als ich die Unterhose dann nach unten und über die Füße zog, presste ich meine Beine zusammen. Ich schämte mich immer noch für die Reaktion meines Glieds und obwohl ich ganz genau wusste, was der Mann von mir wollte und was jetzt kommen würde, wollte ich nicht, das er das Ding sieht.

Während ich mir die Unterhose auszog, begann der Mann bereits, sich selbst aus zu ziehen. Er begann mit seinen Schuhen und Socken, machte bei der Hose weiter, zog sich ebenfalls Pulli und T-Shirt aus und zog sich dann auch völlig ungeniert die Unterhose aus. Jedes Teil seiner Kleidung legte er genau so sorgfältig auf den anderen Stuhl neben dem Tisch gegenüber an der Wand. Ich glaube, ich habe nur für meine Unterhose etwa genau so lange gebraucht, wie er für seine ganze Kleidung.

Als er zu mir zurück an das Bett kam, war er vollständig nackt, genau wie ich.

Ich habe dieses eine Bild, so genau und detailliert vor Augen, als wäre das Ganze erst gestern passiert. Dieses Bild wie er vor mir stand, ich auf dem Bett sitzend, sein rasiertes Glied halb erigiert direkt in Gesichtshöhe vor mir baumelnd.

Er kam näher an mich heran, eines seiner Knie schob er fordernd aber nicht brutal zwischen meine Knie, so dass ich meine Beine etwas öffnen musste. Er zwängte auch das andere Knie zwischen meine Beine, so dass er direkt, zwischen meinen Beinen vor mir stand, sein Ding nur noch maximal 10 Zentimeter von mir entfernt.

Ich hatte noch immer keine Angst. Die ganze Zeit über hatte ich keine Angst, viel mehr Neugier. Ich kam mir vor, als ob ich neben mir stand, mich und ihn von außen beobachtete, wie bei einem Film den ich mir anschaute.

Ich senkte meinen Blick von seinen Augen hinunter zu seinem Glied und ich sah, wie es pulsierte und sich langsam weiter aufrichtete. Er war eigentlich sogar recht schön. Er war gerade und gleichmäßig gewachsen, beschnitten und mit einer großen, glänzenden Eichel.

Ich ertappte mich dabei, wie ich diesen Schwanz mit meinem Eigenen verglich und machte durchaus Ähnlichkeiten aus. Dieser Gedanke, dieses Vergleichen sorgte bei mir unwillkürlich für eine Reaktion und ich merkte, wie er begann sich ebenfalls langsam auf zu richten.

Der oder die geneigte Leser*in wird sich sicherlich fragen, wieso ich keine Angst hatte, wieso ich neugierig war und wieso es für mich kein Problem war, in den nächsten paar Sekunden wohl meinen ersten Sex mit einem wildfremden Mann zu haben.

Ich sah mich selbst, seit dem ich mindestens neu oder zehn war, als Mädchen, nicht als Junge. Wer oben aufmerksam gelesen hat weiß, das ich meinen eigenen Körper hasste, mich hasste und mich für total falsch hielt. Ich wusste tief in mir drin, ich war ein Mädchen und dieses Wissen konnte von nichts und niemandem geändert oder verändert werden. Es war meine eigene Geschlechtsidentität, mein Geschlechtswissen.

Und so erkläre ich es mir selbst zumindest, das ich dem Sex mit diesem Mann beinahe erwartungsvoll und neugierig entgegen gesehen habe. Ich habe freilich keine Ahnung, wie ich reagiert hätte, wenn es eine Frau gewesen wäre statt einem Mann. Aber da ich einige Jahre später selbst an mir gemerkt habe das ich pansexuell bin, mir also das Geschlecht mit dem ich mich abgebe völlig egal ist, glaube ich, das auch das für mich kein Problem gewesen wäre.

Viel mehr verwundert es mich selbst – und schockiert mich auch heute noch, wenn ich darüber nach denke – das ich überhaupt so ruhig war und weder weggelaufen bin, noch mich irgendwie geweigert oder gewehrt habe.

Was mich ebenfalls selbst verwunderte und gleichfalls schockierte ist die Tatsache, das mein Glied so sehr reagiert hat, auf diesen Mann und die Gedanken die ich hatte, reagiert hat. Schließlich hasste ich das Teil, mein eigenes Teil und wollte damit sicher keinen Sex machen oder es in irgendeiner Art und Weise selbst berühren. Aber wie sagt man so schön? Ein Penis hat wohl seinen eigenen Kopf.

Er stand also vor mir, sein inzwischen fast voll erigiertes Glied direkt vor meinem Kopf, keine 10 Zentimeter mehr entfernt. Er tat sonst nichts, er stand nur so da und schien zu warten.

Mein Gott, ich war 14! Ich wusste natürlich nicht, was er von mir wollte. Und doch tat ich wohl instinktiv das Richtige. Ich lehnte mich etwas vor und legte meinen Kopf, meine Wange an sein Glied. Ich kuschelte, schmuste mit dem Ding. Er legte seine Hand auf meinen Kopf und streichelte mir durch die Haare.

So verging eine, zwei Minuten und mir gefiel es. Ich überlegte fieberhaft, was ich als nächstes wohl tun sollte. Ich wusste natürlich, wie Sex funktioniert. Ich wusste natürlich auch, wie ein Blowjob funktioniert, auch wenn ich beides selbst noch nie gemacht hatte. Aber in dem Alter bekommt man so Vieles mit.

Ich möchte die geneigte Leserin oder den geneigten Leser nicht mit noch mehr Details langweilen. Jede*r von uns weiß, wie Sex funktioniert. In der Kurzfassung ganz schnell erklärt:

Ich nahm ihn kurz darauf in den Mund und begann ihn zu lecken. Schlussendlich drückte der Mann mich nach hinten auf das Bett und drang vorsichtig in mich ein, während ich bereitwillig meine Beine weit spreizte und nach oben streckte. Er hatte sein Glied kurz vor dem Eindringen noch mit einem Gleitmittel eingerieben, das er unter dem Bett hervorgeholt hatte.

Es folgten mindestens anderthalb oder zwei Stunden, wo wir Sex machten. Vorwiegend natürlich Anal-Sex aber genauso leckte ich ihn mehrmals, und er leckte auch mich mehrmals. Es war ganz normaler, vorsichtiger, keineswegs brutaler oder zwanghafter Sex und ja, ich mochte es, ich genoss es.

Irgendwann, nach zwei oder zweieinhalb Stunden hatte er keine Lust mehr auf mich und ließ von mir ab. Ich schaute auf die Uhr und sprang wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett, zog mich an, schnappte meine Jacke, warf dem Mann auf dem Bett noch einen Blick zu, ich bin mir sogar sicher das ich ihn anlächelte und verließ hastig das Haus.

Ich habe niemals jemandem von diesem Erlebnis erzählt – bis vor ca. anderthalb Jahren, als ich dieses Erlebnis meiner begleitenden Psychotherapeutin gegenüber andeutete. Seit dem habe ich es öfters mal auch anderen mir sehr lieben Menschen gegenüber angesprochen, aber nie im Detail erzählt. Das ich hier jetzt das so genau und detailliert erzählt habe, ist das aller erste Mal.

Als ich nach Hause kam, zu meinen Eltern nach Deutschland zurück kam, verschwieg ich auch ihnen gegenüber dieses Erlebnis und tat als sei nie irgend etwas gewesen.

In mir drin hat dieses Erlebnis aber einiges angerichtet und verändert. So war ich mir zum Beispiel, auch wenn ich dabei Sex mit meinem eigenen Glied gemacht habe, noch sehr viel sicherer ein Mädchen zu sein, als vorher, alleine aufgrund der Tatsache, das es mir sehr gefallen hat diesen Mann sexuell zu verwöhnen.

Etwas anderes ist mir im Nachhinein etwas später erst bewusst geworden, nachdem ich dann schon weitere Erfahrungen mit Sex gemacht hatte. Ich war vermutlich durch dieses Erlebnis – aber vielleicht liegt es auch einfach in meiner Natur – extrem devot geworden. Ich lebte nur noch dafür, meine Partnerin oder meine Partner bedingungslos und absolut hingebungsvoll zu verwöhnen.

Diese Devotheit, diese Sehnsucht mich zu unterwerfen und bedingungslos zu dienen und zu verwöhnen, ist mir bis heute geblieben.

Dieses Erlebnis hat aber auch noch etwas anderes in mir ausgelöst. Eine Art Verzweiflung, nie das Mädchen sein zu können, das ich war und bin. Eine sehr große, tiefe Verzweiflung und eine Gewissheit, einfach falsch zu sein und in diesem falschen Körper fest zu stecken.

Ab diesem Zeitpunkt bekam ich dann diese extrem furchtbaren Depressionen.

Eine Disko auf einem Campingplatz in Istrien (Jugoslavien)

Es gab ein weiteres, sehr prägendes Erlebnis in diesem Alter für mich. Meine Eltern, mein anderthalb Jahre jüngerer Bruder Ansgar und mein 10 Jahre jüngerer Bruder Adrian und ich waren irgendwann zu dieser Zeit (+/- max. ein Jahr) in Jugoslawien (Istrien) im Urlaub. Es gab dort eine ausgeprägte Landzunge und eine große Meeresbucht, wo der Campingplatz war. In diesem Urlaub lernte ich Wasserski fahren (oder laufen?). Neben dem Campingplatz gab es eine Diskothek, wo Ansgar und ich ab und zu am Abend dann waren.

Eines Abends, wieder in dieser Disko, rempelte ich aus Versehen einen mindestens drei oder vier Jahre älteren Jugoslaven auf der Tanzfläche leicht an. Dieser beschwerte sich lautstark und drohte mir. Ich blieb ganz ruhig, entschuldigte mich und zog mich wie immer zurück. Ich saß den restlichen Abend nur noch am Rand und schaute den Tanzenden zu. Als es dann Zeit wurde zu gehen, zum Zelt und Wohnmobil zurück zu gehen, sah ich diesen Jugoslaven schon am Ausgang der Disko stehen, zusammen mit drei weiteren Freunden, alle etwa mindestens drei Jahre älter als ich.

Ich nahm meinen kleineren Bruder Ansgar auf die Seite und sagte ihm, das wenn irgendetwas wäre, er sofort Richtung Wohnmobil unserer Eltern losrennen sollte und ja nicht stehen bleiben sollte. So gingen wir dann zum Ausgang der Diskothek, hinaus auf den Parkplatz und wandten uns dann Richtung Campingplatz. Ich hörte, ohne mich umzudrehen, dass die vier Jugoslaven uns folgten. Plötzlich bekam ich einen Tritt in den Rücken, der mich taumeln ließ aber ich ging nicht zu Boden. Ich gab Ansgar einen Stoß und sagte nur “renn”, dann drehte ich mich um.

Die vier Jugoslaven begannen auf mich einzuschlagen und mich zu treten, bis ich irgendwann zu Boden ging. Auch da traten sie noch mehrmals auf mich ein, bis sie von mir abließen und abhauten.

Das Erschreckende für mich daran im Nachhinein war nicht so sehr die Brutalität der Jugoslaven an diesem Abend, sondern die Tatsache, das ich einfach nur da stand und mich nicht gewehrt hatte. Ich stand da und kassierte die Prügel und Tritte ohne auch nur einen Mucks zu machen oder einen Ton zu sagen.

Dieses Erlebnis machte etwas mit mir, das, wäre es nicht passiert, mich meinen Weg zur Frau wohl schon zu diesem Zeitpunkt hätte starten lassen. Ich wurde zum Mann – oder zumindest versuchte ich ab diesem Zeitpunkt krampfhaft, dem Bild eines jungen Mannes zu entsprechen, obwohl ich innerlich immer wusste, das ich das nicht war, nicht sein wollte.

Ich begann exzessiv Sport zu treiben, trat dem Schulsportverein Wilhelmsdorf bei und verschrieb mich der Leichtathletik, dem 4-Kampf (100m-Sprint, Weitsprung, Hochsprung und Kugelstoßen). Ich machte Wettkämpfe mit und kassierte eine Medaille oder Urkunde nach der Anderen. Später im Alter von 17 Jahren wurde ich so sogar Deutscher Junioren Vize Meister im Hochsprung und Dritter im 100m-Sprint bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin.

(M)ein Glied, ein Teppichmesser und ich

Ich war ungefähr 16 Jahre alt, als mich eines Tages, aus welchem Grund auch immer, meine Depressionen im falschen Körper gefangen zu sein so sehr plagten, das ich wohl meinem Leben ein Ende gesetzt hätte, wenn ich nicht auf eine andere Idee gekommen wäre.

Ich nahm mir ein Teppichmesser aus einer Werkzeugkiste meines Vaters, ging in mein Zimmer und schloss mich dort ein. Dann zog ich meine Hose und Unterhose herunter und setzte mich auf die Bettkante.

Ich kann mich leider nicht mehr genau an diese Szene erinnern, aber ich weiß, dass ich dort auf der Bettkante saß und vor lauter Verzweiflung geheult habe, wie ich noch nie in meinem Leben geweint habe.

Warum ich dann das Teppichmesser doch nicht angesetzt habe und den endgültigen Schnitt doch nicht gewagt habe, weiß ich heute leider nicht mehr. Vermutlich hatte ich einfach viel zu viel Angst vor den Konsequenzen, vor dem vielen Blut und… vor dem Tod.

Der Versuch, mich als Mann zu bestätigen?

Mitte 1991, ich hatte das Gymnasium nach der 10. Klasse verlassen und war inzwischen 19 Jahre alt, kam ich über diverse Umwege über Konstanz, Kempten und Kehl nach Ulm. Ich hatte meine erste Lehre direkt nach der Schule zum Elektroinstallateur nach etwas mehr als einem halben Jahr wieder abgebrochen, weil dieser Beruf einfach nichts für mich war. Zudem hatte ich mit einigen Kollegen auch private Probleme, da sie mich wohl nicht als vollwertigen Kerl ansahen und der Meinung waren, ich gehöre nicht auf eine Baustelle.

Nach dem Abbruch der Lehre hielt mich auch Zuhause nichts mehr. Ich zog aus meinem Elternhaus in einer sehr eiligen Aktion aus – eine meiner vielen, vielen Kurzschluss-Aktionen die ich heute, mit 45 Jahren und deutlich mehr Erfahrung sehr bereue.

Ich kam zuerst nach Konstanz wo ich Silke Helene kennen lernte, die ich drei oder vier Monate später dann sogar standesamtlich in Konstanz geheiratet habe. Ich nahm durch diese Heirat den Nachnamen meiner Frau an und hieß von da an dann Alexander Michael Mieland.

Kurz nach der Heirat zogen wir gemeinsam nach Kehl am Rhein, wo die Ehe dann aber leider sehr schnell, schon Mitte 1992 wieder zerbrach, zum Einen einfach wegen fehlenden Zärtlichkeiten und fehlender Zuneigung von seitens meiner Frau aber auch vor allem an der Tatsache, das meine Frau völlig sinn- und hoffnungslos in Neil Tennant, den Sänger der Pet Shop Boys verschossen war. Im November 1994 war dann auch die Scheidung durch.

Die falschen Freunde – Körper “Kunst”?

Diese Trennung von Silke, meiner damaligen Frau, warf mich in ein sehr tiefes, dunkles Loch aus dem ich so einfach nicht mehr heraus kam. Es folgten ein Suicid-Versuch und viele, viele Liebschaften und One-Night-Stands mit völlig zufällig getroffenen Personen, egal welchen Geschlechts.

Über diverse Umwege über Würzburg kam ich dann nach Ulm wo ich erst mal auf der Straße saß und unter den Brücken lebte. Zu diesem Zeitpunkt machte mir das aber auch nichts aus, da ich sowieso mit mir und meinem Leben abgeschlossen hatte. Ich war frustriert und hatte mich aufgegeben. Ich lernte im Laufe dieser Zeit Menschen kennen, die nicht gut für mich waren und die mich immer weiter nach unten zogen, ohne das ich es selbst merkte. Hinzu kamen dann diverse Drogen mit denen ich Bekanntschaft machte.

Ich lernte in dieser Zeit, wie man sich eine Tattoomaschine selbst baut, aus einem Kassettenrekorder-Motor, einer Kugelschreiber-Hülse, einem Feuerzeugventil und einer angefeilten Nähnadel. Ich begann in dieser Zeit meinen Körper mit Tattoos zu verschlimmbessern, immer in der Hoffnung das ich dadurch vielleicht lernen würde, ihn zu akzeptieren oder zu lieben. Der Höhepunkt dieser Aktionen war ein Tattoo mit dem fetten Schriftzug “LOVE ME” auf meinem Penisschaft. Natürlich hat auch das in keinster Weise geholfen, mit diesem Körper zurecht zu kommen.

Ich war mir selbst nicht sicher, wer oder was ich war und das merkte man mir auch an an meinem Verhalten und wie ich mit meiner Sexualität umging. Ich empfand beim Sex keine oder kaum Lust, sondern ich sah es als notwendiges Übel an, meine wahllosen und vielfältigen Partnerinnen oder Partner zu befriedigen. Andererseits war ich schon immer extrem sensibel und feinfühlig gewesen und liebte meine Partnerinnen und Partner immer über alles und mit jeder Faser meines Körpers. Ich sah alle Frauen beinahe wie Göttinnen an und wünschte mir immer mehr so zu sein, wie sie. Um diesem Ziel näher zu kommen ließ ich mich mit Männern ein, die sich von mir verwöhnen ließen und alles von mir verlangten, ohne eine Gegenleistung zu geben. Ich ordnete mich immer unter, zeigte meine devote Art ganz offen und tat alles, das es meinen Partnerinnen und Partnern gut ging, ohne darauf zu achten, wie es mir selbst dabei ging.

Ich auf Bewährung? Oder die letzte Chance

Irgendwann in 1993 sagte ich zu mir selbst, das es so nicht weiter gehen könne. Ich weiß nicht mehr, was dafür ausschlaggebend war, vermutlich mal wieder eine Liebe die in einer großen Enttäuschung endete.

Ich trat mir selbst in den Arsch und versuchte auf einmal alles, um aus diesem Sumpf der Drogen und der Vagabunderei wieder heraus zu kommen, was absolut nicht einfach war. Das Problem ist hier, dass man keine Arbeit ohne eine Wohnung bekommt und keine Wohnung ohne Arbeit bekommt. Ein Teufelskreis aus dem nur ein verschwindend geringer Prozentsatz Derer die auf der Straße sitzen, wieder heraus kommt.

Ich wandte mich an das Arbeitsamt und fand eine Sachbearbeiterin, die sehr nett und hilfsbereit war. Diese Sachbearbeiterin hatte eine Bekannte, die das Bewährungsheim im Donautal leitete, ein Heim für straffällig gewordene Jugendliche, die auf Bewährung waren. Hier war ein Zimmer frei und ich wurde dort als Übergangslösung untergebracht. Endlich hatte ich wieder eine Postadresse, einen festen Wohnsitz und konnte mir von dort aus eine neue Ausbildungsstelle suchen.

Ich fand eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann für Unterhaltungselektronik, ein Beruf der mich eigentlich nicht interessierte. Aber ich beschloss diesen durch zu ziehen, komme was da wolle. Ich musste zuerst ein unentgeltliches Praktikum von einem Jahr Dauer absolvieren, eine Voraussetzung um die Lehre dort beginnen zu dürfen. In dieser Zeit lebte ich nur von ein paar wenigen Mark im Monat, die ich vom Sozialamt bekam. Aber ich zog es durch und durfte dann Mitte 1994 die Ausbildungsstelle antreten.

Etwa zur gleichen Zeit als ich nach dem Praktikum dann die Ausbildung in der Firma begonnen hatte, geschah etwas, was mich völlig aus der Bahn warf.

ACHTUNG: Das folgende Erlebnis enthält in Worten teilweise sehr brutale und pornographische Inhalte und Äusserungen die triggern könnten (Stichwort Vergewaltigung) oder die Du einfach nicht lesen möchtest. In diesem Fall scrolle bitte gleich zum nächsten Punkt hinunter (oder klicke hier).

Mein ganz persönlicher Albtraum

Man muss sich vorstellen, in diesem Bewährungsheim hatten straffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene je ein Zimmer das ihnen “gehörte” und sie lebten dort in betreutem Wohnen. Es gab da Jugendliche und junge Erwachsene, die wirklich furchteinflössend waren, wahre Schränke von tätowierten Kerlen und dazwischen ich, ein, vom Aussehen her “junger Mann”, der sich nicht nur im Verhalten und im Auftreten deutlich von diesen Männern unterschied.

Ich war inzwischen in meinem Verhalten und wie ich mich kleidete ziemlich weiblich geworden. Ich trug jetzt natürlich keine Röcke oder Kleider, aber Skinny Jeans, Sneaker, viel pink oder rosa und meine Haare waren schon wieder recht lang geworden, außerdem achtete ich sehr pingelig auf Hygiene und mein Äußeres an sich. So duschte ich täglich, cremte mein Gesicht ein, zupfte meine Augenbrauen und achtete sehr penibel darauf, jedes einzelne Stoppelhaar beim rasieren sehr gründlich zu erwischen. Mal ganz abgesehen davon, das ich mich schon immer, bzw. seit meiner Pubertät als die Haare an gewissen anderen Stellen begannen zu sprießen, ganzkörper-rasiert habe.

Im krassen Gegensatz dazu bestand die Belegung des Bewährungsheims in dem ich vorübergehend untergebracht war, durchwegs aus Kerlen die sehr grobschlächtig waren, sehr vulgär und jetzt auch nicht sonderlich auf Hygiene bedacht waren. Es waren eben straffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene, die auf Bewährung waren, teilweise selbst natürlich eine harte Zeit durchgemacht hatten, vielleicht auch jahrelang auf der Straße gelebt hatten und entsprechend verhielten sie sich auch.

Kurz gesagt, ich versuchte mit diesen Leuten so wenig wie möglich in Kontakt zu kommen, schloss mich immer in mein Zimmer ein, wenn ich vom Praktikum oder von der Ausbildung dann “nach Hause” kam und ging Jedem aus dem Weg.

Doch dann geschah eines Tages etwas, was mich beinahe umgebracht hätte, aber zumindest sehr Vieles in mir, in meiner Psyche kaputt gemacht hat. Vermutlich habe ich vor allem aufgrund dieses Ereignisses Borderline entwickelt, wenn ich es nicht eh schon vorher hatte.

Im Nachhinein muss ich sagen, das sich in den Tagen und Wochen vor dem Ereignis irgendetwas schon im Vorfeld angekündigt hatte, aber das es zu einer wirklich brutalen Vergewaltigung kommt, damit hätte niemand rechnen können, am allerwenigsten ich selbst.

Das “Problem” war, das es in diesem Bewährungsheim einen Speisesaal hatte, wo alle zu gewissen Tageszeiten aufeinander trafen um zu essen. Und ich war davon natürlich nicht ausgenommen. Und so musste ich morgens zum Frühstück und Abends beim Abendessen mit diesen jungen Männern zusammen in diesem Speisesaal essen und konnte ihnen in dieser Zeit kaum oder so gut wie gar nicht aus dem Weg gehen.

Hier gab es beinahe jeden Tag irgendwelche Konflikte, etwas seltener sogar auch Prügeleien. Mal schmiss hier jemand sein Essen durch die Gegend und dort machte jemand jemand anderen blöd an und es folgte eine Rangelei, bis eine der Betreuerinnen dazwischen ging.

Immer wieder kam es hier in diesem Speisesaal natürlich dann auch vor, das ich das Ziel von irgendwelchen fiesen Attacken oder auch Mobbing wurde. Und wenn das der Fall war, saß ich einfach nur still da und versuchte nicht zu reagieren, was den Angreifer dann noch wütender machte. Beliebt war ich dort sowieso nicht, was vielleicht sogar nachvollziehbar war. Ich, das “Muttersöhnchen”, das sich wie eine Tunte benahm und dort die Jugendlichen, die es gewohnt waren, auf der Straße zu überleben und andere fertig zu machen.

Eines Abends – ich hatte mein einjähriges, unentgeltliches Praktikum erfolgreich abgeschlossen und hatte erst zwei oder drei Monate vorher meine Ausbildung in dem Betrieb begonnen, für die das Praktikum ja Voraussetzung gewesen war – kam ich dort im Bewährungsheim nach der Arbeit an und ging wie jeden Abend direkt auf mein Zimmer, das ich mir so schön wie möglich selbst eingerichtet hatte.

Ich weiß heute gar nicht mehr, ob ich vergessen hatte, mein Zimmer von innen abzuschließen oder ob sie die Tür aufgebrochen haben, jedenfalls kamen plötzlich drei dieser Kerle zu mir ins Zimmer. Ich kannte sie alle drei, schließlich waren in diesem Bewährungsheim gar nicht so viele Leute untergebracht und man traf sich ja jeden Tag auch mal im Speisesaal oder man stieß in den Gängen auf den Einen oder Anderen.

Ich war gerade mit dem Duschen fertig gewesen und hatte mir einen Trainingsanzug angezogen. Ich saß auf einem einfachen Holzstuhl mit einer Lehne und wollte mir gerade ein paar dicke Wollsocken anziehen die ich abends immer trug, wenn ich mich nach dem duschen auf mein Bett kuschelte um fern zu sehen. Meine Haare, die inzwischen deutlich über Schulterlang waren, waren noch feucht und klebten mir im Gesicht, als ich mich aus der vornübergebeugten Position wieder aufrichtete um zu sehen wer da in mein Zimmer kam.

So schnell konnte ich gar nicht reagieren, da stand einer der Drei schon hinter mir und gerade als ich vom Stuhl aufstehen wollte, drückte er mich wieder runter und bog mir beide Arme nach hinten um die Stuhllehne und hielt sie fest. Die anderen Beiden standen vor mir und grinsten.

Ich war zuerst total schockiert und erstarrt und wagte kaum zu atmen, bis ich dann endlich einen Ton heraus brachte und fragte, was das soll und was sie mit mir vorhaben. Einer der Beiden vor mir lachte nur und begann, den Reißverschluss seiner Hose auf zu machen und dann sein halb erigiertes Glied heraus zu holen.

Ich versuchte mich halbherzig aus dem Klammergriff der meine beiden Arme hinten fest hielt zu befreien, wusste ich doch sowieso schon, das ich da keine Chance hatte.

Der Kerl, der vor mir stand und seine Hose aufgemacht hatte, kam langsam auf mich zu. Er hielt sein Glied in der Hand und begann vor meinem Gesicht seine Vorhaut zurück zu ziehen. Ich sah die glänzende Eichel vor meinen Augen und der Schwanz wurde hart. Er stellte sich so über mich, das meine Knie zwischen seinen Beinen waren. Gleichzeitig drückte er seine Beine zusammen, damit ich nicht die Möglichkeit hatte meine Knie nach oben zu rammen, wobei ich ihn so wohl sowieso nicht erreicht hätte.

Er drückte seinen Schwanz, seine Eichel gegen meinen Mund und rieb sie an meinen Lippen hin und her. Zuerst weigerte ich mich meinen Mund auf zu machen, doch eine saftige Ohrfeige, die meinen Kopf zur Seite wirbeln ließ, belehrte mich dann eines Besseren, also öffnete ich meinen Mund. Er schob sein Ding zwischen meine Lippen und ich öffnete den Mund noch weiter um ihn ganz aufzunehmen. Dies veranlasste ihn dazu, sein Teil ganz rein zu schieben und ich bekam einen Würgereiz und zuckte mit dem Kopf nach hinten um nicht brechen zu müssen. Es folgte ein kurzer Lacher von hinter mir.

Er drang immer wieder sehr tief in meinen Mund ein, schob ihn bis zum Anschlag, zog ihn wieder heraus und drückte ihn wieder herein. Irgendwann sagte einer, ich glaube es war der, der gerade sein Ding in meinem Mund hatte: “Verwöhn ihn richtig! Benutz die Zunge! Dafür bist Du schwule Drecksschlampe doch hier!”

Nun, mir blieb nichts anderes übrig, denn nach einem kurzem Kopfschütteln meinerseits und einem Herausziehen des Glieds aus meinem Mund und einem Faustschlag in die Magengrube, bei dem mir fast schwarz vor Augen wurde, hatte ich keine Lust mehr, noch mehr Schläge einzukassieren. Er schob also sein Glied wieder zwischen meine Lippen und ich begann meine Zunge zu benutzen und das Teil so gut es mir möglich war zu verwöhnen.

Aus den Augenwinkeln sah ich, wie der zweite der vor mir stand – leicht versetzt hinter dem, der mich gerade bearbeitete – dann ebenfalls seine Hose aufmachte und sein Ding heraus holte. Mir wurde beinahe schlecht bei dem Gedanken was mir wohl bevorstand und mir traten die Tränen in die Augen.

Ich möchte hier das nun gerne abkürzen und nicht weiter so sehr ins Detail gehen. Es war jedenfalls ganz und gar nicht schön, sondern sehr brutal, schmerzhaft und erniedrigend.

Nachdem der Erste mir dann irgendwann in den Mund gespritzt hatte, war es an der Zeit für die anderen Beiden, dran zu kommen. Man befahl mir aufzustehen, mich vornüber zu beugen und mich mit den Händen auf der Sitzfläche des Stuhls abzustützen. Der, der bisher hinter dem Stuhl war und mich nur festgehalten hatte, machte nun ebenfalls seine Hose auf und holte sein Teil raus.

Was jetzt kam, war wirklich das schmerzhafteste, was ich bisher in meinem Leben erleben musste. Ohne Gleitgel oder ähnlichen versuchte einer, nachdem er mir die Trainingshose herunter gezogen hatte, von hinten in mich einzudringen und war dabei sicher nicht sanft. Da es nicht klappte, sollte ich mich umdrehen und ihn nass lecken, was ich notgedrungen dann auch tat, schließlich musste ich mich wieder umdrehen, abstützen und meinen Po hinhalten, während von vorne der Erste der mich bisher festgehalten hatte, sein Ding in meinen Mund schob. Der hinter mir drückte seinen Schwanz fest und brutal in mich hinein und ich dachte es zerreißt mich, während der vor mir, meinen Mund fickte und seinen Spaß hatte.

Es folgten ungefähr 20 oder 30 weitere Minuten dieses Martyriums, und zum Schluss liessen sich alle noch mal ihren Schwanz von mir nacheinander lecken, bis jeder von ihnen in meinen Mund gespritzt hatte.

Dann zogen sie sich an, drohten mir noch mit viel schlimmeren Sachen, wenn ich auch nur ein Wort von dem verraten würde was passiert war und gingen lachend aus meinem Zimmer während ich, auf dem Boden kniend langsam meine Beine vor schob und so in eine sitzende Position kam und leise vor mich hin heulte.

Irgendwann während ich da so saß, bemerkte ich einen starken Eisen-Geschmack im Mund, der aber wohl auch schon vorher da gewesen sein musste. Denn durch die erste Ohrfeige war wohl meine Unterlippe aufgeplatzt. Ich stand langsam auf und merkte dabei, wie mein Anus brannte und weh tat. Auch hier war wohl irgendwas kaputt gegangen, was sich später dann auf der Toilette auch bestätigte, als ich das Blut auf dem Toilettenpapier sah.

Ich zog meine Trainingshose wieder hoch, nahm wie automatisch mein Duschgel und ein Handtuch und ging – nochmal – duschen. Die Duschen befanden sich in einem großen Gemeinschaftsbad, wobei jede der drei oder vier Duschkabinen – glücklicherweise – durch Wände von den Blicken Anderer abgetrennt war.

Ich verbrachte bestimmt eine Stunde unter der Dusche und ich glaube ich verpasste deshalb auch das Abendessen. Aber an diesem Tag hätten mich wohl sowieso keine zehn Pferde in den Speisesaal gebracht.

Etwa ein halbes Jahr später wiederholte sich genau dieses Ereignis noch einmal und auch hier wehrte ich mich nicht, sondern tat alles, was mir gesagt wurde. ich zweifelte an mir selbst und fragte mich immer und immer wieder, womit ich das verdient hatte. Ich verfluchte alles und Jeden, vor allem aber Gott und Jesus und ich hasste mich selbst für all das noch mehr als jemals zuvor. Vermutlich gab ich mir sogar selbst die Schuld dafür.

Es gab – oder es gibt es wahrscheinlich immer noch – ein Hochhaus in Ulm, direkt an einem sehr beliebten Treffpunkt und dem wohl größten Straßenbahn und Bus Knotenpunkt in Ulm. Leider weiß ich heute nicht mehr, wie der Platz hieß wo das war. Jedenfalls wusste ich, das dieses Hochhaus einen Aufzug hatte, der bis auf das Flachdach hoch ging und eines Tages ging ich dort hin und fuhr bis ganz nach oben. Ich stellte mich an das Geländer das mich von dem Abrund trennte und starrte nach unten. Ich wollte dem Ganzen hier und jetzt endlich ein Ende setzen. Nach dem ich in früheren Jahren schon mehrere Suicid-Versuche hinter mir hatte, wollte ich es diesmal so endgültig, das nichts mehr schief gehen konnte.

Ich weiß leider nicht mehr, was mich dann doch daran gehindert hat, ich weiß nur noch, das ich auf einmal wieder unten stand und hoch geschaut habe.

Ich biss schlussendlich dann doch die Zähne zusammen und machte trotz dieser Erlebnisse und meiner inneren Verzweiflung und Zerrissenheit unbeirrt mit meiner Ausbildung weiter. Ich durfte dann sogar, als das zweite Lehrjahr beginnen sollte, dieses überspringen und gleich mit dem dritten Lehrjahr weiter machen. Kurz darauf fand ich eine kleine Wohnung direkt in Ulm ganz in der Nähe meiner Ausbildungsstelle und zog aus dem Bewährungsheim wieder aus. Mitte 1996 schloss ich dann erfolgreich meine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann mit IHK Abschluss ab.

Ich war wahnsinnig stolz darauf, das geschafft zu haben, und bin es auch heute noch. Doch diese Erlebnisse in diesem Bewährungsheim hatten Spuren an meiner Psyche hinterlassen, ganz tiefe Krater, die nicht mehr auszubügeln oder wieder gut zu machen waren…

Meine leiblichen Eltern – Abstecher nach Berlin

Ich hatte gerade meine Ausbildung abgeschlossen als mir einfiel, aus welchen Gründen auch immer, nach meinen leiblichen Eltern zu suchen. Ich kannte ihren Namen, denn dieser war auf meinem alten Impfpass den ich mal in den Händen hatte, nur locker durchgestrichen gewesen und der neue Nachname stand oben drüber. Alle andere Dokumente wie Geburtsurkunde und Dergleichen waren damals fein säuberlich neu ausgestellt worden, nur der Impfpass zeigte noch den alten Namen. Ich begann damals natürlich dann meine Adoptiveltern auszufragen, welche mir nie etwas verschwiegen oder mich angelogen hatten. Und so erzählten sie mir damals natürlich auch ganz offen meine eigene Geschichte.

Jedenfalls begann ich Mitte 1996 nach meinen leiblichen Eltern zu suchen und fand meine Mutter B. in Sulz am Neckar und meinen Vater H. in Berlin.

Ohne vorher auch nur ein Lebenszeichen von mir zu geben, startete ich auf einen Besuch, zunächst nach Sulz am Neckar. Ich klingelte an der Tür meiner leiblichen Mutter, welche sogar Zuhause war und öffnete. Meine Mutter machte mir allerdings direkt an der Türe noch unmissverständlich klar, das sie mit ihren drei leiblichen Söhnen nichts zu tun haben wolle und keinen Kontakt wünsche. Also zog ich mich wieder zurück und enttäuscht von Dannen.

Ich beschloss, es bei meinem leiblichen Vater besser zu machen und schrieb ihm einen Brief. Zurück kam eine sehr herzliche Einladung nach Berlin und ich machte mich über einige Umwege auf den Weg dort hin…

Nachdem ich Zwischenstopp in Schweinfurt und in Stuttgart gemacht hatte, wo ich dann kurzzeitig einer Drückerbande auf den Leim gegangen war, kam ich am 25.09.1996 nur mit einem kleinen Rucksack auf der Schulter in Berlin an. Ich weiß tatsächlich nicht mehr, ob das damals so von mir geplant war, quasi als Geburtstagsgeschenk, oder ob es reiner Zufall war. Jedenfalls hatte an dem Tag als ich in Berlin bei meinem leiblichen Vater ankam, meine kleine Halbschwester Steffi gerade ihren 18. Geburtstag und die Wohnung meines leiblichen Vaters H. musste wohl für die Geburtstagsfeier herhalten.

Das war ein riesen großes Hallo, voller Freude und Herzlichkeit, als ich an der Tür klingelte und mir aufgemacht wurde! Der Empfang war phänomenal und dieser Besuch bei meinem leiblichen Papa und meinen leiblichen Geschwistern dauerte dann 10-einhalb Jahre lang.

Diese 10-einhalb Jahre in Berlin waren definitiv die schönsten Jahre meines Lebens. Niemand gab mir das Gefühl, nicht willkommen oder gar einfach falsch zu sein, ganz im Gegenteil. Man spielte Schach und Skat zusammen, schaute jedes Jahr die Formel 1 im Fernsehen an, jedes Rennen. Mein Papa und ich wetteten jedes Jahr wieder auf die Formel 1. Mein Papa wettete auf BMW und ich wettete auf Ferrari, bzw. Schumacher. Ich weiß nicht, wie viele Kästen Bier mein Papa mir inzwischen schuldete. Ich war der Einzige, der meinen leiblichen Vater im Schach schlagen konnte. H. von Borcke, mein leiblicher Vater liebte mich, seinen Sohn, über alles.

Und trotzdem ich eine lange Zeit Arbeitslos war und natürlich auch in Berlin die eine oder andere Enttäuschung mit Beziehungen verarbeiten musste, war es eine wunderschöne Zeit. Es war eine Zeit in der ich voll und ganz akzeptiert wurde und in der ich beinahe meine Probleme mit meinem Körper vergessen konnte… beinahe….

Mehr Schein als Sein – Mein virtuelles Ich

Und dann kam das schicksalhafte Jahr 2007. Das Jahr das für mich zu einem der Schlimmsten werden sollte…

Anfang 2007 stieß ich im Internet rein zufällig auf einige Begriffe, die mich stutzig und hellhörig werden ließen: Transsexualität, Transgender, Transidentität. Ich sog alles zu diesen Themen in mich hinein und endlich wurde mir so einiges klar….

All die Jahre, meine Kindheit, das Mobbing, die Vergewaltigungen, die Unsicherheit, dieser Neid auf die Mädchen, meine Verschlossenheit und Introvertiertheit… All das und noch viel mehr, was in meinem bisherigen Leben so war…. All das nur weil ich tatsächlich eine Frau war – eine Frau, eingesperrt in einem männlichen Körper! Endlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen!

Ich vertraute mich der damals mir nächsten Person an, Steffi, meiner kleinen Halbschwester. Ich outete mich ihr gegenüber und äusserte den Wunsch, Aleksia genannt zu werden. Nebenbei ließ ich auch bei anderen, wie zum Beispiel meiner Schwägerin, Andeutungen durchblicken, doch diese wurden wohl nicht verstanden – wie denn auch….

Um detaillierter zu werden oder mich richtig zu outen und den Weg zu beginnen, fehlte mir damals noch der Mut….

Ich begann, mich mit der virtuellen 3D Welt Second Life auseinander zu setzen und erstellte dort einen weiblichen Avatar mit dem Namen Criz Runo. Endlich konnte ich das sein, was ich schon immer war und sein wollte, eine hübsche Frau mit hübschen Kleidern und langen Haaren. Endlich konnte ich Frau sein und ich fühlte mich endlich richtig. Das Problem an der Sache: Ich verlor mich in Second Life, ich LEBTE nur noch in Second Life das Leben von Criz Runo, die ich genau so spielte, wie ich war oder sein wollte. Ich war Criz Runo und Criz Runo war ich:

— Sicht von Criz Runo:

Criz Runo fand sehr schnell Anschluss in Ihrer neuen Welt. Sie lernte einen Mann kennen der in Second Life eine Security Firma leitete. Criz war noch ganz neu in dieser Welt und so wusste sie nicht, das solche Security Firmen völlig überflüssig waren und es hier nur um das reine Geld machen ging. Zu dieser Zeit jedoch, Anfang 2007, boomte das Geschäft mit solchen Security Firmen und da Second Life eine echte, virtuelle Währung hat, also eine Währung, die man mit einem entsprechenden Wechselkurs in Euro umtauschen kann und auch andersrum, war es klar, das die Leute in diesem halbwegs neuen Medium namens Second Life alles versuchten, um so viel Geld wie möglich zu scheffeln.

Criz verliebte sich in diesen Mann und sie wurden ein Paar, virtuell, online. Sie wurde die rechte Hand des Chefs und war zuständig für die Einteilung der Mitarbeiter. Es sollte sich jedoch sehr bald heraus stellen, wie geldgierig dieser Mann tatsächlich war. Criz erhielt kein Gehalt von ihm und darauf hin kündigte sie  den Job wieder. Dies veranlasste den Chef in den Criz so sehr verliebt war, sie komplett, auch als seine Gefährtin zu feuern.

Sie war am Boden zerstört… Endlich hatte sie die Möglichkeit das zu sein, was sie immer war und sein wollte und fand sogar einen Mann, der sie wollte und dann geschah etwas, was sie, bzw. Alexander aus seiner reellen Welt leider nur zu gut kannte: Man ließ sie einfach fallen, wie ein Stück glühende Kohle. Sie lief durch diese virtuelle 3D-Welt und fand eine Insel mit einem ausgedehnten Sandstrand. Hier setzte sie sich hin und schaute auf das virtuelle Meer hinaus.

Anmerkung: All das was Criz beschreibt, geschah genau so wie beschrieben. Da es sich um eine virtuelle 3D-Welt handelte, gab es dort tatsächlich auch einen Strand, an den sich Criz setzte und anfing zu träumen….

Criz saß stundenlang an diesem Strand, zwei Tage lang. Alexander, derjenige der den Avatar steuerte hinter seinem Rechner, war genau so am Boden zerstört. Er hatte sich so viel von dieser virtuellen Welt erhofft. Er saß hinter seinem Rechner und starrte mit Tränen verschleierten Augen auf den virtuellen Sonnenuntergang über dem virtuellen Meer, vor dem, mit dem Rücken zu ihm, Criz Runo zu sehen war…

So vergingen zwei Tage und viele, viele Stunden in den Nächten, bis auf einmal ein junger, fremder Mann vorbei kam und sich einfach neben sie setzte.

Alexander, der Typ hinter dem Rechner, muss schon leicht verdutzt geschaut haben, als er auf einmal den zweiten Rücken neben den von seiner Criz sah…

Criz war mindestens genau so verdutzt und schaute zur Seite, sie sagte aber zunächst keinen Ton, sondern starrte dann weiter hinaus auf das Meer. Es vergingen wohl bestimmt zwei Stunden, bis einer von beiden anfing zu reden. Wer nun was genau sagte, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Es wurde Criz jedoch sehr schnell klar, das dieser Mann der da neben ihr saß und mit ihr zusammen auf das Meer hinaus starrte, sehr sensibel und einfühlsam war und genau wusste, wie es ihr ging. Seine Worten taten ihr sehr gut und so unterhielten sie sich weiter, stundenlang.

Am nächsten Tag trafen sie sich wieder an genau der gleichen Stelle und unterhielten sich weiter und so ging es bestimmt drei Tage lang. Schließlich gestand Criz Vegoth Munro, so hieß dieser Mann, ihre Liebe und Alexander hinter dem Rechner lächelte. Er war auf einmal glücklich, denn er fühlte echte Liebe für diesen männlichen Avatar.

Vegoth Munro war ein sehr sensibler und ruhiger Typ und Criz verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Sie wusste natürlich, dass es auch nur ein Avatar war, so wie sie selbst und dass dieser von einem Menschen hinter einem Computer gesteuert wurde. Und so verliebte sie sich natürlich gleichzeitig in den Menschen hinter Vegoth.

Sie unternahmen viel zusammen. Sie gingen in Second Life in eine Disco mit dem Namen Miami Vice und fanden dort viele Freunde. Jeden Tag waren sie dort anzutreffen und tanzten dort. So vergingen einige Wochen, bis sie beschlossen einmal das Rollenspiel rund um Gor auszuprobieren. Criz Runo wurde Kajira, also Sklavin auf Gor und Vegoth Munro wurde zum Krieger und ihr Herr. Sie kamen auf die Rollenspiel-Region Jasmine, wo sie zusammen lebten und liebten.

Criz lernte schnell neue Freunde auch auf Gor kennen, vor allem dort auf dieser Region Jasmine lernte sie viele Leute kennen, mit denen sie sehr gerne Rollenspiel machte.

Eines Tages lernte sie dort auch Thor Tracer und Terry Mullighan kennen. Sie spielten viel und oft zusammen und beschlossen dann, zusammen die Oase der vier Palmen zu gründen. Und so baute Criz Runo zusammen mit Terry Mullighan, Thor Tracer und Nevin Khalifa  die Oase der Vier Palmen auf, sowie den Sim Verbund “Südland”.

Anmerkung: Vermutlich wird der oder die geneigte Leser*in nicht wissen, worüber hier gerade geschrieben wird, denn dies können vermutlich nur eingefleischte Second Life Spieler wissen und nachvollziehen. Trotzdem soll es hier mit in die Geschichte einfließen, da es doch ein sehr wichtiger Teil meines Lebens ist und war.

Nun, Criz und Vegoth erlebten sehr viel zusammen… es wurde gelebt, geliebt, gekämpft und gelacht, geweint und gespielt… viele Wochen ging es so und alles war gut und wunderschön. Criz war sehr, sehr glücklich… Sie und Vegoth kamen sich immer näher und schließlich outete sich Criz gegenüber Vegoth als “Frau in einem Männerkörper”. Das war der Anfang vom Ende, denn Vegoth machte ihr klar, das es niemals im Real-Life zwischen ihnen funktionieren könne, weil er nicht schwul sei. Criz wusste, das Vegoth, bzw. der Mann hinter dem Avatar schon seit längerer Zeit solo und auf der Suche nach einer Partnerin war und so machte sie wohl einen furchtbaren Schritt, den sie noch in derselben Minute wieder bereute…

Sie machte mit Vegoth Schluss…. und zwar nur aus dem Grund, damit er frei war um sich seine große Liebe zu suchen, eine echte Frau.

Das zerbrach Criz’ Herz… und sie wurde ein kalter, toter Stein. Für Alexander brach eine Welt zusammen…….. und er verließ Second Life……

— Sicht von mir:

Ich zweifelte an sich selbst. Vor allem zweifelte ich nach dieser Aktion an meinem eigenen Verstand. Wir waren glücklich gewesen, alles war gut gewesen, wir hatten unseren Spaß gehabt und wir liebten uns, wenn auch nur in Second Life… und dann musste ich alles kaputt machen. Lag es an mir? War ich einfach unfähig eine Beziehung zu führen? Wollte mich denn niemand? Wieso musste es immer so schmerzhaft enden?

Zu dieser Zeit, Anfang 2007, gab es noch eine Person, die mir recht nahe stand. Es war dies die Freundin meines Halbbruders Hagen, Christiane oder Chrissy. Auch ihr gegenüber outete ich mich und wir unterhielten uns viel über das Thema meiner Transsexualität und was das für mich bedeuten würde, wenn ich diesen Weg tatsächlich beginnen würde. Sie schien das Thema sehr interessant zu finden und sicherte mir ihre Unterstützung dabei zu. Vor allem aber half sie mir wohl auch über diese schwere Zeit ein wenig hinweg zu kommen – nein, es passierte nichts zwischen uns, schließlich war sie mit meinem Bruder zusammen, dennoch, es war gut und schön, sich mit ihr zu unterhalten.

Konnte es noch schlimmer kommen? Ja…

Es war April 2007, als ich mich dazu entschloss, wieder nach Süddeutschland zu meinen Adoptiveltern zu ziehen. Ich war in Berlin über 8 Jahre arbeitslos gewesen und ich baute auf die niedrige Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg. So mietete ich einen Sprinter bei Europcar, packte meine sieben Sachen dort hinein und fuhr dann von Berlin nach Wilhelmsdorf, bzw. in den Nebenort Esenhausen, wo meine Adoptiveltern mir eine kleine Keller-Wohnung organisiert hatten.

Von dort aus begann ich dann, mir einen Job zu suchen, was Anfangs natürlich auch nicht einfach und nicht von Erfolg gekrönt war. Und so hatte ich neben der Jobsuche sehr viel Zeit um nachzudenken – und ich dachte sehr viel nach… Neben dem Nachdenken telefonierte ich viel mit Chrissy, die natürlich in Berlin geblieben war, und wir unterhielten uns viele, viele Stunden lang.

Ab und zu schaute ich noch in Second Life rein und bemerkte dabei, das Vegoth wohl schon eine Neue haben musste. Später erfuhr ich dann, das Vegoth sogar im Real-Life mit dieser Frau zusammen gekommen war und das wiederum freute mich wiederum sehr, auch wenn ich keinen Kontakt mehr mit Vegoth hatte.

Dieses ganze Jahr 2007 war geprägt vom Herzschmerz über den Verlust von Vegoth, dem Nachdenken, dem Träumen und dem Job suchen. Und so vergingen die Monate langsam und schleppend…

…und dann kam der Dezember 2007…

Eines Tages, am 06.12.2007 – Ich war seit fast 8 Monaten wieder in Süddeutschland, wobei ich den Kontakt zu meinem leiblichen Vater in Berlin nie abgebrochen hatte – bekam ich eine Email von meinem leiblichen Vater in Berlin. Diese Email enthielt nur einen Satz und ein Bild von seinem kleinen Rauhaardackel Benji, den er sich nach dem Tod seiner Frau ein Jahr zuvor angeschafft hatte. Der Satz in der Email:

Bitte melde Dich doch mal.

Ich hatte sowieso vor, zu Weihnachten, also in zwei Wochen, nach Berlin zu fahren und meinen Papa zu überraschen. Deshalb antwortete ich nicht auf die Email…………..

Am 08.12.2007 bekam ich dann gegen späten Vormittag einen Anruf von meiner Halbschwester Steffi und ich merkte sofort, das etwas nicht stimmte. Unter Tränen teilte meine Schwester mir mit, das sich unser Papa am frühen Morgen das Leben genommen hat, mit einer Überdosis seiner Medikamente.

Dies war zuviel für mich… ich brach zusammen – seelisch, körperlich, nervlich, psychisch…

Ich fuhr noch am gleichen Tag mit einem ICE nach Berlin hoch um meiner Familie in Berlin beizustehen. Das Problem daran: Ich war es, der am meisten Halt brauchte. Meine Halbschwester Steffi stützte mich. Obwohl sie selbst bei unserem Vater aufgewachsen war und ich nicht, obwohl Steffi selbst wohl am meisten leiden musste, war sie stark genug, mich zu stützen und mir Halt zu geben. Sie wich nicht von meiner Seite und jedes Mal, wenn ich wieder einen Weinkrampf hatte und mich komplett verlor, war sie da und hielt mich, streichelte mich, tröstete mich – Selbst sogar am 21.12.2007 bei der Beerdigung.

Am Samstag, den 22.12.2007 fuhr ich dann wieder nach Hause, nach Süddeutschland. Ich konnte nicht länger in Berlin bleiben, da ich am darauffolgenden Tag, also am Sonntag in der Scheune des Kulturverein Wilhelmsdorf eine Veranstaltung (Himmlische Adventsmusik) betreuen musste – obwohl ich mich wie ein Zombie fühlte, musste ich das jetzt durchziehen. So kurzfristig war kein Ersatz mehr zu bekommen.

Weihnachten? Nein, es gab kein Weihnachten dieses Jahr.

2008

Anfang 2008 lernte Alexander dann Nicole kennen und lieben und sie zogen bald darauf in Kaufbeuren zusammen. Er war noch immer arbeitslos, aber aufgrund der relativen Nähe zu München, konnte er seinen Suchradius dahin ausweiten. Es sollte noch bis Oktober 2008 dauern, bis er tatsächlich in München einen neuen Job als Webentwickler bei IntraWorlds fand.

Auch Nicole gegenüber outete er sich ganz zu Anfang, aber er fand immer noch nicht den Mut, den endgültigen Schritt zu tun, zudem das Thema für Nicole absolutes Neuland war und sie das ein wenig skeptisch und ungläubig behandelte. Und so lebte er weiter als vermeintlicher Mann. Das Nicole selbst ein “Sexmuffel” war störte ihn kaum, denn er konnte mit seinem Teil eh nichts anfangen, sondern hatte es immer nur als Werkzeug für seine Partner benutzt. Schluss endlich zerbrach aber diese Beziehung vier Jahre später dann doch vor allem daran, das Alexander den Sex vermisste und sich vernachlässigt fühlte, wollte er doch eigentlich schon immer eine richtige Familie haben.

2012

Anfang 2012 war Alexander mal wieder etwas häufiger und intensiver in Second Life unterwegs und lernte dort im Februar dann Svenja kennen. Svenja war eine ausgezeichnete Rollenspielerin und so waren die Stunden mit ihr mit sehr viel Spaß und Spiel gefüllt. Auch ihr gegenüber outete sich Alexander schon direkt beim kennen lernen und fand in Svenja eine Zuhörerin, die das Thema interessant fand und ihn dabei unterstützen wollte, zumal der Wunsch diesen Weg zu beginnen und der Leidensdruck der mit seinem bisherigen Leben einherging, immer intensiver, beinahe unerträglich wurden.

Die Gefühle zwischen Svenja und Alexander wurden immer intensiver und es kam der Tag, der beide zusammenbringen sollte:

Es war der 12. April 2012, als Svenja Alexander unter Tränen berichtete, das ihr Bruder verstorben sei und sie völlig fertig mit der Welt sei. Alexander nahm unverzüglich und kurzfristig Urlaub in Anspruch und fuhr noch am gleichen Tag nach Berlin hoch um Svenja in dieser schweren Stunde beizustehen. Er wurde noch vor der Haustüre von Svenja und ihrer Mutter empfangen, die ihn beide freundlich lächelnd in Empfang nahmen und ins Haus baten. Von Trauer um den geliebten Bruder war hier nichts zu sehen… und Alexander wurde stutzig… aber nicht lange oder lange genug….

Der Grund für die folgenden Erlebnisse ist an Dummheit, Gutgläubigkeit und Verliebtheit seitens Alexanders nicht mehr zu übertreffen…

Alexander fragte nicht nach… Er nahm es hin und lernte Svenja und ihre Familie kennen. An diesem Tag, bzw. in der folgenden Nacht hatten sie zusammen Sex. Alexander konnte nicht lange bleiben, doch er versprach bald wieder zu kommen und Svenja nicht alleine zu lassen.

Er packte in Kaufbeuren seine sieben Sachen und zog zurück nach Berlin. Anfangs wohnte er mit Svenja zusammen bei seinem Bruder Heros und seiner Frau Claudia, bis sie dann eine eigene Wohnung in Berlin-Haselhorst fanden und dort zusammen zogen. Schnell wurde klar, das es wohl gleich in einer der ersten Nächte in denen sich Svenja und Alexander nah waren, richtig gefunkt haben musste, denn Svenja war schwanger.

Eine Abtreibung kam für Beide nicht in Frage und so fiel die Entscheidung, auch so bald wie möglich zu heiraten, damit es kein uneheliches Kind wurde und es mit einem gemeinsamen Namen aufgezogen werden konnte.

21.09.2012

Die Hochzeit fand standesamtlich im Rathaus von Berlin-Spandau statt und nicht wie bei seiner ersten Hochzeit mit Silke wo er und Silke ganz alleine waren, waren diesmal seine Adoptiveltern, sowie seine Berliner Geschwister auch dabei.

Steffi, seine Halbschwester hatte zu diesem Anlass eine tolle Hochzeitstorte gebacken und war extra auch von Bayern nach Berlin gekommen um bei der Hochzeit dabei sein zu können.

Es war ein sehr schöner Tag.

Alexander Michael Mieland nutze die Gunst der Stunde um durch diese Hochzeit seinen Nachnamen wieder in den seiner Adoptiveltern ändern zu lassen und so hießen Svenja und Alexander ab diesem Zeitpunkt dann mit Nachnamen (wieder) Löhner.

ab dem 25.01.2013

Luca, Svenjas und Alexanders Sohn, ist am 25.01.2013 um 09:15 Uhr im Humboldt-Klinikum in Berlin-Reinickendorf per Kaiserschnitt zur Welt gekommen und es war wohl einer der schönsten Tage für Alexander, denn er war natürlich live dabei. Es war einer der, wenn nicht sogar der bedeutendste, emotionalste Moment, den er je erlebt hat.

Nach der Geburt klagte Svenja über Schmerzen im Bein und Taubheit im Fuß, weshalb sie von da an keinen Handschlag mehr tat. Egal ob es um Luca ging (Anziehen, Füttern, Spielen, Wickeln, Schlafen legen, etc) oder um den Haushalt (Putzen, Aufräumen, Einkaufen, etc…), sie konnte oder wollte NICHTS tun und lag nur auf der Couch herum oder saß vor ihrem Rechner und spielte Second Life oder eines der anderen Online Spiele, denen sie sich mit immer größerer Begeisterung widmete.

Es stellte sich im Nachhinein heraus, das sie Alexander mindestens seit der Hochzeit mit zwei anderen Frauen aus Second Life betrogen hat und auch weiterhin betrügte. Trotzdem gab Alexander die Hoffnung nicht auf. Er kümmerte sich um alles, sowohl um Luca, als auch um Svenja und um den Job den er in Berlin bekommen hatte. Und so musste er Luca morgens in die Kita fahren, dann zur Arbeit fahren, in der Mittagspause Luca von der Kita abholen und nach Hause fahren, dann wieder zur Arbeit fahren und am Abend sich dann Zuhause wieder um Luca und den Haushalt kümmern.

Svenja klagte fortan über diverse Phobien, wie zum Beispiel die Angst vor fremden Menschen, Menschenansammlungen und Viele mehr. Hinzu kam natürlich der angebliche Schmerz und der taube Fuß und so ließ sie sich von vorne bis hinten von Alexander bedienen.

Alexander bemühte sich redlich ihr einige der Ängste zu nehmen. Er schaffte es manchmal, sie zum Einkaufen mit zu nehmen und liess sie dann den Einkauf bezahlen um sie so an fremde Leute oder kleine “Stresssituationen” zu gewöhnen. Er machte mit ihr eine regelrechte Privat-Therapie. Er sorgte später dafür, das Svenja neue Zähne bekam, die von seinen Adoptiveltern bezahlt werden sollten. er steckte ihr monatlich, neben den ohnehin ausgemachten 150,- € “Taschengeld”, mehrere Hundert Euro in den Hintern, die sie ausnahmslos in Paysafe-Karten oder dorekt in ihre Onlinespiele einzahlte um dort irgendwelche Abos aufrecht zu erhalten, Items zu kaufen oder in Second Life entsprechende Artikel zu erstehen. Monatlich wurde es immer mehr Geld, das sie von ihm wollte und jedes Mal gab er nach und zahlte noch mehr.

So ging es die ganze Zeit über, ein Jahr lang, zwei Jahre lang, drei Jahre lang…

Sie zogen unterdessen von Berlin nach Bodman an den Bodensee. Auch dies eine Idee von Alexander um durch die Luftveränderung und die Entfernung zu Svenjas Eltern ihr gesundheitliche Besserung zukommen zu lassen.

Oktober 2015

Anfang Oktober 2015 hatte Alexander dann ein Vorstellungsgespräch für einen neuen Job bei der Akademie für Sport und Gesundheit in Radolfzell. Alexander hatte extra einen tollen neuen Anzug an und war beim Friseur gewesen.

Er kam dort an und unterhielt sich blendend mit den beiden Chefs der Akademie. Schlussendlich war das Vorstellungsgespräch vorbei und Alexander ging mit einem guten Gefühl nach Hause.

Es dauerte dann auch nicht lange, bis die Nachricht kam, das er am 15.10.2015 dort seinen neuen Job antreten könne.

Der erste Arbeitstag kam und Alexander kam dort an, leger gekleidet in Jeans und Pulli. Er ließ sich entsprechend einweisen und alles wurde ihm gezeigt. Alle Kolleginnen und Kollegen waren ausgesprochen nett zu ihm und hießen ihn willkommen.

Der erste Arbeitstag ging dem Ende zu und Alexander ging nach Hause, beinahe glücklich über den neuen Job und die freundlichen und netten Kollegen. Die Atmosphäre in der neuen Firma war beinahe familiär, waren es doch mit ihm zusammen und den beiden überaus netten Chefs gerade einmal 6 Personen, die dort arbeiteten.

Der Tag neigte sich dem Ende zu und Alexander dachte lange und angestrengt nach…

Aus Alexander Löhner wird Christin Löhner

Am nächsten Morgen, am 16.10.2015, stand Christin auf, wusch sich, kleidete sich an und ging wie gestern zur Arbeit. Es war ihr erster Arbeitstag als Frau in der neuen Firma, der zweite Arbeitstag den sie dort überhaupt verbrachte.

— Sicht von Christin Löhner:

Es war toll! Ich kam am Morgen des 16.10.2015 zur Arbeit, aufgestylt mit einer Perücke, Mascara, Rouge, Lippenstift, einem Schlauchschal und fraulichen Klamotten. und es war, als wäre ich schon immer so unterwegs gewesen. Alle Kolleginnen und Kollegen benahmen sich ganz normal, grüßten nett, fragten wie der erste Arbeitstag war und ließen mich ansonsten in Ruhe.

Es fühlte sich so normal an… so richtig! Endlich hatte ich den Schritt gewagt! Endlich war ich frei! Endlich konnte ich das sein, was ich war und sein wollte!

Ich hatte schon vor mindestens zwei oder drei Jahren eine lange Email verfasst, die seit dem bei mir in meinem Entwurfs-Ordner vor sich hin dümpelte. Beinahe jeden Tag rief ich sie auf, bearbeitete sie, veränderte ein oder zwei Sätze, fügte etwas hin zu oder entfernte etwas… doch an diesem Abend schickte ich sie endlich ab. Ich schickte sie zunächst nur an meine Adoptiveltern, kurz darauf dann an den Rest der ganzen Familie.

Tja… ab diesem Zeitpunkt war ich wohl der glücklichste Mensch auf der Welt… wäre da nicht mein… eheliches Problem…

Es folgten weitere Tage als Frau auf der Arbeit, bis eines Tages Svenja plötzlich sagte, das sie den Weg zum Mann gehen will…

Nun, wer war ich, wenn ich da irgendetwas hätte gegen sagen wollen? Natürlich unterstützte ich sie… entschuldigung… natürlich unterstützte ich ihn, Sven, dabei, gab ihm Tipps und Hinweise, wie er männlicher wirkt.

Ungefähr zur gleichen Zeit, irgendwann Ende 2015, beichtete mir dann Sven noch, das er sich in seine beste Freundin verliebt hatte, die er in Second Life kennengelernt hatte und mit der er seit unserer Hochzeit sowieso schon ununterbrochen am rummachen war. Einige Zeit später sagte er aber dann, das er aber wüsste, wo er hin gehöre und mich liebe, etc. pp.

Januar 2016

Am 11.01.2016 hatte ich dann meine erste Psychotherapeutische Begleittherapie Stunde. Um diesen Weg Mann-zu-Frau gehen zu können und vor allem um dann irgendwann Hormone bekommen zu können und die geschlechtsangleichende Operation machen zu dürfen, muss man 18 Monate psychotherapeutische Begleittherapie nachweisen, damit das von den Krankenkassen übernommen wird.

Und so war ich natürlich seit Anfang des Jahres fleißig am suchen nach Therapeuten, die Trans*-erfahren waren und noch Termine frei hatten. Dies gestaltete sich als gar nicht so einfach. Trans*-erfahrene Therapeuten gibt es schon nicht so viele und dann auch noch einen zu erwischen, der möglichst schnell einen Termin hat, stellte sich als echt schwierig dar.

Schlussendlich fand ich dann eine nette Therapeutin in Überlingen, die zwar nicht Trans*-erfahren war, die aber gerne bereit war, ihren Horizont dahingehend zu erweitern.

Februar 2016

Im Februar fand die FOSDEM in Brüssel vom 27.02. bis zum 28.02.2016 statt und ich wollte unbedingt dort hin. Schwierig genug, Sven klar zu machen, das ich dort hin wollte und ihn mit Luca für ein Wochenende alleine lassen musste. Schließlich gelang es mir aber doch ihn zu überzeugen und ich fuhr am Freitag Abend, den 26.02.2016, nach Brüssel in Belgien und checkte in mein Hotel ein.

Am Samstag fuhr ich dann zum Messegelände und stellte mich auf einen freien Parkplatz am Straßenrand über dem ein dickes, fettes, blaues Schild mit weißem “P” prangte. Das deutlich kleinere weiße Schild darunter auf dem nur “CD” stand, übersah ich geflissentlich, zumal ich zu dem Zeitpunkt eh nichts damit anfangen konnte.

Nach einem tollen Tag auf der FOSDEM, vielen Bekanntschaften die ich geschlossen hatte, ging ich zurück zu meinem Auto… doch oh Schreck, es war weg! Es kostete mich 5 Stunden im Regen mit 8cm Absatz durch Brüssel zu rennen, plus 247,- € um mein Auto wieder zu bekommen.

Am Abend kam ich völlig erschlagen im Hotel an und legte mich niedergeschlagen auf das Bett, als plötzlich ein Anruf rein kam… Sven rief aufgelöst und völlig verzweifelt an, Luca habe Husten und Sven ginge es auch nicht gut, ich solle sofort nach Hause kommen und mit Luca zum Arzt gehen.

Man stelle sich vor, ich im Hotel in Brüssel, es war Samstag Abend um ungefähr 21 Uhr, 600 km und 7 Stunden Fahrt von Zuhause entfernt, völlig erschlagen von der Rumrennerei in Brüssel, 247,- € ärmer und Sven verlangt von mir, sofort nach Hause zu kommen und mit Luca zum Arzt zu gehen, der von Sven und Luca gerade mal 3 km entfernt war.

Ich holte ganz tief Luft, zählte langsam von 21 bis 30 und versuchte dann Sven erst mal zu beruhigen. Nach etwa 30 Minuten herum diskutierens war ich es leid und versprach, den morgigen Tag auf der Messe sausen zu lassen, vielen neuen Bekanntschaften vor den Kopf zu stoßen, die erwarteten das ich am Sonntag auch wieder da war und gleich morgen früh, also am Sonntag den 28.02. ins Auto zu steigen und nach Hause zu kommen.

Irgendwann gegen 14 Uhr kam ich dann am Sonntag Zuhause an und Luca begrüßte mich freudig. Sven lag im Bett und stöhnte theatralisch vor sich hin. Luca ging es super, er hustete ein wenig, es war aber deutlich zu merken, das sein Husten fast schon wieder vorbei war. Ich war ganz kurz vor dem austicken… aber ich schluckte es runter und tat als sei nichts.

Sven verlangte an diesem Tag dann noch von mir, ihm zu erlauben mit Luca zusammen eine Woche bei seiner besten Freundin – in die er sich ja ohnehin verliebt hatte – in Trier machen zu dürfen, sozusagen als Retourkutsche für mein Messebesuch in Belgien.

März 2016

Es war der 05.03.2016, der schicksalhafte Tag an dem ich Luca dann das letzte Mal für die folgenden vier Monate zu Gesicht bekommen sollte… Es war der Tag an dem Sven mit Luca zusammen von mir für eine Woche nach Trier gefahren werden wollte.

Wir fuhren also los Richtung Trier. Nicht genug das mir Sven die ganze Fahrt über nur Vorwürfe machte wegen Brüssel, nein etwa 5 Kilometer vor dem Ziel musste sich Luca auf einmal übergeben im Auto und bekam kaum noch Luft aufgrund der Gallenflüssigkeit, zumal es für Luca das erste Mal war das er sich so übergeben musste und völlig panisch war.

Ich hielt natürlich sofort am Straßenrand und stieg aus, um mich um Luca zu kümmern. Ich schnallte ihn vom Kindersitz los, sprach leise und beruhigend auf ihn ein, streichelte ihn und versuchte zwischendurch ihn sauber zu machen. Sven stieg auch aus… aber natürlich nicht um sich um Luca zu kümmern oder das Auto, bzw. den Kindersitz sauber zu machen, nein, er stand nur da und gab Kommandos und maulte mich an, wieso ich so langsam sei. Ich kochte………..

Trotzdem blieb ich äusserlich ganz ruhig und liess mich nicht beirren, Luca zu beruhigen und mit ihm zu reden. Als Luca ruhiger wurde und ich den Sitz auch noch notdürftig gereinigt hatte, stiegen wir wieder ein und ich fuhr langsam weiter. Luca war immer noch am weinen und am keuchen und ich versuchte weiter, während der Fahrt ihn zu beruhigen. Sven schaute völlig unbeteiligt aus seinem Beifahrerfenster.

Da riss mir die Hutschnur und ich maulte ihn an, ob er sich nicht vielleicht auch einmal um den Kleinen kümmern könne, ihn beruhigen könne. Er entgegnete nur, was er denn tun solle, er kommt ja nicht mal an den Kleinen ran…

Wir fuhren die letzten Kilometer schweigend, bis wir in dem Ort kurz hinter Trier eintrafen, wo ich die Beiden absetzen sollte. Natürlich durfte ich nicht einmal vor der Haustür seiner Freundin halten, sondern musste weiter weg auf einem Parkplatz halten, damit die mich ja nicht zu Gesicht bekam.

Also stiegen wir aus und ich holte Luca vom Kindersitz… als ich mich zu ihm hin kniete und ihn umarmen wollte und mich verabschieden wollte, herrschte Sven mich wütend an, ob ich nicht endlich fahren wolle…

Ich stieg ein und knallte die Fahrertür so fest zu, das die Halterungen der Fensterscheibe in der Tür brachen und die Fensterscheibe mit Karacho nach unten rutschte, in die Tür hinein. Wohlgemerkt es war Anfang März und es war wirklich kalt. Ich hatte keine Jacke dabei weil ich nicht davon ausgegangen war, das ich längere Zeit außerhalb des Auto verbringen sollte.

Also fuhr ich los, mit offenem Seitenfenster, die Heizung voll aufgedreht, die Lüftung direkt auf mich gerichtet… 200m weiter hielt ich wieder an, mein Herz pumpte und ich war total am zittern… ich holte mein Handy heraus und schrieb die folgenden Zeilen:

Okay, das war das letzte mal, das ich mich von dir habe rum schubsen lassen. Von DEINEM Egoismus und deiner Unfähigkeit den kleinen zu beruhigen mal ganz abgesehen. Das ich mich nicht einmal mehr verabschieden darf, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Zu allen überfluß darf ich jetzt mir offenen Fahrer Fenster nach Hause fahren. Danke. Ich bin so was von fertig.

Die 500 Kilometer nach Hause waren eine Tortur und ich wundere mich heute noch, wie ich das so einfach überstehen konnte. Nicht nur das ich mehrmals darüber nachgedacht habe, mit 200 Sachen gegen den nächsten Baum zu fahren, sondern auch, weil ich weder eine Lungenentzündung noch auch nur eine Erkältung davon getragen hatte.

Svens Antwort auf meinen Text kam dann einen Tag später am 06.03.2016:

Zum einen was habe ich mit dem Fenster zu tun zum anderen hast du mich an gebrüllt wie jedes mal wenn der kleine sich erbricht als ob er deswegen nicht genug Angst hat der Abschied ja da war ich gestresst geb ich zu aber auch nur weil es Luca noch mehr aufgeregt hat und ich ihn noch fast 20min beruhigen konnte letztendlich sagte Luca mur du seist zu schnell gefahren er hatte Angst… Uns geht es ubrigends gut soweit falls es dich interessiert

Darauf hin war dann meine Antwort:

Erstens habe ich nicht gebrüllt. Ich habe nicht mal viel lauter gesprochen, nur energischer, weil es mich aufgeregt hat, das der Kleine hinten nach Luft ringt und panisch wird und Du Dir die Landschaft anguggst. Zweitens bin ich nicht zu schnell gefahren. Ich bin die ganze Strecke, falls es dir nicht aufgefallen ist, nur 120 gefahren, weil wir kaputte stossdämpfer haben und das auto jedesmal einen halben meter zur seite hüpft, wenn eine unebenheit kommt. Drittens, ich werde mich trennen und scheiden lassen. Seit gestern hat unser Trennungsjahr begonnen.

Das war dann das letzte Mal das ich Luca gesehen habe, bis zur Gerichtlichen Anhörung in Berlin am 05.07.2016, als es um das Aufenthaltsbestimmungsrecht ging. Inzwischen ist die Scheidung fast durch und ich bin mehr als froh, diesen Kerl los zu sein. Was natürlich nicht für Luca gilt, der nun leider bei seiner Mutter, die er inzwischen Papa nennt, wohnt.

Zwei Wochen später – ich war zu dem Zeitpunkt auf Arbeit im Büro in Radolfzell – fuhr Sven zusammen mit seiner Sarah zu mir in die Wohnung, ließ das Schloss von einem Schlüsseldienst aufbrechen und nahm alles mit, was nicht niet- und nagelfest war. Er packte zu aller erst seinen eigenen Computer mit Monitor ein, die Playstation 4, die Wii und alles, was ich noch von Luca hatte, einschließlich der Berichte der Kindergärten und der Fotos, die an der Wand hingen.

Als ich am Abend nach Hause kam eine aufgebrochene Tür vor fand, und sah, was mir nun zusätzlich auch noch alles durch Sven von Luca genommen worden war, brach ich erneut zusammen…….

April 2016

Zwischenzeitlich hatte ich über eine Transgender-Gruppe auf Facebook eine Freundin in Österreich kennengelernt, die Petra. Diese lud mich ein, nach Österreich, nach Dornbirn zu kommen, zu ihrer Selbsthilfegruppe. Der für mich erste Termin für diese Selbsthilfegruppe war am 20.04.2016 und ich fuhr am Nachmittag, nach der Arbeit die 80 Kilometer rüber.

Ich kam dort an, schnieke gestylt, in weiss/schwarzen Zebra-Look und mit relativ frisch gefärbten, roten Haaren. Es waren sehr nette, aufgeräumte Räumlichkeiten und ich wurde sehr lieb mit Umarmung empfangen. Dann trudelten nach und nach die anderen Teilnehmer ein, und es füllte sich. Alle Achtung, ich glaube es waren locker um die 15 Personen, die da waren und an der Selbsthilfegruppe teilnahmen, ich war beeindruckt.

Alle Teilnehmer waren durchgehend sehr lieb und nett, unterhielten sich mit mir und ich fühlte mich sofort aufgenommen.

Als wir uns dann alle auf die verschiedenen Sitzmöglichkeiten setzten um mit der eigentlichen Gruppenarbeit zu beginnen, fiel mir eine offensichtliche Transfrau auf, die sich bisher sehr zurück gehalten hatte. Sie saß rechts von mir im Eck der Eckbank neben einer anderen Transfrau von sehr imposanter Statur und schien nur die Runde zu beobachten. Das ich sechs Monate später mit eben dieser Transfrau zusammen sein würde und mit ihr sehr, sehr glücklich werden würde, konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht vorstellen. Da zu Beginn der SHG meistens eine Vorstellungsrunde stattfand, so auch an diesem Tag, erfuhr ich kurz darauf auch ihren Namen: Michelle.

Mehr als ein Hallo und am Ende ein Tschüss fiel zwischen uns beiden zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Trotzdem war ich von da an, jeden Monat immer am dritten Mittwoch im Monat bei diesen Treffen dabei und ich hatte dort viel Spaß. Alle waren sehr nett und ich fand schnell neue Freunde dort. Das Verhältnis zu Michelle jedoch blieb anfangs noch sehr zurückhaltend und eher auf das Nötigste beschränkt.

Im April war noch eine wirklich große Sache. Mir ging es gar nicht gut aufgrund der Trennung zu meinem Sohn Luca und man merkte mir das auch deutlich an. Omnitah Schwark, eine sehr, sehr liebe und gute Freundin von mir, lud mich deshalb ein, nach Wasserburg zu kommen zu einer Eröffnung einer Ballettschule. Es war wundervoll… am Abend sind wir dann noch alle zusammen mit ein paar weiteren Freunden Essen gegangen. Für diesen Abend danke ich Om so sehr! Ganz, ganz lieben Dank, liebste Om!

Juni 2016

Und dann kam der Juni 2016. Der 23.06.2016, der Tag an dem ich freudestrahlend mein Rezept für meine Hormon-Ersatz-Therapie entgegen nehmen durfte und bei der Apotheke meine Hormone abholen durfte.

Es war ein wunderschönes, super tolles Gefühl, endlich den Weg richtig beginnen zu können, endlich die Hormone einnehmen zu können, die meinen Körper verändern sollten!

Alleine schon das erste Einnehmen des Testosteron-Blockers löste immense Glücksgefühle in mir aus. Die Erwartung endlich morgens nicht mehr wach zu werden mit einer riesigen Beule in der Bettdecke, machte mich glücklich. Genauso das erste Mal Einschmieren des Östrogen-Gels und die Hoffnung, endlich einen schön geformten Frauenkörper davon zu bekommen, löste eine Flut von Endorphinen in mir aus, wie ich es vorher nicht gekannt hatte.

Heute, exakt ein Jahr und zehn Tage später macht sich etwas Ernüchterung breit. Natürlich hat das Teil dort unten zwischen meinen Beinen absolut gar nichts mehr zu mucken und ja, auch schöne Brüste habe ich schon bekommen und sie wachsen natürlich auch noch weiterhin, aber es ist zur Gewohnheit geworden, das morgendliche und abendliche Ritual des Einschmierens. Die Veränderungen sind schon deutlich zu sehen, aber sie passieren eben nun mal viel zu langsam.

Juli 2016

Es kam der 02. und 03. Juli 2016 an denen meine Mutter Etta ihren 70. Geburtstag feierte. Dazu waren wir in Nürnberg in einem wunderschönen Hotel einquartiert und die ganze Familie war da, mitsamt Anhänge wie Freundinnen, Lebensgefährtinnen, etc.

Es waren wunderschöne Tage in Nürnberg und ich fühlte mich sehr, sehr wohl.

Am 03. Juli 2016, noch in Nürnberg, saßen wir alle beim Frühstück in einem tollen Bistro zusammen. Wir hatten uns Tische reservieren lassen und alle waren da.

Reinhold, mein Vater, nahm mich zur Seite und sagte die folgenden Worte zu mir, die mich zur glücklichsten Frau der Welt machten:

Seit deinen Coming Out hast du dich sehr zu deinem Vorteil hin verändert. Wir hatten vorher immer das Gefühl, dass du eine Rolle gespielt hast von jemandem, der versucht über den Dingen zu stehen. Seit deinem Coming Out ist das vollständig verschwunden. Wir werden Dich in dieser Sache vollstens unterstützen. Wir finden das sehr gut!

Diese wenigen Worte, vor allen Anderen zu mir gesprochen, waren das Schönste, was er jemals zu mir gesagt hatte und sie machten mich immens stolz! Und sie zeigten mir, das es genau das Richtige war, was ich am 16.10.2015 begonnen hatte und das mein Weg ohne jeden Zweifel einfach das einzige war, was ich machen musste und konnte.

Wir verlebten einige wunderschöne Tage in Nürnberg… bis ich dann am 04.07.2016 direkt von Nürnberg weiter fahren musste nach Berlin. Denn dort sollte dann am 05.07. die Gerichtsanhörung stattfinden, bei der es um das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Luca gehen sollte.

05.07.2016

Sven war es von Gerichts wegen verboten worden, Luca mit zu dieser Gerichtsanhörung zu bringen, weil durch ein Aufeinander-treffen zwischen Luca und mir nur extrem störende Gefühle entstehen würden, sowohl bei mir, die der Anhörung sicher nicht dienlich gewesen wären, als natürlich auch bei Luca.

Ich kam also am Morgen des 05.07. dort am Gerichtsgebäude an, ließ mich von der Security am Eingang durchleuchten und stieg dann die Stufen hinauf, bis in den (ich glaube) zweiten Stock, wo das Gerichtszimmer sein sollte, wo die Anhörung stattfinden sollte.

Als ich die Treppe oben ankam war das erste, was ich sah… Luca…

Ich hatte Luca nicht mehr gesehen seit dem 05.03.2016, als ich Sven und Luca nach Trier gefahren hatte in der trügerischen Hoffnung, beide eine Woche später wieder in die Arme schließen zu können. Statt dessen hatte sich Sven dazu entschlossen, einfach weg zu bleiben und mir Luca vier Monate lang vorzuenthalten – nein, er war sogar noch bei mir eingebrochen während ich im Büro war und hatte mir die letzten verbleibenden Bilder von Luca geklaut, die ich noch hatte!

Dies war das Erste, was ich seit vier Monaten von Luca zu sehen bekam! Da ich von Sven nicht einmal Fotos oder Ähnliches geschickt bekommen hatte.

Man kann sich vorstellen, wie ich dort zusammen brach… wie ich dort gefühlt haben muss… Es hatte schon seine berechtigten Gründe, wieso Sven Luca nicht mitnehmen sollte…

Nun, sei’s drum. Konsens der Gerichtsanhörung war dann schlussendlich, das ich zugestimmt habe, das Luca vorerst bei Sven in Berlin bleibt um ihm nicht ein erneutes Trauma durch Entreißen aus seiner neuen, inzwischen gewohnten Umwelt, aufzuhalsen. Schließlich ging es hier um das Wohl des Kindes, um Luca und nicht um meine eigenen Gefühle.

September 2016 – Trans* SHG Hegau

Ich weiß auch nicht, wie es dazu gekommen ist. Irgendwie bin ich hier in meiner Region Hegau (westlicher Bodenseebereich) zur Mutter der Nation für alle Trans*-Personen mutiert.

Hier in Konstanz gibt es eine ganz liebe Transfrau, die ich auf den Weg gebracht habe, die ich unterstützt habe und auch weiterhin unterstützen werde, mit der ich eine Einkleidungstour gemacht habe und einen Schminkkurs und die sich durch mich so sehr zum Positiven verändert hat und damit auch glücklich ist.

Bei Sigmaringen habe ich zwei sehr junge Transmänner, die ich ebenfalls auf den Weg gebracht habe, denen ich erklärt habe, was dieser Weg bedeutet, wie es für sie weitergeht, wohin sie sich wenden müssen und wie entsprechende Anträge aussehen müssen. Sie sind nun beide bei der gleichen Psychotherapeutin in Begleittherapie und gehen ihren Weg. Nichts desto Trotz bin ich natürlich auch weiterhin immer für sie da.

Letztens hat mich eine sehr nette Frau angesprochen, eine Elternsprecherin einer Schule hier in der Region, die mich um Informationen über mich selbst, als auch über Transsexualität im Allgemeinen gebeten hat und mich ausgefragt hat. Eventuell werde ich dort an der Schule sehr bald einen Vortrag über Transsexualität halten.

Und so hat sich bei mir etwas entwickelt, was ich sehr toll finde und mich sehr freut. Ich werde voll akzeptiert, werde als Beraterin herangezogen, als Wegbegleiterin, als Freundin und als Fürsorgerin.

Und dies alles hat mich nun dazu veranlasst, dies in einem größeren Stil und etwas professioneller aufzuziehen. Ich habe beschlossen, mein Leben, meine Kenntnisse und Erfahrungen einem breiteren Spektrum zur Verfügung zu stellen um noch mehr Leuten helfen zu können. Und damit ist dann die Trans* SHG Hegau entstanden.

Irgendwann begann ich nach einer Selbsthilfegruppe in meiner Nähe zu suchen. Es gab einen Stammtisch der an einem öffentlichen Ort, nämlich in einer Wirtschaft in Markdorf stattfand. Dies ar aber kaum dazu geeignet um anonym und privat sich zu unterhalten und wirkliche Hilfe zu leisten. Es gab einmal eine Selbsthilfegruppe in Ravensburg, diese gibt es aber leider nicht mehr. Die nächsten, wirklichen Selbsthilfegruppen waren dann in Ulm, bzw. in Freiburg, also beide mehr als 100 Kilometer entfernt.

Ich hatte durch meine vorherigen Erfahrungen und Hilfestellungen den Eindruck, dass auf jeden Fall Bedarf im westlichen Bodenseeraum für eine solche Selbsthilfegruppe bestand und so beschloss ich, kurzerhand selbst eine zu gründen.

Und so überlegte ich mir einen Namen und eine entsprechende Domain, registrierte Diese und baute im Eilverfahren eine schicke Webseite auf, die diese neue Initiative beschreiben sollte und als Anlaufstelle dienen sollte.

Jeden zweiten Freitag im Monat sollte sich dann unsere neue Selbsthilfegruppe zusammen finden, wo dann jede*r von Problemen oder Erfolgen erzählen und sich Hilfe und Tipps holen kann. In erster Linie sollen diese Treffen dazu dienen, Informationen auszutauschen, bezüglich zum Beispiel dem grundsätzlichen Ablauf des jeweiligen Weges abhängig von der Richtung (Frau-zu-Mann oder Mann-zu-Frau) die man einschlagen will, empfohlener Psychotherapeuten, Endokrinologen oder wie man am besten die Vornamens- und Personenstandsänderung angeht. Ebenso sollte es natürlich um die verschiedenen Operationsmethoden und empfohlene Ärzte, die diese durchführen, gehen.

Ein anderer, sehr wichtiger Aspekt war allerdings auch das simple Zusammensein unter Freunden, ohne Angst haben zu müssen gemobbt oder sonderbar angeschaut zu werden. Viele von uns haben bereits einen langen und sehr steinigen Weg hinter uns, insbesondere was die Kindheit und Schulzeit angeht und haben hier auch sehr viel durchgemacht, was sie anderen Betroffenen gerne ersparen würden. So ist es nicht verwunderlich, das sich innerhalb dieser Treffen auch viele, tiefe Freundschaften entwickeln, die ein Leben lang halten.

Mitte 2016 – Höhenflüge und Abstürze

In der ersten Hälfte von 2016 hatte ich Tamara kennengelernt und ein wenig später dann Angela. Tamara war ein Mädchen mit ganz vielen eigenen Problemen, bei denen ich ihr nicht helfen konnte und so konnte auch eine Beziehung zwischen uns nichts werden.

Angela war eine Frau, selbst Borderlinerin wie auch ich, die sich ihrer selbst, ihrer Gefühle nicht sicher war und zudem panische Angst vor meinen Gefühlen hatte. Dies sorgte dann auch dafür, das ganze zehn (10!!!) Versuche zusammen zu kommen jedes Mal in einem Fiasko endeten und sie beinahe panisch die Flucht vor meiner Gefühlsflut ergriff.

Oktober 2016

Im Oktober war dann der zehnte Versuch mit Angela kläglich gescheitert und ich fiel mal wieder in ein sehr, sehr tiefes Loch. Es war ein Loch aus dem ich alleine nicht wieder heraus gekommen wäre. Mehr will ich in diesem Moment dazu nicht sagen. Fest steht jedoch, das ich ohne die folgenden Ereignisse, diese Zeit nicht überlebt hätte.

Ich hatte schon einen kleinen Tiefpunkt im Juli und Michelle – Du erinnerst Dich an die stille Transfrau in der SHG Dornbirn – war damals aus irgendeinem Grund mit mir per Facebook Messenger in Kontakt gekommen. Sie schrieb viel und oft mit mir, zeigte mir, das ich Freunde habe und alles nicht so schlimm war, wie es für mich aussah. Bei einer der Treffen der SHG Dornbirn schrieb sie vorher, das wir uns dort ja einmal unterhalten könnten… irgendwie ist es dann nicht dazu gekommen und wir saßen wieder nur still auf den Sofas und beachteten uns kaum.

Anfang Oktober dann, als es mir so dermaßen schlecht ging, schrieb sie wieder mit mir, stundenlang. Und auf einmal, wie aus heiterem Himmel machte es Klick bei mir…

Plötzlich sah ich Michelle mit ganz anderen Augen! Plötzlich merkte ich, das ich in ihr eine wirkliche Freundin gefunden hatte. Plötzlich wusste ich, das sie zu mir hielt und mich auffing, mir ihre starke Schulter reichte und mich tröstete. Und auf einmal schlug der Blitz bei mir ein. Ich verliebte mich Hals über Kopf in Michelle, obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten, uns nur ein paar mal in der SHG Dornbirn getroffen hatten und dort still auf den Sofas gesessen waren.

Michelle war damals für mich da und sie fing mich auf, bewahrte mich vor einer sehr, sehr großen Dummheit und sie hielt zu mir.

09.10.2016

In diesem Tag beschlossen wir – nach nur einer Woche nachdem der zehnte Versuch mit Angela gescheitert war – zusammen zu kommen und ein Paar zu werden. Es war ein sehr, sehr merkwürdiges Gefühl. Zuerst die totale Verzweiflung, das Fallen in ein dunkles, schwarzes Loch und dann innerhalb von nur sechs oder sieben Tagen, das absolute Hochgefühl und Glücksgefühl, jemanden gefunden zu haben, für die ich wirklich wichtig war und die mich auf Händen tragen würde.

Ein paar Tage später, ich glaube es war das darauf folgende Wochenende, fuhr ich nach Österreich um Michelle zu besuchen. Uns trennten nur ungefähr 70 Kilometer, aber immerhin drei Länder. Es war für mich das erste Mal, das ich für eine Partnerin durch drei Länder fahren musste, um sie zu sehen.

Ich kam in Lustenau an, klingelte bei Michelle an der Tür und sie machte mir auf………………

Man stelle sich vor, ich hatte Michelle bisher immer nur einmal im Monat bei den Treffen der Selbsthilfegruppe Dornbirn gesehen. Dort war sie hübsch gestylt, mit Perücke, Make-up und modischer, weiblicher Kleidung. An diesem Tag jedoch, als ich dort an der Tür klingelte und sie mir aufmachte, lernte ich Jürgen kennen.

Jürgen war Michelle, nur ohne Perücke, Make-up und modischer, weiblicher Kleidung. Mir machte ein Kerl die Tür auf, wie er im Buche steht. Ich war zuerst etwas verdattert und unsicher, wurde aber sehr freundlich und lieb willkommen geheißen.

Was soll ich sagen, ich verliebte mich noch viel, viel mehr, viel intensiver und mit allen Fasern meines Herzens… in diesen Kerl. Jürgen war – und es tut mir für Michelle leid, das ich das so sagen muss – ein ganzer Kerl, ein Macho-Man vom Feinsten und genau das, was ich brauchte. Ich sehnte mich so sehr nach Zuneigung, Liebe und vor allem Zärtlichkeiten… ich sehnte mich so verdammt nach einem Halt, nach einer starken Schulter, nach jemanden, bei dem ich mich fallen lassen konnte, mich ankuscheln konnte und dem ich alles anvertrauen konnte. Ich sehnte mich so sehr nach jemanden, bei dem ich eben nicht die große, starke Frau sein musste, die die Hosen anhat und die Verantwortung tragen musste. Ich wollte endlich auch einmal richtig geliebt werden, gehalten werden und vor allem geführt, geleitet werden. Ich sehnte mich so verdammt sehr nach starken Armen und einer festen, starken Persönlichkeit.

Und nach was ich mich am meisten sehnte war… Dominanz! Denn im Herzen, ganz tief in mir, war ich nie die starke, selbstbewusste, verantwortungsvolle Frau… ich war eher das schwache, sehr devote und zutrauliche Prinzesschen, das eine starke und dominante Führung brauchte. (Man achte auf das Halsband im Bild rechts!)

Und genau das alles bekam ich bei Jürgen – sorry, bei Michelle.

Und so war es kein Wunder, das ich ihr komplett und vollkommen verfallen bin, auch heute noch. Ich liebe sie mehr als mein Leben, mehr als alles, was ich mir vorstellen könnte. Und ich weiß mit absoluter, 100%-iger Sicherheit, das Michelle mich niemals so fallen lassen würde, mich niemals betrügen oder verarschen würde, wie es alle meine Partner oder Partnerinnen vorher getan haben.

Heute ist der 4. Juli 2017 und ich bin noch mindestens genau so verliebt und auch behütet, wie zu Anfang. Danke, liebste Michelle!

14.10.2016

Dann kam der 14. Oktober und das erste Treffen meiner eigenen Selbsthilfegruppe fand statt.

Zuvor hatte ich mich mehrere Wochen lang bemüht, eine entsprechend passende und vor allem günstige Location zu finden, wo wir in Zukunft unsere Treffen abhalten konnten. Ich bekam einen Tipp auf Facebook von einer meiner zahlreichen Facebook-Bekanntschaften, das ich es doch einmal bei der ideenWerkstatt Radolfzell versuchen sollte.

Ich setzte mich mit den Verantwortlichen in Verbindung und bekam, nach einem sehr netten Telefonat wo mir unmissverständlich klar gemacht wurde, dass sie es nicht wünschen, wenn ein paar Transvestiten wie beim Christopher-Street-Day “als Frauen verkleidet”, in Minirock, Overknees und Federbusch, dort aufkreuzen würden, sehr schnell einen Termin, wo ich mich persönlich vorstellen sollte. Ich kam dort an, wie immer sehr chic und modisch gekleidet – natürlich als Frau, so wie ich mich die letzten 12 Monate auch nur noch, ohne Ausnahme, gegeben hatte.

Ich denke alleine schon mein Aussehen, wie ich dort ankam und mein selbstbewusstes Auftreten, hatte sie überzeugt und wir hatten ein sehr angenehmes, langes Gespräch. Konsens dieses Gesprächs war dann, das ich endlich eine super tolle Räumlichkeit mit allem was das Herz begehrte, für meine Selbsthilfegruppe gefunden hatte!

Und so fand dann am 14.10.2016 unser erstes Treffen statt. Wir waren ganze vier Personen und das war schon ein riesiger Erfolg.

Hätte ich damals schon gewusst, wie groß der Bedarf an solch einer Gruppe in unserer Umgebung wirklich war und wie viele Personen schon vier Monate später zu den Treffen kamen, wäre ich wohl in Ohnmacht gefallen. Schließlich ist es tatsächlich die einzige (richtige) Selbsthilfegruppe zum Thema Transgender und Transidentität im Umkreis von ca. 100 Kilometern.

03.11.2016 – Gerichtstermin VÄ/PÄ

Ich hatte schon im April 2016 den Antrag gestellt auf meine Vornamens- und Personenstandsänderung (VÄ/PÄ). Hierzu hatte ich dann auch zwei Gutachterinnen vom Amtsgericht Konstanz zugeteilt bekommen. Eine in Freiburg und eine in Konstanz. Die Termine bei beiden Gutachterinnen zogen sich über die Monate August, September und Oktober dahin, bei der Gutachterin in Konstanz musste ich sogar drei Mal hin.

Schließlich bekam ich dann Ende Oktober Post vom Amtsgericht Konstanz mit der Terminvereinbarung zur Gerichtsanhörung am 03.11.2016, betreffend meiner VÄ/PÄ. Du kannst Dir sicher denken, wie aufgeregt ich war. Wie die Anhörung dann abgelaufen ist und wie glücklich ich darauf hin war, kann man sehr gut in dem folgenden Video das ich während der Fahrt nach dem Termin zurück zur Arbeit, gemacht habe, nachempfinden:

13.11.2016 – Der rechtsgültige Beschluss ist schon da!

Am 13.11.2016 lag dann schon der rechtsgültige Beschluss, datiert auf den 11.11.2016 im Briefkasten. Und damit ging die Ämter-Odyssee los! Als aller Erstes kopierte ich den Beschluss erst mal in digitale Form. Dann formulierte ich mehrere Emails an verschiedene Vertragspartner wie zum Beispiel T-Mobile, meine Versicherungen, etc. Mindestens genau so viele Briefe schrieb ich dann noch zum Beispiel an das Standesamt meiner Geburtsstadt um eine neue Geburtsurkunde ausstellen zu lassen, und einige andere mehr.

Aber es ging mir ja vor allem um meinen Personalausweis und meinen Führerschein. Dort den richtigen Namen und das richtige Geschlecht stehen zu haben, wäre die Krönung aller Wünsche…. nun ja, bis auf die abschließende Geschlechtsangleichende OP (GaOP) natürlich.

Also ging ich zum Bürgeramt und beantragte, nach Vorlage des Beschlusses und zweier neuer Passfotos, meinen neuen Perso und den neuen Führerschein. Es sollte vier Wochen dauern, bis ich endlich beides in den Händen halten sollte.

Endlich hatte ich einen riesigen Schritt geschafft auf meinem Weg. Es war einer der Wichtigsten für mich.

Das Ganze hatte jetzt nur noch einen Haken: Ich war mit allem durch, bis auf die GaOP. Diese konnte aber erst nach 18 Monaten Psychotherapeutischer Begleittherapie beantragt werden. Bis dahin waren es noch 10 Monate, in denen ich jetzt nur noch warten konnte und Stillstand hatte.

Nach all den Glücksgefühlen und Erfolgsmomenten nun 10 Monate einfach nur warten zu müssen, war nicht einfach – dachte ich zumindest. Jetzt haben wir den 07.07.2017, eine Woche vor meinem 45. Geburtstag und genau 3 Tage, bevor meine 18 Monate Psychotherapeutische Begleittherapie um sind und ich habe den Eindruck, die Zeit seit dem Beschluss damals im November, verging wie im Flug.

20.05.2017

Tja und dann kam der Tag, an dem ich gegen 12 Uhr Mittags einen Anruf einer guten Freundin der Familie Löhner bekam, die mir mit sehr trauriger Stimme mitteilte, das mein Vater Reinhold am Morgen völlig überraschend verstorben war.

Überraschend deshalb, weil er zwar Herzkrank war, aber seit 2 Jahren wieder richtig fit war, täglich ca. 30 Kilometer Rad gefahren war und am Abend zuvor noch auf das Segelboot geklettert war und dort die Sitzbänke neu lackiert hatte.

Dann hatte er sich, zusammen mit meiner Mutter am Vorabend zu Bett begeben. Meine Mutter wachte dann gegen 09:30 auf und wunderte sich da schon, das mein Vater sich halb aufgedeckt hatte und nicht rührte. Sie dachte sich aber nicht viel dabei und ging erst mal ins Bad. Als sie zurück kam, lag er immer noch so da und da bemerkte sie es dann. Er musste etwa eine Stunde vorher ohne Aufzuwachen friedlich verstorben sein.

Als aufmerksame*r Leser*in hast Du sicher noch in Erinnerung, was er mir bedeutet hatte und was ich ihm bedeutet hatte (siehe Anfang 1975 oder  Juli 2016). Er hatte mich immer bei allem unterstützt, stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite und auch wenn es mal finanziell eng war, half er mir immer wieder auf die Beine.

Er war mein größtes Vorbild, sein Humor, seine weise Art, seine Freundlichkeit und sein Charme waren einfach unschlagbar und ich träumte früher immer davon, so einen Mann irgendwann einmal zu heiraten.

Und dann war er auf einmal, von einem Tag auf den Anderen weg.

Am 02.06.2017 fand dann eine große Trauerfeier für ihn statt, an der ich psychisch, seelisch und auch körperlich komplett zusammen gebrochen bin – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor lauter Verzweiflung und Heulkrampf, bin ich ohnmächtig zusammengebrochen und habe mir dabei eine ordentliche Gehirnerschütterung eingefangen, deren Auswirkungen ich noch drei Tage später spürte.

Meine geschlechtsangleichende Operation

Diese liegt noch in der Zukunft (22.01.2018) von heute gesehen und dazu kann ich noch nicht viel sagen, außer das ich mich sehr., wahnsinnig darauf freue!

 

 

 

 

[…Fortsetzung folgt – Artikel noch in Arbeit…]

 

 

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