Trans* Begrifflichkeiten – So vermeiden Sie Fettnäpfchen und falsche Ausdrucksweisen

Trans* Begrifflichkeiten

So vermeiden Sie Fettnäpfchen und falsche Ausdrucksweisen

Die Themen Transgender, Transidentität und Transsexualität sind endlich in der Öffentlichkeit und in den Medien angekommen, aber es gibt viele verschiedene Begriffe, Ausdrücke und Formulierungen, die verwirrend zu sein scheinen und immer wieder falsch verwendet werden. Wenn dann auch noch redaktioneller Zeitdruck hinzu kommt, mag es sogar verführerisch sein, etwas zu vereinfachen oder der Einfachheit und Schnelligkeit halber umzuformulieren. So entstehen immer wieder Artikel, Publikationen und Medienberichte, die einfach falsch sind, weil sie falsche Begrifflichkeiten oder Formulierungen verwenden.

Aussagen wie „War früher ein Mann und lebt jetzt als Frau“, „Er würde gerne eine Frau sein“ oder auch „Er ist im falschen Körper geboren“ sind äußerst problematisch und sorgen in der unbedarften Gesellschaft für Fehlinformation und ein falsches Bild von uns Trans* Personen.

Man liest in den Medien immer wieder mal Schlagzeilen wie, „Transfrau brutal zusammen geschlagen“ oder „Transsexueller Mann in Frauenkleidern von Jugendlichen homophob beleidigt“. Alleine in diesen beiden Schlagzeilen liegen schon gut und gerne vier Fehler, die man natürlich erst kennen muss um sie auch beseitigen oder in Zukunft vermeiden zu können:

Der erste Fehler:
Ist es wirklich wichtig oder von überragender Relevanz, das es sich bei der ersten Schlagzeile um eine Transfrau, also eine transsexuelle Frau handelte? Ist es nicht eher Sensationsgier die dahinter steckt, solch einen Titel zu formulieren?

Die anderen drei Fehler:
„Transsexueller Mann“ – Auch hier wieder die Frage nach der Relevanz in Bezug auf das tatsächlich Geschehene
„Transsexueller Mann in Frauenkleidern“ – Es gibt transsexuelle Männer, also Frau-zu-Mann Trans*Personen. Diese würden aber im Leben nie Frauenkleider tragen, denn das war ihre frühere Fassade. Richtig(er) wäre hier „Transsexuelle Frau“, ohne den Zusatz was sie angehabt hat.
„Transsexueller Mann […] homophob beleidigt“ – Wenn überhaupt handelte es sich hier eher um Transphobie und nicht um Homophobie, kommt aber natürlich auch auf den genauen Wortlaut der Beleidigungen an.

Sie sehen sicher die Problematik: Viele Schlagzeilen schießen weit über das Ziel hinaus oder sind einfach schon grundsätzlich falsch.

Ein weiteres, besonders schauriges Beispiel einer Schlagzeile – mit nicht zuletzt drei gravierenden Fehlern – anlässlich des Coming Outs von Chaz Bono als Trans*Mann, Sohn von Cher: „Früher liebte sie Frauen. Jetzt will sie lieber ein Mann sein.“

Der Schreiber dieser Schlagzeile hatte (zu dem Zeitpunkt) leider immer noch nicht verstanden, das die sexuelle Orientierung (Hetero-, Homo- oder Bisexuell) nichts mit der Geschlechtsidentität zu tun hat. Ganz davon abgesehen, stellt diese Schlagzeile den Dargestellten nicht als Mann, sondern als Frau dar. Und auch die Formulierung „will lieber“ suggeriert fälschlicher Weise, das wir Trans* Personen eine Wahl hätten.

Cher hingegen wünschte man einen Crash-Kurs, der sie in diskriminierungsarmer, trans*adäquater Sprache trainiert, da sie eineinhalb Jahre nach dem Outing ihres Sohnes Chaz immer noch tief in die No-Go-Kiste griff: “Meine Tochter ist ein kluges Mädchen. Ähm, Junge”, verhedderte sie sich, “ich vergesse immer, er zu ihr zu sagen”, und weiter: „Sie ist so cool, so locker.” Cher dagegen: so ignorant, so unüberlegt.

Oder zu fragen (oder ankreuzen zu müssen), ob eine Person „heterosexuell“, „schwul“ oder „trans*/transsexuell/transgender“ sei, ist dementsprechend so sinnvoll wie die Frage, ob man mit dem Zug (schwul), dem Bus (bisexuell) oder nach Paris (trans*/transsexuell/transgender) reisen wolle. (Für dieses Beispiel sei transinterqueer.org, bzw. Jayrôme Robinet gedankt.)

Heißt es jetzt Transidentität, Transgender, Transsexuell oder Trans<Sternchen>? Was ist Richtig und was ist Falsch bei der Formulierung von Artikeln oder Medien-Berichten? Diese Seite soll hier für Aufklärung sorgen und den Journalisten, Reportern und Redakteuren eine Hilfestellung sein, endlich einmal alles Richtig zu machen und Fettnäpfchen zu vermeiden.

Begrifflichkeiten

Transgender

Der Begriff „Transgender“ wurde ursprünglich von der Medizin und der Wissenschaft ins Leben gerufen und geprägt. Er ist zwar generell korrekt, hat aber in der Gesellschaft und der Öffentlichkeit eher die unterschwellige Zugehörigkeit zur Sexuellen Orientierung (Homosexualität, Bisexualität, Heterosexualität, etc). Aus diesem Grund ziehen viele Trans* Personen den Begriff „Transidentität“ vor, weil hier klar wird, das es sich um die Frage der (Geschlechts-) Identität handelt. Zudem will der Begriff „transgender“ eher eine Art Oberbegriff sein für alle Lebewesen, die sich außerhalb der Geschlechternorm fühlen oder die Geschlechter an sich in Frage stellen, ohne spezifizieren zu wollen.

Transsexualität

„Transsexualität“ ist der rechtlich korrekte Begriff für Transgeschlechtlichkeit. Die Endung „Sexualität“ bezieht sich auf das körperliche Geschlecht also die sichtbaren, äußeren Geschlechtsmerkmale. Dieser Begriff wird von einigen Trans* Personen abgelehnt, weil die Endung eben die körperliche Komponente hervorhebt und zur Hauptsache macht. Außerdem impliziert die Endung „Sexualität“ auch hier, das es sich um eine Sexuelle Orientierung handeln könnte, was definitiv nicht der Fall ist. Viele Trans* Personen bezeichnen sich aber auch gezielt als Transsexuell, weil sie der Meinung sind, das es sich bei Transsexualität eben um einen Körperlichen Makel handelt und nur der Körper angeglichen werden muss, und keine soziale Angelegenheit ist.

(Ich persönlich betrachte mich definitiv ebenfalls als Transsexuell, als eine transsexuelle Frau.)

Transidentität

„Transidentität“ betont, dass es um die Identifikation mit dem anderen Geschlecht und nicht um die Sexualität geht. Das Adjektiv „transident“ wird heute häufig als Synonym für „transsexuell“ verwendet. Allerdings ist auch dieser Begriff umstritten. Erstens, weil er suggeriert, dass der Körper komplett unwichtig wäre, zweitens weil Identität danach klingt, als ob man es sich ausgesucht hätte, transident zu sein.

Trans*

Statt Transgender, Transidentität und Transsexualität wird inzwischen immer häufiger der Begriff „Trans*“ verwendet. Er ist der Versuch, einen nicht wertenden und nicht kategorisierenden Oberbegriff für das gesamte Trans*-Spektrum zu finden.

Transvestitismus oder Transvestismus

„Transvestitismus“ ist eine sehr umstrittene Bezeichnung, die für Viele Menschen in der Gesellschaft für einen Fetisch steht, nämlich sich als das andere Geschlecht der sexuellen Lust wegen zu verkleiden. Tatsächlich meint man damit eher „Cross-Dressing“, da Transgeschlechtlichkeit rein gar nichts mit sexueller Lust zu tun hat.

Transfrau

Transfrau ist eine Bezeichnung für Mann-zu-Frau Transsexuelle und wird heute gerne benutzt, da dort das Wort „sex“ nicht vorkommt. Dies ist der korrekte Begriff für eine Frau, die sich auf dem Weg, auf der Transition von den männlichen Geschlechtsmerkmalen hin zu denen einer Frau befindet.

Transmann

Transmann ist eine Bezeichnung für Frau-zu-Mann Transsexuelle und wird heute gerne benutzt, da dort das Wort „sex“ nicht vorkommt. Dies ist der korrekte Begriff für einen Mann, der sich auf dem Weg, auf der Transition von den weiblichen Geschlechtsmerkmalen hin zu denen eines Mannes befindet.

Transphobie

Transphobie ist die Abneigung, Geringschätzung, Ablehnung, Hass oder Angst gegenüber Trans-Menschen.

Transsexuellengesetz (TSG)

Das deutsche Transsexuellengesetz trat 1980 in Kraft. Es ermöglicht Trans-Menschen zum Beispiel, ihren Vornamen zu ändern oder im Personenstandsregister ihren Status von „männlich“ auf „weiblich“ – oder umgekehrt – ändern zu lassen. Nicht möglich ist es, eine neutrale Formulierung zu wählen: Laut Gesetz muss man sich zwischen zwei Geschlechtern entscheiden.

LGBT oder LSBT oder LSBTTIQ oder LSBTIQ

LGBT ist die Abkürzung für „Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender“ und steht für die Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. Die Erweiterung LSBTTIQ meint zusätzlich auch noch alle Trans* Personen, sowie Intersexuelle oder Queere Personen.

 

Problematische Formulierungen

„Geschlechtsumwandlung“: Es gibt keine Geschlechtsumwandlung! Niemand wandelt oder verwandelt sich in ein anderes Geschlecht! Trans*Personen gleichen ihren Körper nur an das eigentliche gefühlte Geschlecht, an ihre Geschlechtsidentität – an das Geschlecht das sie eigentlich schon immer waren – an.
Richtig wäre: „Geschlechtsangleichung“ oder „geschlechtsangleichende Operation“.

„Wie ein Mann zur Frau wird“: Ein Mann kann nicht zur Frau werden. Man kann nicht seinen Körper tauschen. Das Geschlecht befindet sich zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen! Eine Transfrau war schon immer eine Frau und wird es auch bleiben, genau so wie ein Transmann schon immer ein Mann war und es immer bleiben wird. Es wird nur der Körper an das eigentliche Geschlecht angeglichen.
Richtig wäre: „Wie eine Frau ihren Körper ihrem Geschlecht angleicht“

„im falschen Körper geboren“: ist die landläufige Phrase, um Transgender zu beschreiben. Allerdings lehnen nicht alle Transgender ihre Körper ab und wenn, dann häufig nur Teile davon, wie zum Beispiel die Geschlechtsmerkmale.
Richtig wäre: „…mit den falschen primären Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen“

„wurde als Mädchen geboren“: Nur weil eine Person bei der Geburt als Mädchen einkategorisiert wird, muss sie noch lange kein Mädchen sein. Durch Transsexualität haben wir gelernt, das ein, als Mädchen einkategorisierter Mensch, durchaus eigentlich ein Junge sein kann. Das Geschlecht findet nicht zwischen den Beinen statt, sondern zwischen den Ohren.
Richtig wäre: „…wurde mit weiblichen primären Geschlechtsmerkmalen geboren“

„möchte gern eine Frau sein“: Das deutet an, dass man sich ganz einfach für eine geschlechtliche Identität entscheiden kann. Niemand entscheidet sich für ein anderes Geschlecht. Entweder man ist es oder man ist es nicht. Nur weil jemand mit falschen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam kann man sich nicht dazu entscheiden, das sie falsch sind und man lieber im anderen Geschlecht leben möchte. Man IST das andere Geschlecht. Kein Mensch der halbwegs bei Verstand ist, würde diesen Weg aus einer Laune heraus gehen.
Richtig wäre: „…fühlt sich als Frau und möchte ihren Körper dem Geschlecht angleichen“

„war früher ein Junge“: Viele Transmänner würden wohl eher von sich sagen, dass sie früher auch schon Jungs waren – und Transfrauen eben Mädchen. Wenn jemand transsexuell ist, dann war man auch früher schon das, als was man sich fühlt und nicht das, was die äußeren Geschlechtsmerkmale dargestellt haben mögen.
Richtig wäre: „…wurde mit männlichen primären Geschlechtsmerkmalen geboren“

„er“ oder „sie“: Man wählt immer das Pronomen für eine Person, das sie auch selbst für sich nutzt. Auch wenn es früher vielleicht mal ein anderes war und auch wenn man über die Vergangenheit spricht.

 

 

(Alle Definitionen stützen sich auf die Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, von transinterqueer.org, auf das Portal gendertreff.de, die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und auf eigene Erfahrungen)

Sehr informativ und noch tiefergehend:
http://www.transinterqueer.org/download/Publikationen/TrIQ_Journalist_innen-2.%20Aufl.-web(2).pdf

 

 

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