Trans* Begrifflichkeiten – So vermeiden Sie Fettnäpfchen und falsche Ausdrucksweisen

Trans* Begrifflichkeiten

So vermeiden Sie Fettnäpfchen und falsche Ausdrucksweisen

Die Themen Transgender, Transidentität und Transsexualität sind endlich in der Öffentlichkeit und in den Medien angekommen, aber es gibt viele verschiedene Begriffe, Ausdrücke und Formulierungen, die verwirrend zu sein scheinen und immer wieder falsch verwendet werden.

Aussagen wie „War früher ein Mann und lebt jetzt als Frau“, „Er würde gerne eine Frau sein“ oder auch „Er ist im falschen Körper geboren“ sind äußerst problematisch und sorgen in der unbedarften Gesellschaft für Fehlinformation und ein falsches Bild von uns Trans* Personen.

Heißt es jetzt Transidentität, Transgender oder Transsexuell? Was ist Richtig und was ist Falsch bei der Formulierung von Artikeln oder Medien-Berichten? Diese Seite soll hier für Aufklärung sorgen und den Journalisten, Reportern und Redakteuren eine Hilfestellung sein, endlich einmal alles Richtig zu machen und Fettnäpfchen zu vermeiden.

Transgender

Der Begriff „Transgender“ wurde ursprünglich von der Medizin und der Wissenschaft ins Leben gerufen und geprägt. Er ist zwar generell korrekt, hat aber in der Gesellschaft und der Öffentlichkeit eher die unterschwellige Zugehörigkeit zur Sexuellen Orientierung (Homosexualität, Bisexualität, Heterosexualität, etc). Aus diesem Grund ziehen viele Trans* Personen den Begriff „Transidentität“ vor, weil hier klar wird, das es sich um die Frage der (Geschlechts-) Identität handelt. Zudem will der Begriff „transgender“ eher eine Art Oberbegriff sein für alle Lebewesen, die sich außerhalb der Geschlechternorm fühlen oder die Geschlechter an sich in Frage stellen, ohne spezifizieren zu wollen.

Transsexualität

„Transsexualität“ ist der rechtlich korrekte Begriff für Transgeschlechtlichkeit. Die Endung „Sexualität“ bezieht sich auf das körperliche Geschlecht also die sichtbaren, äußeren Geschlechtsmerkmale. Dieser Begriff wird von einigen Trans* Personen abgelehnt, weil die Endung eben die körperliche Komponente hervorhebt und zur Hauptsache macht. Außerdem impliziert die Endung „Sexualität“ auch hier, das es sich um eine Sexuelle Orientierung handeln könnte, was definitiv nicht der Fall ist. Viele Trans* Personen bezeichnen sich aber auch gezielt als Transsexuell, weil sie der Meinung sind, das es sich bei Transsexualität eben um einen Körperlichen Makel handelt und nur der Körper angeglichen werden muss, und keine soziale Angelegenheit ist.

(Ich persönlich betrachte mich definitiv ebenfalls als Transsexuell, als eine transsexuelle Frau.)

Transidentität

„Transidentität“ betont, dass es um die Identifikation mit dem anderen Geschlecht und nicht um die Sexualität geht. Das Adjektiv „transident“ wird heute häufig als Synonym für „transsexuell“ verwendet. Allerdings ist auch dieser Begriff umstritten. Erstens, weil er suggeriert, dass der Körper komplett unwichtig wäre, zweitens weil Identität danach klingt, als ob man es sich ausgesucht hätte, transident zu sein.

Trans*

Statt Transgender, Transidentität und Transsexualität wird inzwischen immer häufiger der Begriff „Trans*“ verwendet. Er ist der Versuch, einen nicht wertenden und nicht kategorisierenden Oberbegriff für das gesamte Trans*-Spektrum zu finden.

Transvestitismus oder Transvestismus

„Transvestitismus“ ist eine sehr umstrittene Bezeichnung, die für Viele Menschen in der Gesellschaft für einen Fetisch steht, nämlich sich als das andere Geschlecht der sexuellen Lust wegen zu verkleiden. Tatsächlich meint man damit eher „Cross-Dressing“, da Transgeschlechtlichkeit rein gar nichts mit sexueller Lust zu tun hat.

Transfrau

Transfrau ist eine Bezeichnung für Mann-zu-Frau Transsexuelle und wird heute gerne benutzt, da dort das Wort „sex“ nicht vorkommt. Dies ist der korrekte Begriff für eine Frau, die sich auf dem Weg, auf der Transition von den männlichen Geschlechtsmerkmalen hin zu denen einer Frau befindet.

Transmann

Transmann ist eine Bezeichnung für Frau-zu-Mann Transsexuelle und wird heute gerne benutzt, da dort das Wort „sex“ nicht vorkommt. Dies ist der korrekte Begriff für einen Mann, der sich auf dem Weg, auf der Transition von den weiblichen Geschlechtsmerkmalen hin zu denen eines Mannes befindet.

Transphobie

Transphobie ist die Abneigung, Geringschätzung, Ablehnung, Hass oder Angst gegenüber Trans-Menschen.

Transsexuellengesetz (TSG)

Das deutsche Transsexuellengesetz trat 1980 in Kraft. Es ermöglicht Trans-Menschen zum Beispiel, ihren Vornamen zu ändern oder im Personenstandsregister ihren Status von „männlich“ auf „weiblich“ – oder umgekehrt – ändern zu lassen. Nicht möglich ist es, eine neutrale Formulierung zu wählen: Laut Gesetz muss man sich zwischen zwei Geschlechtern entscheiden.

LGBT oder LSBT oder LSBTTIQ oder LSBTIQ

LGBT ist die Abkürzung für „Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender“ und steht für die Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern. Die Erweiterung LSBTTIQ meint zusätzlich auch noch alle Trans* Personen, sowie Intersexuelle oder Queere Personen.

 

Problematische Formulierungen

„Geschlechtsumwandlung“: Es gibt keine Geschlechtsumwandlung! Niemand wandelt oder verwandelt sich in ein anderes Geschlecht! Trans*Personen gleichen ihren Körper nur an das eigentliche gefühlte Geschlecht, in ihre Geschlechtsidentität – an das Geschlecht das sie eigentlich schon immer waren – an. Richtig wäre: „Geschlechtsangleichung“ oder „geschlechtsangleichende Operation“.

„Wie ein Mann zur Frau wird“: Ein Mann kann nicht zur Frau werden. Man kann nicht seinen Körper tauschen. Das Geschlecht befindet sich zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen! Eine Transfrau war schon immer eine Frau und wird es auch bleiben, genau so wie ein Transmann schon immer ein Mann war und es immer bleiben wird. Es wird nur der Körper an das eigentliche Geschlecht angeglichen.

„im falschen Körper geboren“: ist die landläufige Phrase, um Transgender zu beschreiben. Allerdings lehnen nicht alle Transgender ihre Körper ab und wenn, dann häufig nur Teile davon, wie zum Beispiel die Geschlechtsmerkmale. Richtig wäre „mit den falschen Geschlechtsmerkmalen geboren“.

„wurde als Mädchen geboren“: Nur weil eine Person bei der Geburt als Mädchen einkategorisiert wird, muss sie noch lange kein Mädchen sein. Durch Transsexualität haben wir gelernt, das ein, als Mädchen einkategorisierter Mensch, durchaus eigentlich ein Junge sein kann. Das Geschlecht findet nicht zwischen den Beinen statt, sondern zwischen den Ohren.

„möchte gern eine Frau sein“: Das deutet an, dass man sich ganz einfach für eine geschlechtliche Identität entscheiden kann. Niemand entscheidet sich für ein anderes Geschlecht. Entweder man ist es oder man ist es nicht. Nur weil jemand mit falschen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam kann man sich nicht dazu entscheiden, das sie falsch sind und man lieber im anderen Geschlecht leben möchte. Man IST das andere Geschlecht. Kein Mensch der halbwegs bei Verstand ist, würde diesen Weg aus einer Laune heraus gehen.

„war früher ein Junge“: Viele Transmänner würden wohl eher von sich sagen, dass sie früher auch schon Jungs waren – und Transfrauen eben Mädchen. Wenn jemand transsexuell ist, dann war man auch früher schon das, als was man sich fühlt und nicht das, was die äußeren Geschlechtsmerkmale dargestellt haben mögen.

„er“ oder „sie“: Man wählt immer das Pronomen für eine Person, das sie auch selbst für sich nutzt. Auch wenn es früher vielleicht mal ein anderes war und auch wenn man über die Vergangenheit spricht.

 

(Alle Definitionen stützen sich auf die Publikationen der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, das Portal gendertreff.de und auf eigene Erfahrungen)

 

 

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