Die Vornamens- und Personenstandsänderung

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Neben dem medizinischen Weg, also die begleitende Psychotherapie, die Hormon-Ersatz-Therapie und die Operationen, gibt es auch noch den rechtlichen Weg, den wir beschreiten müssen. Hierzu gehört auch die Vornamens- und Personenstandsänderung (VÄ/PÄ), also die Änderung des Vornamens und des Geschlechts vor dem Gesetz.

Die Vornamens- und Personenstandsänderung (VÄ/PÄ) verläuft völlig unabhängig von allen anderen Dingen medizinischer Natur und kann sofort, also gleichzeitig mit Beginn der psychotherapeutischen Begleittherapie beim zuständigen Amtsgericht beantragt werden.

Erster Schritt

Um die VÄ/PÄ beim Amtsgericht zu beantragen reicht natürlich nicht einfach nur ein Antragsschreiben aus. Man benötigt zusätzlich noch die folgenden Dokumente, die man dem Antragsschreiben als Anlage beifügen muss, um zu erreichen, dass Dieses überhaupt vom Amtsgericht bearbeitet wird. Andernfalls wird das zugehörige Verfahren gar nicht erst angestoßen.

  • Transsexueller Lebenslauf – Dies sollte ein, minimal 3 Seiten und maximal 8 Seiten langer Lebenslauf sein, der Dein Leben betreffend Deine Transidentität beschreibt. Wie war Deine Kindheit, wurdest Du gemobbt, wie war die Pubertät, Dein junges Erwachsenenalter, etc. Schreibe den Lebenslauf als chronologisch korrekte und fortlaufende Geschichte. Beispiel:  transgender-lebenslauf.pdf (8 Downloads)
  • Kopie des Personalausweises
  • Kopie der Meldebescheinigung
  • Beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde
  • Eine Bescheinigung über die psychotherapeutische Begleittherapie

Ein Beispiel für solch ein Antragsschreiben, findest Du hier:   transgender-vä-pä-antrag.pdf (9 Downloads)

Das Beispiel enthält auf der ersten Seite meinen Antrag. Alle folgenden Seiten sind sehr nützliche und hilfreiche Erklärungen zum Verfahren an sich.

Zweiter Schritt

Nachdem Du Deinen Antrag abgeschickt hast, dauert es in der Regel zwei bis drei Wochen, bis Du eine Liste mit Gutachtern vom Amtsgericht bekommst. Von dieser Liste musst Du Dir zwei Gutachter aussuchen und selbstständig die Termine mit diesen Gutachtern ausmachen. Die zwei ausgesuchten Gutachter teilst Du dann auch wiederum dem Amtsgericht mit, damit diese Gutachter mit dem unabhängigen Gutachten für Dich beauftragt werden.

In der Regel bekommt man einen, maximal zwei Termine pro Gutachter, die auch ausreichen. Manche Gutachter wollen auch drei Termine machen. Leider gibt es hier keine Obergrenze oder irgendeine gesetzliche Einschränkung und die Gutachter nutzen unsere Not hier häufig aus, um uns mehr Geld als nötig aus der Tasche zu ziehen.

Nachdem Du alle Termine bei den Gutachtern hinter Dich gebracht hast, schreiben diese Gutachter Dir je ein unabhängiges Gutachten, die hoffentlich beide für Dich positiv ausfallen. Diese Gutachten gehen an das Amtsgericht. Dieser Prozess kann durchaus ein halbes bis dreiviertel Jahr in Anspruch nehmen.

Dritter Schritt

Nachdem die Gutachten beide beim Amtsgericht angekommen sind und beide für Dich positiv ausfallen, bekommst Du dann vom Amtsgericht, bzw. vom zuständigen Richter einen Termin für Deine Anhörung in der Sache.

Diese Anhörung ist wirklich kein großes Ding mehr: Du wirst eingeladen, kommst dort hin, wirst in das Richter-Zimmer gerufen und dort wird Dir dann mitgeteilt, dass Deine Gutachten positiv waren und die Lage klar ist. Dir wird Der Beschluss vorgelesen und es wird Dir gratuliert. Dann kannst Du wieder gehen.

Vierter Schritt

Nach einigen Wochen bekommst Du dann den rechtsgültigen Beschluss zugeschickt.

Mit diesem rechtsgültigen Beschluss kannst Du dann alle Dokumente wie Ausweis, Führerschein, Zeugnisse, Geburtsurkunde, etc. ändern lassen. Hier eine, sicher nicht vollständige Liste an Dokumenten, die Du ändern lassen solltest:

  • Personalausweis, Reisepass
  • Führerschein, Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief
  • Geburtsurkunde (!)
  • Bank-Konten und Kontenkarten
  • Kreditkarten
  • Krankenkassenkarte
  • Rentenversicherung
  • Mobilfunkverträge
  • Versicherungen wie Unfall, Hausrat, Familien, etc…
  • Schul- und Abschlusszeugnisse
  • Ausbildungszeugnisse
  • Arbeitsvertrag
  • Mietvertrag
  • Kreditverträge, etc
  • und was sonst noch so einfällt oder gebraucht wird

Ich empfehle sehr, gleich im Schreiben wo man um die Änderung der Daten bittet, Folgendes mit einzubauen:

Aufgrund meiner Transsexualität habe ich sowohl meine Vornamen, als auch mein Geschlecht gewechselt. Diese Änderung ist seit dem 11.11.2016 vom Amtsgericht  Konstanz als rechtsgültig erklärt worden. Den betreffenden, rechtsgültigen Beschluss in Kopie habe ich als Anlage beigefügt.

Nach Paragraph §5 des Transsexuellengesetzes (TSG, Offenbarungsverbot) müssen Dokumente wie Versicherungspolicen, Zeugnisse, Ausweise oder auch  Geburtsurkunde so geändert werden, dass der neue Name und das neue Geschlecht abgebildet werden, das Ausstellungsdatum aber das Ursprüngliche bleibt. So sollen unangenehme Fragen und damit sogenanntes Zwangs- oder Fremdouting verhindert werden. Die alte Identität soll vollständig ausgelöscht werden und nicht mehr nachvollziehbar sein.

Ich bitte Sie nun hinsichtlich §5 des TSG, meine Daten entsprechend zu ändern und mir den neuen Sozialversicherungsausweis zukommen zu lassen.

Die neuen Daten zu meiner Person sind wie folgt:

Außerdem natürlich immer den rechtsgültigen Beschluss als Anlage mit beifügen.

 

Hast Du weitere Fragen oder Probleme, scheue Dich nicht, mich zu kontaktieren oder unten die Kommentar-Funktion zu verwenden!

*Kisses*
Christin

 

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